Aus dem Bistum

Donnerstag, 21. Januar 2016

Integration geschieht schon im Kleinen

Junger Flüchtling aus Eritra schloss sich der Sternsinger-Gruppe an

Mussee mit den als Dreikönige gewandeten Jugendlichen. In seiner Heimat heißen sie Mensor, Theokeno und Sair statt Kaspar, Melchior und Balthasar. Foto: Privat

Jeder spricht davon, Flüchtlinge zu integrieren. Manchmal ist das gar nicht so schwer, wie man am Beispiel von Mussee sieht, der seit eineinhalb Jahren in Otterstadt lebt. Der 30-jährigen Eritreer besucht die Gottesdienste im Ort und ist bei den Kirchenbesuchern und Messdienern bekannt und gerne gesehen.

Als sich Anfang Januar eine Gruppe Sternsinger aufmachte, ihn in seiner Wohngemeinschaft zu besuchen, trafen die Kinder ihn zwar nicht an, liefen ihm dann aber auf dem Rückweg in die Arme. Mussee freute sich über die als Könige verkleideten Kinder. So etwas gebe es in seiner Heimat Eritrea auch, erzählte er. Dort würden sich die Kinder ebenfalls verkleiden, am Dreikönigstag durch die Straßen ziehen und den Menschen ihre guten Wünsche aussprechen. Nur Geld würde dort nicht gesammelt, die Bevölkerung sei ja viel zu arm. Mussee wunderte sich über die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Die Könige in Eritrea heißen Mensor, Theokeno und Sair, sagte er. Tatsächlich haben die Christen aus verschiedenen Ländern ganz unterschiedliche Namen für die Weisen aus dem Morgenland.

Spontan schloss sich der junge Mann der Gruppe an und zog mit von Haus zu Haus und ist sogar noch zum gemeinsamen Abschluss-Kaffeetrinken da geblieben. „Die Sternsinger fanden das cool“, sagt Frank Berthold, der die Gruppe begleitet hat. Auch die Menschen, die besucht wurden, hätten erfreut reagiert. „Sie kennen Mussee ja schon aus der Kirche“, sagt er.  Mussee ist Kunstschreiner, hat bei der Otterstadter Schreinerei Tremmel schon ein Praktikum gemacht und dort ein Musikinstrument gebaut, wie er es in Eritrea gespielt hat. „Vielleicht können wir musikalisch auch einmal was mit ihm machen“, sagt Kaplan Dominik Geiger, der selbst von den Sternsingern mit Verstärkung besucht worden ist. (red)

 

 

Redakteur:  Redaktion

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