Kultur

Donnerstag, 28. Januar 2016

Bestimmte Verkleidungen verbieten sich von selbst

Polizeidirektionen Rheinpfalz und Westpfalz sprechen zu Fasnacht kein „Kostümierungsgebot“ aus

Wer an Fasnacht auf humorige statt martialische Verkleidung setzt, liegt mit Sicherheit nicht daneben. Foto: actionpress

Vor einigen Tagen schreckte eine Meldung der Polizei in Mönchengladbach die Narren auf: Sie riet ausdrücklich davon ab, in bestimmten Kostümierungen einen Karnevalsumzug zu besuchen. Genannt wurden dabei auch  so typische Fasnachtsverkleidungen wie Cowboy oder Pirat. Auch in Köln  sprach die Polizei einen ähnlichen Hinweis aus. In der Pfalz hingegen gibt man sich gelassen. Von derartigen Warnungen hält weder das Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen noch das Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern etwas.

Der Mönchengladbacher Polizeisprecher Jürgen Lützen hatte die Warnung damit begründet, dass beispielsweise Spielzeugwaffen „Irritationen“ bei anderen Feiernden und bei der Polizei auslösen könnten. Gleichzeitig bat er darum, in diesem Jahr „an Karneval „Fingerspitzengefühl zu zeigen“. Auch die Polizei in Köln hielt die Jecken dazu an, sich ihre Kostümwahl gut zu überlegen. Die Düsseldorfer Polizei spricht hingegen keine Kostümempfehlung aus. Jeder Jeck sei für sich selbst verantwortlich. „Der Menschenverstand muss sagen, das ist okay und das ist nicht okay“, so die dortige Pressestelle.

Dieses Verhaltensmuster erhoffen sich auch die pfälzischen Polizeidirektionen für die tollen Tage. Es sei „selbstredend, dass manche Kostüme unpasend sind“, sagt Sandra Giertzsch von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Als „Dschihadist“ zu gehen, falle etwa in diese Kategorie, oder auch mit umgehängtem Munitionsgürtel sich unter das närrische Volk zu mischen. Selbst Spielzeugpistolen hält sie für problematisch: Die sähen inzwischen echten Waffen „täuschend ähnlich“. Das sollte jeder Erwachsene wissen und sich entsprechend verhalten – und die Kinder dann auch nicht mit Spielzeugwaffen unbeaufsichtigt draußen spielen lassen.

Mit einem Kostümierungsverbot oder -gebot stelle sich aber die Frage, ob man damit nicht „einen Schritt zu weit gehe“, so die Polizeisprecherin. Dann müsste man ja auch davor warnen, dass Frauen auf aufreizende Verkleidungen wie Netzstrumpfhosen und Mini-Rock verzichten. „Wollen wir wirklich so weit gehen und unsere Traditionen so beschränken?“, fragt sie.

Beim Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern sei ein Verhaltensaufruf zur Fasnachtskostümierung „nie ein Thema“ gewesen, so der dortige Polizeisprecher Wolfgang Denzer. „Wir wollten damit nicht noch mehr Panik schüren, als es zu diesem Thema ohnehin schon gibt.“ Daher verzichte die Polizei auch bewusst auf Verhaltenshinweise speziell für Frauen über die tollen Tage. Das Polizeipräsidium Westpfalz habe hinsichtlich der Kostümierung lediglich einen allgemeinen Hinweis gegeben. Der betrifft das Autofahren: Wer am Steuer sitzt, sollte sein Kostüm so wählen, dass beispielsweise die Sicht nicht eingeschränkt ist.

Ungeachtet der nordrhein-westfälischen Polizeiaufrufe und der angespannteren Sicherheitslage scheint sich für die Karnevalisten in dieser Session nichts an der Kostümwahl zu ändern: „Wir haben nicht gemerkt, dass die Kunden sagen: Ich kaufe keine Pistole oder ein Scheich-Kostüm“, hieß es im Kölner Fachgeschäft „Karnevalswierts“. Auch zum Piraten-Outfit werde jegliches Zubehör gekauft – inklusive Säbel. Bei „Cocolores Kostüme und Accessoires“ in Mainz zeichnet sich ab, dass die Karnevalisten eher zu originellen Kostümen greifen. Cowboy und Indianer seien dieses Jahr nicht gefragt. Diesen Trend habe es allerdings bereits in den Vorjahren gegeben. (red)

Redakteur:  Redaktion

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