Dialogprozess im Bistum Speyer

Bischof und Katholikenrat starten Dialogprozess

Vollversammlung des Katholikenrats.
Bischof Dr. Wiesemann und ZdK-Sekretär Dr. Vesper.

Bei der Vollversammlung des Speyerer Diözesan-Katholikenrates am 2. und 3. September im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt steht ein Dialogprozess für das gesamte Bistum auf der Tagesordnung. Vor einigen Wochen hatte die Deutsche Bischofskonferenz den Kirchendialog gestartet. Der Katholikenrat will gemeinsam mit dem Bischof den Prozess auf die Diözese Speyer herunterbrechen. In zwei Statements eröffneten Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Dr. Stephan Vesper vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken die Diskussion am Samstagvormittag.

Den Beginn der Dialoginitiative der Bischofskonferenz vor einigen Wochen in Mannheim nannte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann ein „ermutigendes Zeichen“. Die Notwendigkeit zum Dialog ergebe sich nicht nur zwischen „oben“ und „unten“, sondern in der „gesamten Breite des Gottesvolkes“. Allerdings gelte dafür: „Wir müssen die Brücke des Dialoges nicht bauen, denn Christus selbst ist die Brücke.“

Ohne Zweifel funktioniere der Dialog nicht, wenn die einen den Dialog nur verweigern, die anderen dagegen nur ihre Forderungen unverrückbar einbringen „nach der Art von Tarifverhandlungen“. So funktioniere die Kirche allerdings nicht, weil der Geist der Kirche so nicht wirke.

„Seit ich nach Speyer gekommen bin, ist mir der Dialog mit den Menschen vor Ort sehr wichtig.“ Wiesemann nannte die Visitationen, die Pfarrverbandsbesuche und den Prozess „Gemeindepastoral 2015“. „Wir fangen in puncto Dialog nicht bei Null an, auch wenn es noch manches weiterzuentwickeln gilt.“ Der Dialogprozess sei nur fruchtbar, „wenn er ein geistliches Geschehen ist“, in dem die Zuversicht gelte, dass der Geist wirke.

Das Miteinander von Klerikern und Laien gehöre zu den größten Herausforderungen der kirchlichen Gegenwart. In der Kirche der letzten Jahrzehnte sei eine Vielzahl von kleinen oder größeren Gemeinschaften entstanden. „Das muss man wahrnehmen und wertschätzen, und das sagt uns ja auch etwas.“ Wiesemann nannte als Beispiel die Fokolare, die „Gemeindeerneuerung“ oder die Gemeinschaft St'Egidio. Viele davon haben als Motoren und Gründer Laien – Frauen und Männer. Dennoch werde mancherorts nur mit Zögern auf die neuen Gemeinschaften zugegangen.

Liege es nur an einer restriktiven Kirchenleitung, dass manches von den „weitreichenden und visinionären“ Grundlagen, die das Zweite Vatikanum und die Würzburger Synode geschaffen hätten, noch nicht überall Wirklichkeit geworden seien? Wiesemann vermutet, dass in der deutschen Kirche mit ihren Gruppen, Verbänden und Institutionen manches auch zu sehr „vereinsrechtlich ausdiskutiert“ worden sei. „Ich glaube, bei allem Guten, was geschehen ist und was geschieht, hat man sich manchmal vielleicht an den falschen oder weniger entscheidenden Fragen abgearbeitet.“

Der Traditionsabbruch in der Kirche liege Jahrzehnte schon zurück. „Mir scheint, wir stehen an einer Abbruchkante.“ Aber, stellte der Bischof heraus, „das Reich Gottes wächst auch im Abbruch“. Gerade im Kleinen zeige sich Gottes Reich. „Ich möchte auf das Wachsende setzen. Und wenn es nur so klein ist wie ein Senfkorn.“

Der Bischof kam auch auf die so genannten „heißen Fragen“ zu sprechen: Die Verpflichtung zum Zölibat aufzuheben, um alle Gemeinden mit Geweihten zu besetzen, sei eher illusinionär. „Das wäre im eigentlichen Sinne konservativ“, weil damit bereits überholte Strukturen weitergeführt würden. Es gehe heute um eine grundlegende Veränderung – schließlich sei die Kirche erstmals in ihrer Geschichte herausgefordert, in einer atheistische und aufgeklärte Gesellschaft zu bestehen. Bisher habe sich die Kirche stets mit den weltlichen Verhältnissen verbinden können, vom alten Rom, über die Reichskirche des Mittelalters bis in die Neuzeit. Jetzt stehe ein Wandel bevor. „Wir werden in diesem Prozess wieder neutestamentlicher.“ Damit erteilte der Bischof auch einer befürchteten Klerikerkirche eine Absage. „Dahin können und wollen wir nicht zurück, wenn es das überhaupt gegeben hat – sicher gab es Tendenzen dahin.“

Auch Dr. Stephan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (Zdk), kam in seinem Statement auf den Mannheimer Auftakt des Dialoges zu sprechen. „Wir brauchen den Dialog, nicht nur das Gespräch“, zitierte Dr. Vesper ZdK-Präsident Alois Glück. „Es ist wichtig, dass wir in einer guten Weise miteinander sprechen und Konfrontationen aufbrechen

Dr. Vesper machte sich in seinem Impuls für eine vielgestaltige Kirche stark: Es gebe von „rechts“ wie von „links“ eine „echte Attacke auf die Vielfalt unserer Kirche“, dagegen, forderte Vesper „müssen wir miteinander einstehen“. Vielfalt in der Kirche müsse ein Wert an sich sein.

Vesper nannte weiterhin drei große Herausforderungen, die nach seiner Sicht die deutsche Kirche bewegen: „Es geht darum, unseren Glauben und unsere persönliche Überzeugung miteinander neu bestärken und bekräftigen“. Für dieses Gespräch zwischen Bischöfen, Laien, Priester und Ordenschristen „war Mannheim ein ganz großes Zeichen“.

Die bedrängenste Herausforderung ist für Vesper die Frage nach den Zusammenlegungen von Gemeinden. „Wir dürfen die Kirche vor Ort nicht zumachen, damit meine ich nicht das Gotteshaus.“

Als dritten Punkt nannte Stephan Vesper die „sperrigen Fragen vom Diakonat der Frau, „viri probati“ und den wiederverheirateten Geschiedenen.“ Darüber müsse gesprochen werden, das müsse in den Blick kommen. „Es geht uns dabei um die Frage, wie die Kirche zu den Menschen kommt.“ Zuletzt forderte Dr. Vesper in seinem Impuls auch Selbstkritik der Laien und der Bischöfe ein: Es gehe darum, in der eigenen Gruppe zu fragen, „was gefällt uns an uns selbst nicht“. Nur so könne der Dialog vorankommen.

 

Podiumsdiskussion zu aktuellen Kirchenfragen

Podiumsdiskussion.

In der folgenden Podiumsdiskussion tauschten sich Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und ZdK-Generalsekretär Dr. Stephan Vesper über drängende Fragen in der deutschen Kirche aus. „Dabei müssen wir immer den Zusammenhang der Weltkirche sehen, wir sind in Deutschland eine Kirche, aber wir sind Kirche für die gesamte Welt“, sagte Dr. Vesper. Gerade bei den „heißen Eisen“ müsse man akzeptieren, dass „die katholische Kirche nicht immer so ist, wie wir deutsche Katholiken sie gerne hätten“. Vesper machte sich außerdem stark dafür, in den 180.000 Ausgetretenen eine gemeinsame Herausforderung zu sehen. „Das sind ja nicht die Ausgetretenen nur der Bischöfe, es sind die Menschen, die uns verlassen haben.“

Mit Blick auf Veränderungen im Bistum Speyer, gerade in der Pfarreistruktur, sagte der Bischof, er hoffe, dass „die Aufgabe des Abschieds gemeinsam bewältigt werden kann“. Er wünsche sich, dass nicht bei jeder Abgabe von Einrichtungen, die zwangsläufig erfolgen müsse, ein Lobbykampf mit öffentlichen Auseinandersetzungen geführt werden müsse. Hier sorgt sich der Bischof darum, dass es zu einer Art Verteilungskampf kommen könne. „Für unsere Zukunftsfähigkeit als Kirche müssen wir miteinander ringen, und ich wünsche mir, dass wir die Zukunft der Kirche alle miteinander gestalten.“ Im Hinblick auf die Leitung der Gemeinden, die bislang Priester vorbehalten ist, sprach sich Bischof Wiesemann für das „sakramentale Band“ aus, dass die katholische Kirche zusammenhalte. In vielen Einzelfragen der Leitung von Einrichtungen und weiteren Verantwortungsbereichen sehe er aber noch Spielraum. „Hier können und sollen kompetente Frauen und Männer Leitungsverantwortung tragen.“

Eine „Demokratisierung“ der katholischen Kirche lehnte Dr. Vesper in einem Diskussionspunkt ab. „Die Kirche ist keine Demokratie, sie wird es auch nicht. Aber sie lebt in einer Demokratie.“ Eine Demokratisierung der Kirche könne nicht funktionieren, weil die Gemeinschaft der Christen anders verfasst sei. Dennoch gebe es demokratische Strukturen, um alle Kirchenmitglieder zu beteiligen, wenn es um organisatorische Fragen gehe. In den theologischen Fragen, in der Liturgie und bei anderen Kernthemen könne es keine Mehrheitsabstimmungen geben. „Alles andere aber soll von den Kirchenmitgliedern mitgestaltet werden können.“ Es sei schlecht denkbar, dass der moderne Christ in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz und der Familie Verantwortung trage, dann aber in der Kirche das „hörende Schaf“ sei. Vesper lobte in diesem Zusammenhang auch das Engament der Christen in der Politik, in nichtkirchlichen Initiativen und Vereinen und in der Wirtschaft.

In einem abschließenden Statement blickte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann auf den Aufbruch im Bistum Speyer: „Vor allem liegt mir daran zu fragen, was bewegt sich bei uns geistlich.“ Alle Erneuerungsprozesse in der Kirche, so belege ihre Geschichte, seien geistliche Neubesinnungen gewesen. „Wir können auf das Gleichnis Jesu vom Senfkorn vertrauen oder auf das Wort vom Weizenkorn, das stirbt, und dadurch reiche Frucht bringt.“ Wiesemann wandte sich an die Ratsmitglieder: „Ich möchte mit Ihnen gemeinsam etwas bewirken.“

 

 

Gespräche im Zeichen der Brücke

Maria Faßnacht und Karl-Heinz Wiesemann.

Die Katholikenratsvorsitzende Maria Faßnacht stellt den weiteren Verlauf der Dialoginitiative im Bistum vor. Nach dem Start des Dialoges am 3. September wird es im November, nach der Wahl „Wir machen uns auf den Weg, heute ist der Startzuschuss dazu.“ Zunächst richten sich Katholikenrat und Bischof mit einem gemeinsamen Brief an die im November neu gewählten Pfarrgemeinderäte. In dem Schreiben gehe es um Dank und Ermutigung, aber auch um die Einladung, aus den Gemeinden an den Bischof zu schreiben. „Wir stellen uns vor, dass aus jeder Gemeinde mindestens ein solcher Zukunftsbrief kommt“, hofft Faßnacht. Dazu soll es Leitfragen geben, die sich vor allem darum drehen, wie die (kleiner werdenden) Pfarreien und Gemeinden mehr in die Städte und Dörfer wirken können und wie mehr Kirchenferne erreicht werden können. Die Briefaktion wird im ersten Halbjahr 2012 laufen.

Dialogveranstaltungen, auch zum Prozess „Gemeindepastoral 2015“, wird es auf der Ebene der Pfarrverbände geben. Der genaue Rahmen muss noch festgelegt werden, doch sollen diese Pfarrverbandstreffen u.a. mit dem Bischof im Herbst 2012 bis Frühjahr 2013 stattfinden. Bis zum Frühjahr 2014 soll es parallel zusätzlich drei oder vier Studientage auf regionaler Ebene geben, die besonders öffentlichkeitswirksam sein werden. Der Abschluss des Dialogprozess auf Bistumsebene ist im Zusammenhang mit den Katholikentagen 2014 oder 2015 angedacht. Hier müsse noch der weitere Verlauf des Prozesses „Gemeindepastoral 2015“ abgewartet werden. Außerdem stehen Veranstaltungen speziell für die Jugend in der Planung. Unter dem Motto „Youth meets Bishop“, so bislang der Arbeitstitel, soll es mehrere Treffen junger Leute mit dem Speyerer Oberhirten geben.

Bischof Wiesemann dankte für die Idee des Gesprächsprozesses und betonte, es sei wichtig, viele Fragen geistlich in den Blick zu nehmen und mit Tiefgang zu beantworten. Eine Gefahr sieht der Bischof beim Prozess allerdings darin, dass große Erwartungen geweckt werden, die dann aber nicht erfüllt werden könnten. Dennoch sei es ihm wichtig, dass offenen diskutiert werden könne.

Der Gesprächsprozess läuft im Zeichen der Brücke, daher überreichte Maria Faßnacht dem Bischof eine große Holzbrücke. „Wir müssen die Brücke nicht selbst bauen, sondern Christus hat die Brücke für uns gebaut“, sagte Wiesemann zum Symbol der Brücke. „Das ist das Symbol des Füreinander und des Zueinander.“ Weil Christus selbst der Brückenbauer sei, müssten wir Menschen nichts „machen“. „Ich hoffe, dass dieser Brückenschlag zu möglichst vielen Menschen gelingt“, betonte Bischof Wiesemann. Gott sei da, auch in allen kirchenfernen Milieus. Dies zu entdecken, sei Aufgabe aller in der Kirche. „Deswegen ist dieses Symbol ein schönes für unseren Prozess.“

 

Dreißig Kilometer bis zur nächsten Wasserstelle

Misereor-Geschäftsführer Sayer berichtete beim Speyerer Diözesan-Katholikenrat.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer berichtete am 2. September beim Speyerer Diözesan-Katholikenrat über Situation in Ostafrika/Kenia – 2012 wird das Bistum Speyer bundesweit die Misereor-Fastenaktion eröffnet.

Erst Anfang September ist Professor Sayer aus der Region Marsabit im
Nordosten Kenias zurückgekehrt. Dort leiden wie im restlichen Ostafrika
Hunderttausende unter der schwersten Dürre seit Jahren. Bei der
Vollversammlung des Speyerer Diözesan-Katholikenrates berichtete er am
2. September über seine Eindrücke und Begegnungen. Er dankte dem
Laiengremium dafür, dass es die Solidarität in der einen Welt auf seine
Fahnen geschrieben hat. "Das ist längst nicht in allen deutschen
Diözesen so." – Der folgende Beitrag schildert die Erfahrungen des
Misereor-Hauptgeschäftsführers im Nordosten Kenias.


Es gibt nicht oft Handyempfang in Marsabit, diesem Niemandsland im
Nordosten Kenias. Doch wenn, dann piepst und klingelt das Mobiltelefon
von Joseph Mirgichan ununterbrochen. „Sorry“, sagt er, „ich bin im Feld.
Übermorgen kann man mich aber wieder im Büro erreichen.“ Selten war der
Entwicklungskoordinator der Diözese Marsabit so gefragt wie in den
vergangenen Tagen, Wochen und Monaten. Der Grund dafür ist ebenso
traurig wie banal: In manchen Gebieten Marsabits hat es seit drei Jahren
nicht mehr richtig geregnet, nun hungern die Menschen. Eine Situation,
die für Joseph nicht überraschend kam: „Diese Katastrophe war
vorhersehbar. Vor allem die Regierung hätte die Menschen hier früher
dabei unterstützen müssen, sich auf diese Dürre vorzubereiten.“

„In guten Zeiten ist es hier grün“

Dürre in Marsabit – hautnah erleben wir auf unserer Fahrt durch die
Region bis kurz vor die äthiopische Grenze, was das heißt. Wir fahren
abwechselnd auf Schotter und Sand durch eine trockene, lebensfeindlich
anmutende Landschaft. Sand, Stein, vertrocknete Bäume, verdorrte Büsche,
immer wieder Tierkadaver am Straßenrand. Ein Schild weist auf einen
Fluss, doch da ist nur noch sein trockenes Bett. „In guten Zeiten ist es
hier grün“, sagt Joseph. Schwer zu glauben. Immer wieder stehen Menschen
am Straßenrand, halten Kanister in die Höhe und bitten die
Vorbeifahrenden um Wasser. An manchen Stellen haben sie mit Steinen und
Geäst Barrieren gebaut, darauf hoffend, dass sich die Fahrer der
verlangsamten Wagen erbarmen, ihnen Wasser zu geben. Die meisten,
erklärt Joseph, seien Nomaden und Halbnomaden unterschiedlicher Stämme,
die überwiegend von der Viehhaltung leben. „Eigentlich sind die
Menschen, die hier leben, Trockenheit gewöhnt“, sagt Joseph. „In der
Vergangenheit kam sie alle fünf Jahre. Die Viehhalter hatten sich darauf
eingestellt und sind frühzeitig mit ihren Tieren in fruchtbarere
Gegenden gezogen. Aber jetzt fallen die Regenzeiten immer häufiger aus
und wenn es regnet, dann regnet es sehr viel weniger.“ Schon seit
Monaten seien die Menschen abhängig von Wasserlieferungen. Was das
bedeutet, erleben wir in der Region Wara.

Warten auf Wasser in Wara

Am Fuße der Huri Hills steht eine Gruppe Menschen. Mit ein paar Eseln
und Ziegen warten sie auf eine Wasserlieferung. Überall stehen Kanister,
die gefüllt werden wollen. Ihre Besitzer sind vom Stamm der Burana. Der
Älteste des Stammes erklärt Miseror-Geschäftsführer Josef Sayer, dass in
der Region Wara 260 Familien leben, rund 1500 Menschen. Ohne die
Wasserlieferungen der Diözese und der Hilfsorganisationen hätten sie
jetzt keine Überlebenschance. Das Wasser wird ihnen von großen Tankwagen
gebracht. Von den weit entfernten Bohrlöchern bringen sie es zweimal in
der Woche in die Region – das ist teuer! 13000 kenianische Schilling,
rund 100 Euro, kostet ein voller Tanklaster – für die Menschen hier
unerschwinglich. Und die Preise für Wasser steigen täglich.

Zuerst sterben die Kühe

„Es regnet nicht mehr, unser Vieh stirbt und unsere Frauen und Kinder
haben viel zu wenig zu essen“, berichten uns die Wartenden. „In unserer
Not treiben wir unsere Tiere in die Nationalparks. Das ist verboten und
manchmal schießen Parkwächter auf uns. Aber egal, wie gefährlich es ist:
unser Vieh braucht Wasser. Wir müssen doch alles versuchen, damit unsere
Tiere nicht sterben. “ Doch in diesen Zeiten der extremen Trockenheit
schlägt dieser Versuch fehl. Joseph erklärt, dass die Kühe zuerst
sterben, sie brauchen eigentlich alle zwei bis drei Tage Wasser. Ziegen
sind resistenter und kommen bis zu fünf Tage ohne Wasser aus. Am
widerstandsfähigsten seien die Kamele. Doch selbst die schaffen es nicht
mehr – immer wieder liegen am Straßenrand Kamelkadaver. „Dass nun auch
die Kamele sterben, ist ein wirklich schlechtes Zeichen“, meint Joseph
düster.
Nun melden sich auch die Frauen zu Wort: „Wir leiden am meisten unter
der Dürre“, erklärt Robe. „Wir sind es doch, die kilometerweit zu den
Wasserstellen laufen und die vollen Kanister zurück in die Dörfer
schleppen müssen.“ Da das Wasser so knapp ist, wird es vor allem als
Trinkwasser für die Menschen gebraucht. „Manchmal, wenn alle getrunken
haben, reicht das Wasser nicht mal mehr zum Kochen“, sagt Robe.

Jedes dritte Kind unter fünf Jahren in Marsabit ist laut eines Berichts
der kenianischen Regierung unterernährt. Seit Monaten verteilen Diözese
und Hilfsorganisationen deshalb Aufbaunahrung, zum Beispiel an der
Gesundheitsstation in Maikona, einer kleinen Gemeinde, zwei Stunden von
Marsabit-Stadt entfernt. Alle zwei Wochen können sich die Frauen hier
die überlebenswichtige Aufbaunahrung für ihre Kinder abholen. Die
28-jährige Rufo Umor stellt dem Misereor-Geschäftsführer ihre drei
Kinder im Alter von neun, sieben und drei Jahren vor. Drei Stunden sind
sie durch die Steinwüste nach Maikona gelaufen, um Nahrung für ihre
Kinder zu holen.

Nicht nur ein Lichtblick

„Wir sind dankbar für jede Unterstützung bei der Nothilfe, aber wir
brauchen vor allem nachhaltige Konzepte für die Zukunft“, wendet sich
Peter Kihara, Bischof der Diözese Marsabit, bittend an Sayer. Als sich
abzeichnete, dass die diesjährige Trockenheit mehr Menschen über einen
längeren Zeitraum treffen würde, richtete er sich mit einem Appell an
die Weltöffentlichkeit. „Wir hoffen, dass all die Hilfe, die uns nun
angeboten wird, nicht nur ein kurzer Lichtblick bleibt.“
Entwicklungskoordinator Joseph sieht das genauso. Auf unserer Reise
durch Marsabit zeigt er uns Dämme, Untergrundtanks, Schachtbrunnen und
Regenwassersammelbecken, die die Diözese, unterstützt von Misereor,
zusammen mit den lokalen Gemeinschaften gebaut hat. „Wassermanagement
ist das zentrale Thema in dieser Region. Wir brauchen noch mehr Systeme,
die es den Menschen ermöglichen, den wenigen Regen, den wir hier haben,
für die Trockenzeiten zu sammeln.“ Denn obwohl Marsabit als eine der
trockenen Regionen des Landes gilt, gab es Regen und Wasser und somit
die Möglichkeit, in dieser Region zu überleben.

Dämme gegen den Hunger

Mit der Hilfe von Misereor will die Diözese nun weitere Dämme bauen,
damit in der nächsten, hoffentlich kommenden Regenzeit mehr Wasser
gesammelt werden kann. Die Nomaden sollen beim Bau helfen und dafür
bezahlt werden. Bei diesem Ansatz erhalten Menschen für geleistete
Arbeit einen Tageslohn und oft auch eine warme Mahlzeit. Außerdem wollen
Joseph und seine Kollegen den Viehaltern dabei helfen, sich besser auf
die Dürren vorzubereiten. Die Diözese, erklärt Sayer, müsse den
Bewohnern der Region erklären, wie sie sich auf das Unvermeidbare
vorbereiten können: Vieh frühzeitig verkaufen, Saatgut lagern, Systeme
zum Wassersammeln aufbauen. Doch jetzt hofft Joseph erst einmal auf
eins: „Wir brauchen dringend Regen, damit die Menschen Wasser haben und
nicht länger auf fremde Hilfe angewiesen sind!“ (mi)

Herbstversammlung des Katholikenrates

Der Dialogprozess im Bistum Speyer steht im Mittelpunkt der Herbstversammlung des Speyerer Katholikenrates am 2. und 3. September im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt. Neben Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann wird auch Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, an der Tagung in Neustadt teilnehmen.

Die Herbstversammlung beginnt freitags um 17 Uhr mit einem Ökumenischen Gottesdienst zum "Tag der Schöpfung" in der Wallfahrtskirche des Herz-Jesu-Klosters. Am Abend (ab 19.30 Uhr) ist Professor Dr. Joseph Sayer, Hauptgeschäftsführer von Misereor, Gast der Versammlung. Er stellt die Misereor-Aktion 2012 vor, die am Ersten Fastensonntag des kommenden Jahres in Speyer für alle deutschen Diözesen eröffnet wird. Inhaltlich geht es um die Lebenssituation der Menschen in Mega-Städten des Südens

Samstags, ab 10.15 Uhr, steht der Dialogprozess im Bistum Speyer im Blickpunkt - in einer Einführung durch Bischof Wiesemann sowie in Diskussionsrunden. Am Ende des Vormittags - gegen 12.15 Uhr - fällt der offizielle „Startschuss“ zu der Initiative. Mitglieder des Katholikenrates überreichen dabei Bischof Wiesemann als Zeichen für den beginnenden Dialogprozess ein Brücken-Modell.

Ziele des Dialogprozesses im Bistum Speyer

"Verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und uns auf unser Selbstverständnis als Volk Gottes besinnen" sieht Maria Faßnacht, die Vorsitzendes des Speyerer Katholikenrates, als wichtige Motivation für den Dialogprozess auf Bistumsebene. "Es wird darin um Fragen gehen, die durchaus in unserem Bistum gelöst werden können." Etwa die Frage nach der Leitung von Gemeinden. Bei dem Dialogprozess würden, so erwartet die Katholikenratsvorsitzende, aber auch "Wünsche und Hoffnungen nach Lösungen von sogenannten heiklen Fragen geben". Allerdings könne der Speyerer Dialog  keine Probleme lösen, die nur im weltkirchlichen Zusammenhang geklärt werden können. "Er kann aber erreichen, dass Christinnen und Christen , die in bestimmten Fragen unterschiedlicher Meinung sind, die Position ihres Gegenübers besser verstehen und respektieren." Der Dialog sei dann wichtig, um sich mit anderen Christen auf das "Ringen um Inhalte und um die Zukunft unserer Kirche einlassen" zu können. Der Diözesan-Katholikenrat, so machte Faßnacht deutlich, erhoffe sich vom Speyer Bischof ein Signal, dass er Themen, die nur von der Weltkirche behandelt werden können, an entsprechender Stelle vorzubringen bereit ist.

Der Speyerer Dialogprozess knüpft an die Gesprächs-Initiative der Deutschen Bischofskonferenz an. "Wenn der Prozess gelingen soll, muss der Dialog auf breiter Basis geführt werden." Deshalb schlage der Rat einen Dialogprozess vor, der letztlich auch die Pfarrgemeindeebene mit einbezieht.  Die Gespräche im Bistum sollten, so die Katholikenratsvorsitzende, mit dem Prozess von "Gemeindepastoral 2015" vernetzt werden."Die beiden Prozesse ergänzen und befruchten sich gegenseitig, haben auch etliche gemeinsame Schnittmengen, aber sie können einander nicht ersetzen."

Vorsitzende Maria Faßnacht (rechts).

Maß nehmen am Willen Gottes

Der Speyerer Domkapitular Franz Vogelgesang leitete mit weiteren Geistlichen den Gottesdienst.

Ein ökumenischer Gottesdienst zum „Tag der Schöpfung“ bildete den Auftakt zur  Herbstversammlung des Speyerer Katholikenrates.

Nach der Premiere 2010 feierten die christlichen Kirchen in  Deutschland auch in diesem Jahr den „Tag der Schöpfung“. Für die Pfalz  und Saarpfalz fand der zentrale ökumenische Gottesdienst am 2. September  in der Wallfahrtskirche des Herz-Jesu-Klosters Neustadt statt und  bildete den Auftakt zur Herbstversammlung des Speyerer  Diözesan-Katholikenrates. Der "Tag der Schöpfung" war beim 2.  Ökumenischen Kirchentag in München im Mai 2010 als neue ökumenische  Initiative von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in  Deutschland proklamiert worden. Er lädt alljährlich Christinnen und  Christen der verschiedenen Konfessionen speziell am ersten Freitag im  September zur gemeinsamen Feier ein. Das Leitthema lautete 2011 "Wasser  – Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens".

Domkapitular Franz Vogelgesang, Leiter des Seelsorgeamtes im Bistum  Speyer und Geistlicher Begleiter des Katholikenrates, betonte in seiner  Begrüßung, Christen hätten den Auftrag, Botschafterinnen und Botschafter  der Schöpfung zu sein. Es gelte, diesen Gedanken in die Gemeinden zu  tragen und sich auch im politischen in diesem Bereich einzusetzen. Dies  geschehe auf dem „Grund des Glaubens an den Schöpfergott und in der  Verantwortung vor ihm. „Wenn wir über Schöpfung reden und uns für sie  einsetzen, müssen wir Maß nehmen am Willen Gottes.“ Oberkirchenrat Gottfried Müller von der evangelischen Kirche der Pfalz  ging in seiner Predigt auf das Leitwort des Tages ein und betonte die  existentielle Bedeutung von Wasser für die Menschen und die Menschheit.  Der Mangel an Wasser werde für immer mehr Menschen zu einem zentralen,  existentiellen Problem. Man müsse davon ausgehen, dass der Kampf um  Wasser in Zukunft Auslöser für Kriege sein werde. An der Gestaltung des Gottesdienstes wirkten auch Dekan Armin Jung und  Pfarrer Michael Hergl aus Neustadt mit, die Umweltbeauftragten von  Diözese und der Landeskirche, Dr. Frank Hennecke und Bärbel Schäfer,  sowie für den Diözesan-Katholikenrat dessen Vorsitzende Maria Faßnacht.  Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Mußbach unter  Leitung von Alexander Bähr gestaltet.

Die bundesweite ökumenische Feier des Schöpfungstages fand am 2.  September in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin statt. Als  stellvertretender Vorsitzender der ACK in Deutschland nahm auch Bischof  Dr. Karl-Heinz Wiesemann daran teil.

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