Aus dem Bistum

Mittwoch, 10. Februar 2016

Entscheidung ist noch offen

Im Bistum Speyer gibt es vier Bewerber für den Boßweiler Altar

Mehr als 50 Jahre stand der Boßweiler Altar in der Kirche St. Ludwig im Herzen von Speyer. Noch ist sein neuer Standort ungewiss. Foto: Venus

Der spätgotische Boßweiler Altar, der mehr als 50 Jahre lang in der Kirche St. Ludwig in Speyer stand, stößt in der Diözese Speyer auf Interesse. Das bestätigte Bistumssprecher Markus Herr gegenüber dem „pilger“. Bislang seien vier Bewerbungen für das wertvolle Kunstobjekt beim Bischöfliche Bauamt eingegangen. Anfragen kamen für die Augustinerkirche in Landau, die Kirche St. Ulrich in Deidesheim, die Kirche Mariä Heimsuchung in Burrweiler und für die Katharinenkapelle des Speyerer Domes.

Da das Bistumshaus St. Ludwig und das angrenzende Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert verkauft wurden (siehe auch Seite 12), wanderten der Boßweiler Altar und das sogenannte Antependium in Gestalt eines Wandteppichs – beide um das Jahr 1485 entstanden – sowie einige weitere Kunstgegenstände aus der Ludwigskirche in ein Depot zur Zwischenlagerung.

Eine Entscheidung über den künftigen Standort des Boßweiler Altars ist noch nicht gefallen. „Da gibt es keinen Zeitplan“, bekräftigt Herr. Klar sei, „dass das Kunstwerk in die Öffentlichkeit, in einen Kirchenraum gehört, damit es nicht nur möglichst viele Menschen sehen, sondern es auch zum Beten nutzen können“. Dabei müssten verschiedene Voraussetzungen, etwa die klimatischen Bedingungen sowie der Baustil und die Raumproportionen des Kirchenbaus in den Blick genommen werden.

In einem Schreiben vom 18. November vergangenen Jahres an Domkapitular Peter Schappert, der im Bistum neben dem Finanz- auch für den Baubereich zuständig ist, hat die Pfarrei Hl. Anna in Edenkoben ihr Interesse an dem historischen Flügelaltar mit Darstellungen der Weihnachtsgeschichte bekundet. Darin führt Pfarrer Matthias Pfeiffer eine Reihe von Gründen an, die in seinen und den Augen zahlreicher Mitglieder der Gemeinde für einen Verbleib des Kunstwerks in der Kirche Mariä Heimsuchung in Burrweiler sprechen. So sei das gotische Gotteshaus in dem Dorf an der Weinstraße um das Jahr 1500 entstanden und stamme damit in etwa aus der Zeit des Altars. Darüber hinaus sei der Altaraufbau in der Kirche in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts entfernt worden, so dass lediglich noch der Tisch, der sogenannte „Mensa“, existiere. Es fehle „ein sakrales und theologisch inhaltsreiches Altargemälde“. Auch gäbe es eine thematische Nähe des Boßweiler Altars zum Patrozinium der Kirche, heißt es in dem Schreiben weiter. Denn das zentrale Altarbild zeige die biblische Szene Mariä Verkündigung, bei der Maria die Geburt ihres Sohnes durch den Engel Gabriel verkündet wurde. Das Patrozinium ist nach der biblischen Begebenheit Mariä Heim­suchung benannt, bei der die schwangere Maria ihre Verwandte Elisabet besucht, um die Freude über die anstehende Geburt mit ihr zu teilen.

Der Seelsorger erhofft sich durch den Boßweiler Altar auch eine Aufwertung der alljährlichen Wallfahrten auf den Annaberg oberhalb von Burrweiler, damit der Aufstieg zur Annakapelle wieder mehr als Pilgerweg begriffen werde. Ausgangspunkt könnte die Kirche sein, von der dann eine Fußwallfahrt zur Annakapelle führt. Zur logistischen Unterstützung plant die Ortsgemeinde durch den Kauf eines größeren Grundstücks von der Pfarrgemeinde die Schaffung eines Parkplatzes gegenüber der Kirche, der auch von den Pilgern genutzt werden kann. 

Damit der Boßweiler Altar öffentlich zugänglich ist, muss die Kirche tagsüber geöffnet sein. Dafür sorgen bereits jetzt ehrenamtliche Helfer. Bislang seien zwar keine Beschädigungen in dem Gotteshaus bekannt, dennoch ist sich Pfarrer Pfeiffer bewusst, dass für das kostbare Kleinod zusätzliche Sicherungsmaßnahmen notwendig wären. „Diese Voraussetzungen werden derzeit von Seiten des Bistums ebenso geprüft wie die klimatischen Bedingungen“, so Pfeiffer gegenüber dem „pilger“.

Der Seelsorger rechnet mit einer Entscheidung in den nächsten Wochen. „Wir hoffen, dass wir den Zuschlag bekommen, denn schließlich haben wir ja gute Gründe.“

Wandteppich wird ausgestellt
Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten für die Präsentation des Wandteppichs in der Domschatzkammer des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Das teilte Diözesankonservator Wolfgang Franz auf „pilger“-Anfrage mit. „Ein genauer Termin liegt momentan noch nicht vor, da erst noch eine entsprechende Ausstellungsvitrine gebaut werden muss, deren Bemaßung sich natürlich nach dem Teppich orientieren wird.“ Die Maße würden in den nächsten Tagen im Bischöflichen Denkmalamt ermittelt und dem Historischen Museum mitgeteilt, so dass der Wandteppich in absehbarer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könne. (pede)

Redakteur:  Petra Derst

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