Kultur

Donnerstag, 10. März 2016

Vom Schäferkind zum Bischof

Nikolaus von Weis wurde vor 220 Jahren geboren – Kindheit im Bliesgau verbracht

Vor der Kirche St. Andreas in Altheim, wo der spätere Bischof von Speyer einen Teil seiner Kindheit verbrachte, steht eine Bronzebüste von Nikolaus von Weis. Foto: Degott

Als Nikolaus von Weis am 15. Dezember 1869 als erster Bischof des erst wenige Jahre zuvor wiedererrichteten Bistums Speyer im Dom bestattet wird, betont Dompfarrer Becker in seiner Trauerrede das Ideal des Verstorbenen: „Jeder Bischof müsse so aussehen wie er; so vollkommen war das Bild und das Wesen des Hingeschiedenen.“ 73 Jahre zuvor war Nikolaus Weis – geadelt wurde er erst 1855 – in ärmliche Verhältnisse hineingeboren worden.

Auf dem Sonnenhof im lothringischen Rimling, gleich hinter der deutsch-französischen Grenze, erblickt er am 8. März 1796 – vor 220 Jahren – als erstes von insgesamt vier Kindern das Licht der Welt. Sein Vater Martin ist ein einfacher Schäfer, seine Mutter Magdalena „ohne Beruf“, wie das Geburtsregister ausführt. Die Eltern stammen eigentlich aus dem nahe gelegenen Altheim. Auf dem Hof des Mennoniten Christian Gerber fand der Vater aber Arbeit. Weil die Mutter nicht will,  dass ihr Sohn von einem Pfarrer getauft wird, der den Eid auf die französische Verfassung abgelegt hatte, trägt der Vater den Neugeboren noch am Tag der Geburt ins acht Kilometer entfernte Niedergailbach, wo der kleine Nikolaus getauft wird.

1802 zieht die Familie auf den Wiesinger Hof bei Habkirchen. Nur wenige Monate später ereignet sich dort ein tragisches Unglück: Beim Versuch, im kalten Wasser der Pferdeschwemme Schafe zu retten, die zuviel Klee gefressen hatten, erleidet der Vater einen tödlichen Kälteschock. Die Mutter kehrt daraufhin mit den Kindern nach Altheim zurück, wo sie mit handarbeiten und als Tagelöhnerin versucht, sich und die Kinder über die Runden zu bringen.

Die Armut der Familie und die Wirren der Nach-Revolutionszeit bringen es mit sich, dass die Schulbildung, die die Blieskasteler Reichgräfin Marianne von der Layen mit Einführung der Schulpflicht wenige Jahre zuvor gefördert hatte, dem kleinen Nikolaus alles andere als regelmäßig zuteil wird. Der örtliche Förster Foliot erkennt allerdings die Begabung des Jungen und sorgt dafür, dass der vom Dorfschullehrer Firmery unterrichtet wird – auch in Latein. 1808 wird der Unterricht fortgesetzt bei dem aus Rastatt geflohenen Professor Georg Axtmann, der jetzt Priester in Niedergailbach ist. Kost und Logis in dieser Zeit genießt Nikolaus Weis beim alten Bauersmann Peter Gottwalles in Niedergailbach. Als Axtmann 1809 wegen „unpriesterlichen Verhaltens“ Aufenthaltsverbot im Bistum Mainz erhält und sich nach Straßburg wendet, übernimmt der Pfarrer von Ormersweiler, ein Bruder von Förster Foliot, den Unterricht.

Zuvor, am 27. Juli 1808, war Nikolaus Weis in Medelsheim vom Mainzer Bischof Joseph Ludwig Colmar gefirmt worden – eine Begegnung, die sein Leben prägt. In dem gebürtigen Straßburger, den die Mainzer bei seiner Einführung im Jahr 1802 als „Franzos’“ verspotten, sieht Weis schon als Zwölfjähriger das „Ideal eines Bischofs“, wie er später immer wieder betont. Im Herbst 1811 wird Nikolaus Weis in das von Bischof Colmar gegründete Mainzer Seminar – ein Gymnasium mit angeschlossenem theologischem Studium – aufgenommen. 1818 wird er zum Priester geweiht.

Nach drei Jahren als Lehrer und Hilfspriester am Seminar wird Weis am 16. August 1820 zum Pfarrer von Dudenhofen ernannt. Zwei Jahre später, mit 26 Jahren, gehört er dem ersten Domkapitel des wiedererrichteten Bistums Speyer an. 1841 wird er Generalvikar und leitet ein Jahr später nach dem Weggang von Bischof Johannes Geissel nach Köln das Bistum. Kurz darauf ernennt ihn Papst Gregor XVI. zum Bischof von Speyer. Als Mitherausgeber der Zeitschrift „Der Katholik“ hatte sich Weis zu diesem Zeitpunkt auch in Rom bereits einen Namen gemacht. 27 Jahre steht er an der Spitze des Bistums, ehe er nach lägerer Krankheit in der Nacht zum 13. Dezember 1869 im Bischofshaus stirbt.

In Niedergailbach ist heute die Ortsdurchfahrt nach ihm benannt. In Altheim erinnert eine Bronzebüste vor der Kirche St. Andreas an den bedeutenden Sohn des dortigen deutsch-französischen Grenzraums. Dieses Bischof-von-Weis-Denkmal war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und wurde 1989, zum 120. Todestag des Speyerer Bischofs, nach jahrelangen Bemühungen mit Unterstützung von Sponsoren wieder errichtet. (red)

Redakteur:  Redaktion

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