Kultur

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Frischer Wind am Isenheimer Altar

Unterlindenmuseum in Colmar nach Renovierung und Erweiterung wieder offen

„Maria mit dem Jesuskind“ – Ausschnitt aus der Weihnachtstafel des Isenheimer Altars. Foto: Unterlindenmuseum Colmar

Ist von Colmars Unterlindenmuseum die Rede, kommt einem sofort sein größter Schatz in den Sinn: der weltberühmte „Isenheimer Altar“. Doch das Museum hat weit mehr zu bieten. Nach dreijährigen Bauarbeiten und mehrmonatiger Schließung ist der größte Teil der Ausstellungsräume nun wieder zugänglich. Offiziell eröffnet wird das Unterlindenmuseum am 21. Januar.

Das „neue“ Museum hat seine Fläche auf 8000 Quadratmeter verdoppelt. Seine Gebäude gruppieren sich um den neu hergerichteten Unterlinden-Platz. Auf der einen Seite stehen frisch renoviert der Kreuzgang und die Kirche des im 13. Jahrhundert erbauten Dominikanerinnenklosters, die 1853 zum Unterlindenmuseum umgewidmet wurden. Auf der anderen Seite des von einem offenen Kanal durchzogenen Platzes befinden sich die hinzugewonnenen Häuser. Das 1906 errichtete ehemalige Stadtbad erstrahlt im Inneren nun wieder in seiner ursprünglichen Jugendstilpracht. Die einstige Schwimmhalle wurde zum Veranstaltungssaal für Konzerte und Vorträge umgebaut. Daran schließt sich nach einem Entwurf des Basler Architektenbüros Herzog & de Meuron der Neubau für die moderne und zeitgenössische Kunst an. Das in die enge Altstadtbebauung „eingeklemmte“ Haus erhebt sich mit drei Ausstellungsebenen auf langrechteckigem Grundriss. Kupferplatten bedecken das Walmdach und Teile der Fassade, die ansonsten mit senkrecht geriffelten Ziegelsteinen verkleidet ist. Die wenigen spitzbogigen Fenster greifen die Architektursprache des gotischen Altbaus auf.

Der Rundgang durch das Museum ist von den archäologischen Funden im Untergeschoss des Altbaus bis zur Moderne im Neubau chronologisch inszeniert. Eine unterirdische Galerie verbindet die Gebäude. In ihr sind Landschafts- und Porträtmalerei überwiegend französischer Meister des 19. und frühen 20. Jahrhunderts untergebracht. Auch die Kunst im Neubau ist überwiegend französischer Herkunft, darunter figurative Malerei von Alfred Manessier und Fernand Léger sowie abstrakte Bilder von Pierre Soulages und Georges Mathieu. Reich vertreten ist Jean Dubuffet, dessen mit Kugelschreiber und Filzstift hergestellte Bilder und aus zahlreichen Einzelteilen zusammengesetzte Skulpturen gewollte Ungeschicklichkeit zum schöpferischen Prinzip erklären, das aller künstlerischen Kultiviertheit eine lange Nase dreht. Zu den Höhepunkten zählt ein von Picasso autorisierter Wandteppich, den Jacqueline de La Baume-Dürbach nach dessen berühmten Anti-Kriegsbild „Guernica“ gewebt hat. Mit acht Gemälden und Zeichnungen besitzt das Unterlindenmuseum Frankreichs größte Sammlung der Werke von Otto Dix. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Gefangenenlager am Rande Colmars interniert, durfte aber künstlerisch tätig sein. Inspiration verschaffte sich Dix bei Besichtigungen des Unterlindenmuseums, wo er insbesondere Grünewalds Isenheimer Altar und die Malerei Martin Schongauers mit dessen religiösen Motiven studierte. Das Unterlindenmuseum besitzt ohnehin eine in Frankreich einzigartig reichhaltige Sammlung deutscher Kunst des Mittelalters und der Renaissance. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Colmar lange Zeit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte.

Höhepunkt des Museums ist aber nach wie vor der „Isenheimer Altar“, der im 16. Jahrhundert vom „Grünewald“ genannten Maler Mathis Gothart Nithart und dem Bildschnitzer Niklaus von Hagenau erschaffen wurde. Bis zur Französischen Revolution stand der Altar in der Kirche des Antoniterklosters Issenheim, etwa 20 Kilometer von Colmar entfernt. Um seiner Zerstörung vorzubeugen, wurde das mit drei Schauseiten ausgestattete Meisterwerk 1792 zerlegt und in die Distrikthauptstadt Colmar geschafft. Der Altar, der zu den Hauptwerken deutscher Malerei zählt, besticht durch seine ungeheure Ausdrucksmacht der Lichtregie und Figuren, die ihre Gefühle durch sprechende Mimik und Gestik offenbaren. (red)

Das Unterlindenmuseum in Colmar ist täglich – außer dienstags – ab 10 Uhr geöffnet. Am ersten Weihnachtsfeiertag und an Neujahr ist das Museum geschlossen. Der Eintritt kostet 13 Euro. Mehr Informationen im Internet unter www.musee-unterlinden.com

 

 

Redakteur:  Redaktion

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