Wochenkommentar

Donnerstag, 19. Januar 2012

Fragwürdiges bei Weltbild

Grundsätze der katholischen Soziallehre waren in der Unternehmensphilosophie wohl eher Fremdwörter.

Der Weltbildkonzern gerät nicht aus den Schlagzeilen. Da tauchen vor einigen Monaten im Sortiment des kirchlichen Medienunternehmens Produkte erotischen und esoterischen Inhalts auf, die im Widerspruch zur katholischen Lehre stehen. Darauf beschlossen die Eigentümer – darunter mehrere Diözesen – den Verkauf des Unternehmens.
 Jetzt verlangt der Betriebsrat der Augsburger Verlagsgruppe einen Sitz im Aufsichtsrat, um bei den Verkaufsverhandlungen mitreden zu können. Bisher wird ihm dies verweigert, weil es sich bei Weltbild um ein kirchliches Unternehmen handle, bei dem die Mitbestimmungsrechte des Betriebsverfassungsgesetzes keine Anwendung fänden, so die Geschäftsführung. Mag sein oder auch nicht, das werden die Gerichte entscheiden. Bei ihrer kirchlichen Verortung haben es bisher die Chefs des Konzerns wirklich nicht so genau genommen; plötzlich glauben sie, diese Karte spielen zu können. Dabei sei angemerkt: Der Umgang der Konzernleitung mit den Beschäftigten in der Vergangenheit ist ebenso fragwürdig wie das Pornoangebot im Buchversand. So hat der Betriebsrat beispielsweise immer wieder schlechte Arbeitsbedingungen und die große Zahl von befristeten Arbeitsverhältnissen kritisiert. Grundsätze der katholischen Soziallehre waren in der Unternehmensphilosophie wohl eher Fremdwörter. Gewinnmaximierung passt da schon eher ins „Leitbild“.
Die kirchlichen Eigentümer sind gut beraten, der Forderung des Betriebsrates nach Mitsprache im Aufsichtsrat nachzukommen. Es geht schließlich um mehr als 6000 Arbeitsplätze. Vielleicht kann der Schaden zumindest begrenzt werden. (Norbert Rönn)

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