Kultur

Donnerstag, 21. Januar 2016

„Das sinnvollste Hobby der Welt“

Online-Lexikon Wikipedia beklagt Rückgang bei Autoren

Eine Wortschöpfung aus dem hawaiischen Wort „wiki“ (für „schnell“) und dem englischen „encyclopedia“ (für Nachschlagewerk/Lexikon): Seit 15 Jahren bietet Wikipedia Informationen zu inzwischen über 30 Millionen Begriffen. Foto: actionpress

Wikipedia ist aus dem Internet kaum noch wegzudenken. Seit Jahren zählt das Online-Lexikon zu den beliebtesten Websites. Am 15. Januar feierte  es seinen 15. Geburtstag – und kämpft aktuell gegen Autorenschwund.

Die Erfolgsgeschichte des spendenfinanzierten Wissensnetzwerks, das am 15. Januar 2001 online ging, beruht vor allem darauf, dass die Menschen im Grunde nur auf ein solches Lexikon gewartet haben, sagt der Bamberger Sprachforscher Martin Haase. Er befasst sich seit dessen Start mit Wikipedia. „Wikipedia war etwas, was alle brauchten und was zur richtigen Zeit erfunden wurde. Neben Google als großer Suchmaschine war ein Nachschlagewerk das, was die Menschen im Internet am dringendsten brauchten.“

Das Prinzip einer freien Enzyklopädie, an der jeder Nutzer mitschreiben kann, hat sich – allen früheren Unkenrufen zum Trotz – nach Einschätzung des Forschers bewährt. „Am Anfang wurde ich noch als Spinner belächelt, weil ich an die ,Weisheit der Vielen‘ geglaubt habe“, erinnert sich Haase.

Doch genau hierin zeigt sich auch ein aktuelles Problem: Wikipedia hat Nachwuchssorgen. Die Zahl neuer Schreiber geht ebenso zurück wie die der sogenannten Premium-Autoren mit mehr als 100 Bearbeitungen im Monat. Einige sind nach Angaben der Experten wegen des ruppigen Umgangs in den Diskussionen aus der Community ausgestiegen.

Ein anderer Grund für den Autorenrückgang ist wohl, dass die meisten Artikel inzwischen geschrieben sind. „Vielfach sind nur noch exotische Themen offen, die viel Fachwissen erfordern“, sagt der Frankfurter Karl-Heinz Wellmann. Der Journalist ist seit 2004 dabei, hat inzwischen etwa 400 Artikel zu Wissenschaftsthemen verfasst und betreut mehr als 2000 weitere als einer von etwa 240 sogenannten aktiven Administratoren. „Die Nebenflüsse des Kongos dritten Grades sind wahrscheinlich noch nicht beschrieben, aber die Nebenflüsse des Rheins hat man halt alle. Da noch etwas Neues reinzubringen, wird immer schwieriger.“ Die Arbeiten zur Pflege vorhandener Einträge seien dagegen oft stumpfsinnig und wenig attraktiv für Neueinsteiger. Auch die höheren Ansprüche an die Qualität der Texte schreckten viele ab.

Derzeit gibt es weltweit rund 16000 „Wikipedianer“. „Es ist unglaublich zu sehen, wie viel Herzblut da rein fließt“, sagt Jan Apel von Wikimedia, dem hinter dem Projekt stehenden Förderverein. „Ein Autor hat mir einmal vorgeschwärmt: ,Ich habe das sinnvollste Hobby der Welt: mein Wissen mit anderen zu teilen.‘“

Die Beteiligung vieler Autoren, das sogenannte kollaborative Schreiben, sorge für eine Bündelung des weltweit verstreuten Wissens, findet Apel. Und sie sorgt für eine große Aktualität, was nach Ansicht der Betreiber für den Erfolg des Online-Lexikons eine entscheidende Rolle spielt. „Die Wikipedia-Einträge gehen weit über Artikel in gedruckter Form hinaus, wie wir sie früher kannten“, sagt Apel. „Oft sind schon aktuelle Tagesereignisse wie zum Beispiel Geburten von royalen Kindern eingearbeitet. Das kann ein gedrucktes Werk kaum leisten.“

Die Initiatoren sehen es darüber hinaus als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, neue Autoren anzuwerben. „Wir wollen Freiwillige unterstützen, mit kleinen Aktionen wie Literaturstipendien, aber auch mit Großveranstaltungen“, sagt Apel.

Zu tun gebe es noch genug. Die Community hat ausgerechnet, dass insgesamt 100 Millionen „enzyklopädisch relevante Artikel“ geschrieben werden könnten. Derzeit stehen über 37 Millionen Artikel in rund 300 Sprachen zur Verfügung. „Da ist also noch viel Potenzial“, findet der Sprecher. (epd)

www.wikipedia.de

 

 

Redakteur:  Redaktion

aktuelle Nachrichten

24. Juni 2016

Sie würden sich im Grab rumdrehen

Es ist ein schwarzer Freitag für die Gründer eines vereinten Europa – und für die Europäische Union.


23. Juni 2016

Zweifacher Mangel

Erfolg im Beruf hängt nicht von einem Studium ab


23. Juni 2016

Der erste Schritt ist wahrscheinlich der Wichtigste

Der Beginn einer Pilgerschaft ist der Schlusspunkt hinter einer Zeit des Zweifelns und der...


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren