Das ist mir heilig

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Sehnsucht der Menschen

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zur Initiative „Das ist mir heilig…“

Die heilige Hildegard von Bingen hat einmal gesagt „Die Augen sind die Fenster der Seele.“ Als Bischof darf ich immer wieder jungen Menschen das Sakrament der Firmung spenden. Ab und an frage ich dann, was den Jugendlichen ganz besonders wichtig ist: „Was ist dir heilig?“. Nicht selten lautet die Antwort, und dabei kann ich das Funkeln in den Augen deutlich wahrnehmen, „Mein Handy!“

Auf den ersten Blick scheint das einen Zeitgeist zu bestätigen, für den übergeordnete und die Gesellschaft tragende Überzeugungen weniger wichtig sind als materielle Werte. Was also zählt?

In früheren Zeiten war tatsächlich oftmals deutlicher, was auch in gesellschaftlichen Zusammenhängen „heilig“ bedeutet und was, weil es heilig ist, geschützt werden muss.

Als Christen glauben wir, dass der schlechthin Heilige, Gott, zu uns in eine unvorstellbar nahe Beziehung getreten ist: Er ist Mensch geworden, damit wir das Heil erlangen. Was meint dieser sperrige Begriff? Gott will uns Anteil an seinem Leben geben, damit wir in einem umfassenden Sinne glücklich werden. Kann das gelingen? Dann, so glauben wir, wenn wir sind und so handeln, wie Er uns erdacht und geschaffen hat: Abbilder seiner Liebe. Auch wenn das Wissen über das, was „Heil“ und „heilig“ bedeuten, in unserer Zeit abgenommen hat oder verdunkelt ist: Ich bin davon überzeugt, dass die Sehnsucht der Menschen nach dieser Liebe und nach dem Heiligen ungebrochen ist.

Danken möchte ich deshalb den Initiatoren, Trägern, Organisatoren und allen Beteiligten des Projekts „Das ist mir heilig…“ Es ist ein Ausdruck dieser menschlichen Sehnsucht, nimmt sie auf, und will zudem das Gespräch darüber anstoßen, was mir selbst und was uns in der Gesellschaft gemeinsam heilig ist. Ich verstehe es daher auch als einen Beitrag zu dem von Papst Benedikt XVI. ins Leben gerufenen „Jahr des Glaubens“. Es ist mein Wunsch, dass sich möglichst viele Menschen davon ansprechen und motivieren lassen. Nicht zuletzt kann „Das ist mir heilig…“, indem das Projekt Menschen zusammenbringt, auch neue Wege zu Gott erschließen.

Wenn ich bei den Firmlingen nachfrage dann wird schnell klar, dass ihnen ihr Mobiltelefon nicht um seiner selbst Willen heilig ist. Jugendliche speichern darauf die Nummern und Fotos der Menschen, die ihnen wirklich wichtig sind: von der Familie und guten Freunden. So können sie auch über große Distanzen hinweg Verbindung halten und lebendige Beziehungen aufbauen. Hier zeigt sich, was in unserer schnelllebigen und mobilen Zeit für viele lebenswichtig ist: Gemeinschaft, Vertrauen, Liebe. All das rührt an das Unbedingte an, an das „Heilige“, und damit an das Geheimnis Gottes.

Sein Segen begleite Ihre und unsere Zeit des gemeinsamen Nachdenkens und Nachforschens über das, was heilig ist. Das wünscht

Bischof

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