Aktion Silbermöwe

Hilfe für Menschen in anderen Erdteilen – inzwischen seit 50 Jahren

Weihbischof Otto Georgens

Die „Aktion Silbermöwe“ ist einmalig in der Kirche in Deutschland. Sie fördert Projekte in über 40 Ländern der Erde, sie unterstützt wirksam die Arbeit der Missionarinnen und Missionare, der Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer aus unserem Bistum und darüber hinaus, sie leistet sowohl Einzel- als auch Not- und Katastrophenhilfe.

Darauf können wir mit Recht stolz sein. Ich bin der Redaktion und den Leserinnen und Lesern des "pilger", den Pfarreien, Verbänden und Initiativen sehr dankbar für diese tatkräftige Hilfe. Es zeichnet unsere Diözese aus, dass viele Menschen und Gruppen über den eigenen Kirchturm hinaus denken, dass sie offen und sensibel sind für ihre Mitmenschen in der Einen Welt. Ich denke hier besonders auch an die jungen Erwachsenen, die sich freiwillig zu einem Jahreseinsatz verpflichten, um bei einem weltkirchlichen Projekt mitzuarbeiten.

Der „Aktion Silbermöwe“ gratuliere ich von Herzen zum 50-jährigen Bestehen. Ich wünsche mir, dass die „Aktion Silbermöwe“ auch in Zukunft an der Brücke zu den Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika weiterbaut und zu einem dauerhaften partnerschaftlichen Miteinander beiträgt.

Weihbischof Otto Georgens
Bischofsvikar für Weltkirchliche Aufgaben im Bistum Speyer 

Interview mit Ruth Pfau über die Folgen der Flutkatastrophe in Pakistan

Dr. Ruth Pfau

Nach den verheerenden Überschwemmungen in Pakistan wird die Nothilfe ausgeweitet. Die deutsche Lepra-Ärztin und Ordenschwester Ruth Pfau ist seit Jahren für die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe vor Ort (DAHW). Im Interview sprach die „Mutter der Leprakranken“ am 9. August über die Flut und die Probleme im Land.

Frau Pfau, Sie sind in Pakistan vor Ort, wie stellt sich die Lage dort für Sie dar?

Derzeit bin ich in Karachi, denn dort haben wir neben der Flut jede Menge andere Schwierigkeiten. In den vergangenen Tagen gab es mehr als 100 Morde. Sie hängen zwar nicht mit der Flut zusammen, vermutlich sind sie politisch motiviert. Aber es gibt kein Wasser, keinen Strom, die Menschen können nicht schlafen und sind sehr gestresst. Deshalb bin ich jetzt in Karachi. Aber unsere Teams sind im gesamten Land verteilt. Wir haben so viel zu tun, dass wir nicht wissen, was wir zuerst machen sollen.

Berichte in Deutschland sprechen von der schlimmsten Flut seit 80 Jahren. Wo sehen Sie die Ursachen?

Was mich am meisten ärgert ist, dass wir selbst schuld sind an der Flut. Ich habe das über die letzten 20 Jahre mitverfolgt: Pakistan ist eines der Länder, in denen am meisten abgeholzt wird. Wir haben schon versucht dagegen vorzugehen, aber die dortige Mafia verdient sehr viel an dem Holz. So kann sich das Wasser natürlich ungehindert ausbreiten. Die Betroffenen sind dafür nicht verantwortlich, aber die Regierung müsste das ändern.

Was können Sie konkret für die Opfer tun?

Soweit wir finanzielle Mittel haben, verteilen wir Lebensmittel. Wir sind beinahe Spezialisten in der Nothilfe. In vielen Regionen helfen Lebensmittel alleine aber nicht, es müssen Kochutensilien, Brennholz und auch Schlafplätze zur Verfügung gestellt werden. Das Gute ist, dass wir unsere eigenen Leute vor Ort haben, denn bei derartigen Katastrophen werden auch Verbindungswege abgeschnitten, so dass der Zugang zu den Betroffenen nicht oder nur schwer möglich ist. Unsere öffentlichen Lepraassistenten kaufen derzeit Waren auf dem Basar auf und verteilen sie, bevor das die Mafia tut, die die Güter dann für das Fünffache weiterverkauft. Insgesamt sind 840 Mitarbeiter von uns in Pakistan, überall dort, wo jemals Lepra aufgetaucht ist. Zugute kommt uns auch, dass wir zu 80 Prozent mobile Dienste haben, die sehr flexibel sind und dass wir uns über Mobiltelefone absprechen können.

Was, glauben Sie, wird in den kommenden Wochen auf Sie zukommen?

Wir denken nicht an morgen, wir haben so viel zu tun. Aber es werden nach einiger Zeit Nichtregierungsorganisationen kommen, das wird in der Regel von pakistanischer Seite unterstützt. Aber die Rehabilitierung bleibt auf der Strecke. Wir fragen uns, wie wir die Menschen bis zur nächsten Ernte bringen, denn sobald die Katastrophe aus den Medien verschwindet, wird auch nicht mehr gespendet. Große Sorge machen uns neben der Flut die Aufständischen im Land. Solange die Überschwemmungen akut sind, ist dies noch kein Problem, da helfen alle zusammen, denn jeder ist betroffen. Das Problem mit den Aufständischen kommt erst später.

Kann diesem Problem vorgebeugt werden?

Wichtig ist die Verteilung des Geldes, ob es geschmuggelt wird, oder ob es wirklich an die Bedürftigen verteilt wird. Denn das birgt ein großes Konfliktpotenzial. Auch in der Nothilfe achten wir sehr darauf, dass Hilfsgüter gerecht verteilt werden. Wir können nicht nur ein paar Familien aus einem Dorf helfen, wenn, dann helfen wir allen, sonst führt das zu Feindschaften.

Wie lange wird Pakistan benötigen, um sich von der Flut zu erholen?

Wenn Sie zurückblicken, da gab es Erdbeben, Überschwemmungen oder eben auch Konflikte mit den Aufständischen innerhalb kürzester Zeit. Deshalb glaube ich, bevor die jetzigen Schäden beseitigt sind und das Land wieder hergestellt ist, wird bestimmt schon die nächste Katastrophe da sein. Wichtig ist jetzt, dass die Helfer, die von außen kommen, örtliche Organisationen fragen, was benötigt wird. Jetzt in der Akutsituation kann und soll man aber nicht planen, da brauchen wir schlichtweg Geld um zu helfen. (Interview: Veronika Schütz, KNA)

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