Geistliches Leben

Donnerstag, 19. Januar 2012

Lassen wir uns rufen?!

Der Warnruf des Boten und der Ruf Jesu gelten auch für uns – Gedanken zum Markus-Evangelium 1, 14–20 von Diakon Helmut Husenbeth

Noch krasser könnte der Gegensatz kaum sein als im ersten Satz des heutigen Sonntagsevangeliums: Johannes der Täufer wurde ins Gefängnis geworfen – Jesus geht nach Galiläa, ruft zur Umkehr und verkündet das Evangelium Gottes. 
Wie gehen wir mit diesem Gegensatz um? Spiegeln sich hier all die Spannungen, die menschliches Leben so oft bestimmen – damals wie heute; also auch unser Leben? „Evangelium“ – das ist doch die „gute Botschaft“ Gottes in diese Welt; freilich in diese Welt mit all ihren Verwerfungen. Die Gefangennahme – und schließlich der gewaltsame Tod Johannes des Täufers – können nicht die frohe Botschaft oder die gute Nachricht sein.
Aber diese dramatischen Ereignisse lösen das Handeln Jesu aus. Sie sind für Jesus das Signal, die „Fülle der Zeit“ und die Nähe des Gottesreiches zu verkünden, nicht „obwohl“, sondern „weil“ diese Welt nicht in Ordnung ist.
Johannes der Täufer war nicht nur der, der den Menschen ihre Sünden und ihre Selbstgerechtigkeit in harten, klaren Worten deutlich machte; er war auch der, der den kommenden Messias ankündigte – und gerade deshalb ein Innehalten forderte.
Was Johannes anmahnte, ging ja an die Substanz. Er herrschte die in die Wüste gepilgerten Menschen an: „Schlangenbrut!“ – und wurde verhaftet. Diese mahnende Stimme des Rufers in der Wüste wurde brutal zum Schweigen gebracht: Herodes lässt Johannes ermorden.
Johannes, der Vorläufer, Wegbereiter und Rufer, hatte mit den Worten des Elija Jesus von Nazaret als den Messias verkündet und damit auf die anbrechende Heilszeit hingewiesen. Nach der Taufe Jesu durch Johannes verkündete die „Stimme aus dem Himmel“ Jesus als den geliebten Sohn Gottes. „Himmel“, das steht hier ja für den  „Raum“, den Namen Gottes.
Wie Johannes fordert nun Jesus die Menschen zur Umkehr auf (Makurs-Evangelium 1,15). Die „Umkehr“, die Forderung nach Neuem und die Suche nach dem Fundament bzw. den Wurzeln des Lebens und der Gottbegegnung – das bewegte die Menschen damals. Aber diese Forderung ist auch an uns Heutige gerichtet – gleich, wo immer wir stehen. Wie gehen wir damit um? 
Auch wir müssen umdenken und uns rufen lassen. „Kehrt um!“ Was heißt dieses Wort „metanoiete“? „Um-denken“, „nach-denken“ – das ist die Forderung damals wie heute. Die Menschen, die an den Jordan kommen, und auch die, die in Jerusalem bleiben, sollen ihr eingefahrenes Denken auf den Prüfstand stellen – und natürlich ihr daraus folgendes Handeln, ja, die gesamte Ausrichtung ihres Lebens. Es geht nicht darum, in Sack und Asche zu gehen und Buße zu tun. Der Imperativ Jesu ist nach vorne gerichtet. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Umdenken, glauben und handeln gehören unmittelbar zusammen – eins ergibt sich aus dem andern: glauben – leben – handeln.
Dass das Wort Jesu lebenspraktisch, ja geradezu missionarisch gemeint ist, ergibt sich aus der folgenden Szene: Jesus beruft die Brüderpaare Simon (Petrus) und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Es handelt sich um eine klassische Berufungsszene: Der Meister trifft den Jünger, den er berufen will, während dessen Arbeit. Die Berufung erfolgt knapp und direkt; der Jünger folgt seinem Meister ohne Zögern. Wir können darüber nur staunen.
Jesus sah die jungen Fischer und rief sie. Sie ließen sich rufen. Sie haben sich nicht in ihrem Hier und Jetzt bequem eingerichtet. Was kann das für uns heißen? Doch wohl auch, sich nicht auf alle möglichen Wenn und Aber einlassen, wenn der Ruf Jesu in einer konkreten Situation erfolgt.
Jesu Blick und Ruf aber geht weiter, durch alle Zeit, bis auf uns. Müssen nicht auch wir offen sein für den Ruf Jesu nd bereit, im zu folgen ohne Umschweife und Vorbehalte. Und müssen nicht auch wir den Blick richten auf Menschen unserer Zeit – und den liebenden Blick wie den konsequenten Ruf  Jesu weitergeben?!
Sollten wir nicht auch die Geschwisterlichkeit sehr hoch schätzen, die bei der Berufung deutlich wird! Simon Petrus ist die große Apostelgestalt der römischen Kirche – Andreas der hochverehrte Apostel der christlichen Orthodoxie. Beide sind Brüder. Beten wir um liebende Brüderlichkeit der Kirchen! 
Auch Jakobus und Johannes sind Brüder. In vielen Kirchen des Jakobspilgerwegs nach Santiago de Compostela ist das Apostel-Brüderpaar gemeinsam dargestellt – so z.B. in der Camara Santa der Kathedrale in Oviedo. Sie mögen uns Wegbegleiter sein auf dem lebenslangen Weg zu Gott. 
Der mahnende Ruf Johannes des Täufers und die Berufung in die Nachfolge Jesu gelten bis heute – für uns. Hören wir den Ruf – und öffnen uns der Botschaft!
   
helmuthusenbeth@web.de

 

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