Kultur

Mittwoch, 10. Februar 2016

Fastenspeise mit Reinheitsgarantie

Vergnügliche Geschichten um Mönche, Bier und Fastenzeit

„Flüssiges bricht kein Fasten.“ In mittelalterlichen Klöstern galt Bier als normales Fastengetränk. Foto: actionpress

Es gibt vergnügliche Geschichten darüber, wie das Bier zur Fastenspeise geworden sein soll. So habe man im Mittelalter Fässer nach Rom geschafft, deren Inhalt auf dem langen und beschwerlichen Weg schlicht verdarben. Der weinverwöhnte Papst habe das Gebräu als so ekelhaft empfunden, dass es, wie er meinte, unbedingt Bußqualitäten habe. Von diesem Schwank gibt es dann wieder regionale Varianten, etwa im Rheinland über ein Fass Alt bzw. Kölsch beim Papst und dessen angewidertes Gesicht.

Tatsächlich ist Bier laut Definition ein alkohol- und kohlensäurehaltiges Getränk, das durch Gärung meist aus Wasser, Malz und Hopfen gewonnen wird. Für einen kontrollierten Start des Gärvorgangs wird in der Regel Hefe zugesetzt. Knapp unter zehn Milliarden Liter jährlich werden derzeit von deutschen Brauereien abgesetzt.

Mit dem „Tag des deutschen Bieres“ erinnern die Brauer jährlich an den Erlass des bayerischen Reinheitsgebots durch Herzog Wilhelm IV. am 23. April 1516. Ob man nun gerade ausgerechnet im Jubiläumsjahr in der Fastenzeit auf ein solches Qualitätsprodukt verzichten sollte? Oder nicht doch lieber auf Schokolade, Zigaretten, Talkshow- oder Twitter-Trash?

Dass das Bier in Deutschland einen so hohen Qualitätsstandard hat, hat auch mit den Klöstern zu tun. Nach einer angeblich aus dem Jahr 1040 stammenden Urkunde hat das ehemalige Kloster Weihenstephan die älteste noch bestehende Brauerei der Welt. Allerdings ist die Echtheit der Urkunde umstritten – und so beansprucht auch Kloster Weltenburg diesen Titel für sich.

Den Grundstein für das klösterliche Brauwesen habe der heilige Benedikt selbst im 6. Jahrhundert gelegt, berichten die Benediktiner in wohlwollender Lesart. In seiner Ordensregel aus dem Jahr 529, die im Abendland jahrhundertelang vorherrschte, legte er fest, dass die Mönche alles, was sie zum Leben brauchen, selbst schaffen sollten. So spezialisierten sich in jedem Kloster einige Mönche auf das Brauen. Da sie häufig auch lesen und schreiben konnten, konnten die Klöster ihr Wissen weitergeben und so die Herstellung von Bier stetig weiterentwickeln.

Beim Bier-Fasten ließen die Kirchenoberen Milde walten. Das von den Mönchen gebraute Bier wurde wegen seiner beruhigenden Wirkung – der Hopfen! – von den Aachener Synoden zur Klosterreform 816/819 zum christlichen Heilgetränk verklärt. Später empfahlen auch Hildegard von Bingen und Paracelsus das Getränk zur Wiederherstellung und Kräftigung der Gesundheit.

Besonders wichtig war ein nahrhaftes Bier während der Fastenzeit. Denn es galt die Regel „liquida non frangunt ieunum“ (Flüssiges bricht kein Fasten). In mittelalterlichen Klöstern galt Starkbier als normales Fastengetränk, weil es den Mönchen auch in der Fastenzeit die Energie für schwere körperliche Arbeit gab. In Bayern ist das Fastenbier noch heute eine feste Einrichtung – denn es war ursprünglich dafür gedacht, die Ordensleute „satt zu machen“.

Mit der Zeit wurden die Klosterbrauereien zu lukrativen Wirtschaftsbetrieben. Sehr zum Ärger der Konkurrenz: Im Mittelalter entwickelte sich auch in Gemeinden und Städten eine florierende Braukunst. Der Ärger über die klösterliche Konkurrenz und deren Privilegien führte in manchen Städten zu regelrechtem Aufruhr. Viele Landesfürsten untersagten daraufhin den öffentlichen Verkauf von Klosterbier sowie die Führung von Bierschänken in Klöstern. Die Aufhebung vieler Klöster im Zuge der Französischen Revolution führte 1803 auch zum Niedergang der Klosterbrauereien in Deutschland. Anders als in Belgien gibt es heute nur noch gut ein Dutzend Braueinrichtungen, die von Ordensleuten selbst betrieben werden. (red)

Von 19. Februar bis 24. Juli ist im Technoseum Mannheim die Ausstellung „Bier – Braukunst & 500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot“ zu sehen.
Mehr Informationen im Internet unter www.technoseum.de

Redakteur:  Redaktion

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