Kultur

Donnerstag, 07. Januar 2016

Jeden Tag eine gute Tat

Vor 75 Jahren starb Pfadfinder-Gründer Lord Baden-Powell

Der Gründer der Pfadfinder-Bewegung, Robert Baden-Powell – hier in einer Aufnahme, die um die Jahrhundertwende entstand. Foto: actionpress

Am 8. Januar 1941 starb im kenianischen Nyeri ein Engländer. Seinen Geburtsnamen Robert Stephenson Smyth kannten nicht einmal seine Landsleute. Unter seinem von König Edward VII. verliehenen Adelsnamen hingegen kannte ihn die ganze Welt: Lord Baden-Powell, Gründer der heute auf allen Kontinenten vertretenen Welt-Pfadfinderbewegung.

„BiPi“, wie ihn seine „Boy-Scouts“ nach den Anfangsbuchstaben des Nachnamens riefen, wurde am 22. Februar 1857 in London als eines von zehn Kindern eines Theologieprofessors der Universität Oxford geboren. Weil er an dieser Hochschule bei der Aufnahmeprüfung durchrasselte, entschloss sich Robert, die Soldatenlaufbahn einzuschlagen. Diese führte ihn auch nach Südafrika.

Im zweiten Burenkrieg erntete er militärischen Ruhm, als er mit 700 britischen Soldaten die belagerte Stadt Mafeking 217 Tage lang gegen 9000 Buren hielt. Die Beförderung zum Generalmajor, zum Inspekteur der Polizei und der britischen Kavallerie waren der Dank des Königs, der freilich nicht ahnte, dass sich die Gedanken seines Generals in ganz anderen Bahnen bewegten.

War es die schmutzige Seite des Burenkrieges mit Gefangenenlagern für Frauen und Kinder, die Baden-Powell fortan sein Denken nach Wegen der Friedenserziehung richten ließ? Zweifel am Sinn des Krieges waren ihm jedenfalls längst gekommen. Doch getreu der Parole „right or wrong – my country“ sprach er diese erst Jahre später aus, nachdem ihm die Truppe ehrenvoll den Abschied gegeben hatte. Und damit schlug dann die Geburtsstunde des „Scoutismus“, des Pfadfinderwesens.

Genau gesagt fing alles in den zwei Wochen vom 25. Juli bis 9. August 1907 an, als „BiPi“ mit 22 Jungen aller sozialen Schichten auf Brownsea Island das erste Jugendzeltlager ausrichtete. Auf seinen Beobachtungen des Sozialverhaltens innerhalb der Gruppe basierten dann die von ihm verfassten Pfadfindergesetze, die auch mehr als 100 Jahre später noch gültig sind: Treue und Gehorsam gegenüber König, Gruppenleitern und Eltern; anderen helfen; jedem Mitpfadfinder Freund und Bruder sein; höflich, tierlieb, fröhlich sowie rein in Gedanken, Wort und Tat sein. Klassendünkel ist verpönt; eine einheitliche Kluft soll das auch nach außen demonstrieren.

Bei vielen löst das Wort Pfadfinder vor allem Klischeevorstellungen aus – über Lagerfeuer, Gitarrenmusik, Wanderschuhe und die Verpflichtung, „jeden Tag eine gute Tat“ zu vollbringen. Da taucht dann immer wieder der matte Witz vom Boy-Scout auf, der selbst alte Damen über die Straße geleitet, die gar nicht auf die andere Seite wollen. (red)

Redakteur:  Redaktion

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