Kultur

Mittwoch, 17. Mai 2017

Viel mehr als idyllische Ölgemälde

Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag von Marie Strieffler in Landau

Zimmer mit Original-Einrichtung im Wohnhaus Marie Striefflers. Wohnräume und Atelier können mit der Ausstellung besucht werden. Fotos: Schmalenberg

Idyllische Dorfszenen, üppige Blumenpracht, blühende Landschaften, die Arbeit im Wingert oder die Rast am Wegesrand – das sind typische Motive der Landauer Malerin Marie Strieffler, die am 8. Mai hundert Jahre alt geworden wäre,und auf Initiative der Strieffler Stiftung und des Vereins Strieffler Haus der Künste mit einer großen Jubiläumsausstellung und einem opulenten Bildband gewürdigt wird.

Dass die Retrospektive genau dort stattfinden kann, wo die allseits beliebte „Marie“ bis zu ihrem Tod im Januar 1987 lebte, wirkte und feierte, hat die Künstlerin selbst eingefädelt, denn sie vermachte das schmucke Wohn- und Geschäftshaus in der Löhlstrasse 3, das schon ihr aus Neustadt stammender Vater Heinrich Strieffler mit einem großen Atelier für sein eigenes künstlerischen Arbeiten 1924/25 bauen ließ, der Stadt Landau. Ihr Wunsch war es, hier eine Stätte der Begegnung für Künstler und Kunstfreunde zu schaffen, die Wissenschaft zu fördern und ein adäquates Andenken an ihren Vater und sie selbst – und damit eigentlich auch an die Zeit, in der sie lebte und an die Menschen, die sie in ihren Bildern verewigte – zu schaffen.

Dass diese Zeit nicht nur idyllisch war und dass Marie Strieffler jenseits ihrer bekannten Ölgemälde, die noch heute prominente Ehrenplätze in den Wohnzimmern vieler südpfälzischer Familien einnehmen, auch andere Werke geschaffen hat, ist vielen Strieffler-Fans bis heute oft gar nicht bewusst. Deshalb war es das besondere Anliegen der Ausstellungskuratoren, auch „die andere Marie“ zu zeigen und darauf zu verweisen, dass die vermeintliche Heimatmalerin auch eine überaus begabte Zeichnerin und Karikaturistin war, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt hat und die sich schon in jungen Jahren in der damals männerdominierten Kunstszene durchsetzte. Als eine der ersten weiblichen Studentinnen überhaupt wurde Marie Strieffler 1937 an der Akademie der Bildenden Künste in München aufgenommen, wo sie sich als talentierte Aktzeichnerin erwies.

23 lebensgroße Akte fanden die Strieffler-Freunde, die noch immer mit der Nachlassverwaltung der Künstlerin beschäftigt sind, beim Vorbereiten der Ausstellung zusammengerollt unter einer Speichertreppe – und waren darüber selbst erstaunt. Vor allem die Tatsache, dass diese Studien nicht nur Figuren, sondern Menschen mit starken Charaktereigenschaften zeigen, hat Kunsthistorikerin Annette Calleja, die das Gesamtwerk Marie Striefflers auch im Begleitband analysiert, fasziniert.

 Aber die Ausstellungsmacher haben noch weitere hochkarätige Überraschungen ans Licht befördert. Dazu zählen vor allem die  beeindruckenden Schwarzweiß-Zeichnungen und Radierungen, die Marie Strieffler in den Kriegsjahren 1940 bis 1943 als Teilnehmerin mehrerer von Gauleiter Bürckel initiierter Künstlerreisen in die damals besetzten polnischen Gebieten machte. Die Aufgabe der Künstler – darunter auch Rolf Müller-Landau, Adolf Doerner und Hermann Croissant – war es, ebendort deutsches Brauchtum der früheren Auswanderer zu dokumentieren. So zeichnete Marie Strieffler ganz im Duktus Rembrandts einfache Menschen bei ihrem Tagwerk, aber auch dramatische Fluchtszenen, die aktueller nicht sein könnten.

Später hat es die Künstlerin – nun aus eigenem Antrieb, aber wieder auf der Suche nach deutschen Wurzeln in der Ferne – in die entgegengesetzte Richtung gezogen. Ihre USA/Kanada-Reise vom Frühjahr 1960 bis Herbst 1961 ist legendär und wurde damals von der Tagespresse begleitet. Geblieben sind auch davon markante Eindrücke vom Leben der oft armen und kinderreichen Mennoniten, von den kargen Welten der Inuit, den symbolhaften Bräuchen und Tänzen der Indianer, aber auch von einer weiten, unberührten Natur und modernen Städten.

Wieder daheim in den eigenen vier Wänden, in denen sie zur Aufbesserung ihres Lebensunterhalts auch Zimmer an Studenten vermietete, hat sich die Marie, die nicht nur für ihre Leutseligkeit, sondern auch für ihre unkomplizierte Lebensweise und ihr lockeres Mundwerk bekannt war, nicht ausgeruht. Mit Staffelei und Malutensilien zog sie durch die nahe Umgebung, mit ihrem späten (Maler) Freund Philippe Steinmetz in die Ferne, nach Spanien, Frankreich und Italien. Auch die Ölbilder dieser letzten Schaffensperiode kamen in etwas desolatem Zustand im Speicher zum Vorschein. Sie sind mit vielen weiteren Funden aus dem Malerhaus, dessen Wohnräume und Atelier noch immer im Originalzustand eingerichtet sind und mit der Ausstellung besucht werden können, eine Zukunftsaufgabe für den Verein der Strieffler Freunde, der dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. (bschm)

Jubiläumsausstellung „Marie Strieffler – Zeichnen Malen Leben“ bis 2. Juli, Strieffler Haus, Löhlstrasse 3, Landau; Freitag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr.Publikation „Marie Strieffler – Zeichnen Malen Leben“, 203 Seiten, 25 Euro, erschienen im Knecht-Verlag, Landau.

Redakteur:  Redaktion

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