Aus dem Bistum

Donnerstag, 28. Januar 2016

„Singen ist Ausdruck der inneren Haltung“

Musikalisch-liturgische Gottesdienst-Werkstatt im Geistlichen Zentrum Maria Rosenberg

Die Kirchenmusikerin Barbara Kolberg ist die Referentin der Veranstaltung. Foto: Kolberg

„Den Glauben zum Klingen bringen“ lautet das Thema eines Seminars vom 11. bis 13. Februar im Geistlichen Zentrum Maria Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben. Im Mittelpunkt der als „Gottesdienst-Werkstatt“ bezeichneten dreitägigen Veranstaltung stehen Lieder und Texte als Elemente liturgischer Gottesdienstformen. Zielgruppe sind engagierte Haupt- und Nebenamtliche im Bereich Liturgie. Pfarrer Volker Sehy, Leiter des Geistlichen Zentrum, und Clemens Schirmer, Liturgiereferent des Bistums Speyer, begleiten die Veranstaltung theologisch. Die Zusammenhänge zwischen Text, Musik und Dramaturgie der Liturgie soll Kirchenmusikerin und Pädagogin Barbara Kolberg (Freiburg) veranschaulichen sowie Anwendungsmöglichkeiten für die Praxis vorstellen. „der pilger“ hat sie zu ihrer Aufgabe befragt.

Frau Kolberg, Sie sind bei der Gottesdienstwerkstatt als Referentin eingeladen. Was ist Ihr Part?
Meine Aufgabe ist es, die Tage inhaltlich zu prägen. Wir singen, wir werden uns auch über den Gesang mit den Texten beschäftigen. Es gibt eigentlich vier Dimensionen: Das sängerische Element mit der Möglichkeit, die eigene Stimme zu erfahren, und dann das musikalische Element, neue Lieder kennenzulernen und an ihnen zu proben. Hinzu kommt der textliche Schwerpunkt, der inspiriert, weitere Gedanken zu entwickeln. Ich werde ergänzende Texte zu den vorgesehenen Materialien im Gepäck haben. Und schließlich der liturgisch-praktische Aspekt, denn wir werden auch Gottesdienste feiern. Die Einheiten sind von mir so vorbereitet, dass die Teilnehmer praktische Anregungen mitnehmen können, welche Gottesdienstformen sich anbieten und wie man die Elemente unterbringen kann.

Müssen die Teilnehmer gut singen können?
Vor allem müssen sie gerne singen, Lust dazu haben. Die sängerischen Fähigkeiten stehen zunächst im Hintergrund. Wir arbeiten mit einstimmigem Material und nicht mit mehrstimmiger Chorliteratur. Auch haben wir kein terminliches Ziel, wir stehen nicht unter zeitlichem Druck, die Stimmen können sich nach den individuellen Möglichkeiten entfalten.

Wie bringen Sie Leute mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Erwartungshaltungen unter einen Hut?
Es ist natürlich hilfreich, wenn diese Unterschiede den Teilnehmern auch selbst bewusst sind. Wir wollen in erster Linie eine gemeinsame Basis schaffen, denn es geht nicht darum, etwas musikalisch Anspruchsvolles zu erarbeiten. Stimmliche Übungen sowie Atem- und Wahrnehmungsübungen bieten die Möglichkeit, dass sich jeder selbst erfahren kann. Ich gebe Anregungen zur Körperhaltung und -wahrnehmung und auch zur Atmung, was für das Singen ganz wichtig ist. Es soll hier um mehr als um richtige und schöne Töne gehen. Vieles kann Ausdruck der inneren Haltung sein, und letztlich ist Singen auch eine Bewusstseinsschulung. Interessierte haben aber auch die Möglichkeit zur Einzelstimm­bildung.

Sie haben einen Großteil der Liedmelodien des Seminars selbst geschrieben. Welche Texte inspirieren Sie?
Das hängt zunächst einmal mit der Sprache zusammen, sie muss mich ansprechen, poetisch und bildhaft sein. Ich wähle Texte aus, in denen ich mich mit meinem Leben, mit meinem Suchen und Fragen wiederentdecke, die existentielle Lebensfragen auf eine besondere Weise in Worte fassen. Die Gottesdienst-Werkstatt findet vor dem ersten Fastenwochenende statt, deshalb habe ich Lieder ausgewählt, die ich mit dem Thema „österliche Bußzeit“ verbinde. Das gibt mir die Möglichkeit, Gedanken mit hineinzubringen, was Fastenzeit bedeuten kann. Wichtig ist es mir, Lieder und Texte anzubieten, die nachhaltig sind, mit denen man nicht schon nach zweimaligem Singen fertig ist. Sie sollen wie ein großes Gebäude sein, bei dem sich in der Wiederholung immer wieder neue Räume öffnen.

Was können die Teilnehmer für sich und den religiösen Alltag mit nach Hause nehmen?
Zum einen konkrete Anregungen für das eigene Singen sowie musikalisches und textliches Material für die Gottesdienstgestaltung. Zum anderen eine gewisse „Wegzehrung“, denn viele der Gesänge können einen begleiten und innere Prozesse anstoßen. Ich wünsche mir, dass einige „Samenkörner“ mitgenommen werden. Bei manchen Liedern und Texten merkt man erst im Laufe der Zeit, was in ihnen steckt, wenn sie sich entfalten können. Auch möchte ich durch Beispiele Anregungen geben, liturgische Formen vor Ort auszuprobieren. Ich versuche aufzuzeigen, dass es hierzu nicht viel braucht, weniger kann manchmal mehr sein. Den einzelnen Elementen sollte man die Chance geben, nachhaltig zu wirken. Manche Gesänge könnte man in einem Gottesdienst mehrfach singen. Lieder und Gedanken mögen Keimzelle sein. Das heißt, man sollte das Programm nicht mit zu vielem überladen, sondern auch die Kunst des Weglassens anwenden. Stille und Pausen sind sehr wichtig, man muss sie wirken lassen. (Interview: Andrea Zimmermann)

Hinweis:
Weitere Informationen und Anmeldung
für das Seminar vom 11. bis 13. Februar
bei der Abteilung Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen
im Bischöflichen Ordinariat,
Liturgiereferent Clemens Schirmer,
Telefon 06232/102-467,
E-Mail:
liturgie@bistum-speyer.de

 

Zur Person

Die Freiburger Kirchenmusikerin und Pädagogin Barbara Kolberg hat sich unter anderem auf die Konzeption und Gestaltung von Gottesdiensten und geistlich-musikalischen Veranstaltungen konzentriert. Sie betätigt sich als Komponistin und bietet Beratung und Begleitung im Bereich Musik und Liturgie an. Rund 20 ihrer Gesänge sind in diözesanen Eigenteilen des neuen Gotteslobs veröffentlicht.
Weitere Informationen im Internet unter www.muspili.com

.

 

 

Redakteur:  Redaktion

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