Am 27. August findet im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen das zweite Diözesane Forum zu „Gemeindepastoral 2015“ statt. Wir befragten den Speyerer Generalvikar Dr. Franz Jung zu Zielen und Inhalten dieser Tagesveranstaltung.
Herr Dr. Jung, um welche Inhalte soll es beim Forum II gehen, welche Schwerpunkte des „Gemeindepastoral“-Prozesses werden die Teilnehmer des Forums genauer unter die Lupe nehmen?
Das Forum II hat zwei inhaltliche Schwerpunkte, die sich auch im Ablauf der Veranstaltung wieder finden. Der Vormittag und der frühe Nachmittag sind reserviert für die Diskussion über das sogenannte theologische Grundkapitel des Prozesses „Gemeindepastoral 2015“. Anhand von vier Thesen lädt die AG Prinzipien die Teilnehmer des Forums ein, sich über die theologischen Grundlagen des Prozesses zu verständigen.
Der Nachmittag ist dann den Berichten aus fünf weiteren Arbeitsgruppen vorbehalten. Die AG Finanzen und Verwaltung, die AG Pastorale Räte, die AG Personal- und Teamentwicklung, die AG Pfarrbüro und die AG Struktur werden dem Forum über den Stand ihrer Arbeit berichten und Anregungen zur Weiterarbeit einholen.
Warum setzt das Forum genau diese Schwerpunkte?
Nach der Veröffentlichung des Grundsatzpapiers „Gemeindepastoral 2015“ erreichten uns viele Rückmeldungen, die sagten: „Die Darstellung der aktuellen Situation ist durchaus zutreffend. Wir vermissen aber eine eingehende Analyse der Situation und eine theologische Grundsatzreflexion.“ Der Pastoralrat hat sich diese Kritik zu eigen gemacht und die Erstellung eines theologischen Grundkapitels angeregt. Der Auftrag zur Erstellung dieses Papiers ging an die AG Prinzipien, die jetzt ihre Überlegungen zum ersten Mal dem Forum vorstellt.
Angesichts der begrenzten Zeit war klar, dass nicht alle AGs die Möglichkeit haben würden, über ihre Arbeit zu berichten. Der Vorstand des Forums hat die fünf eben genannten AGs ausgewählt, weil ihre Vorarbeiten wichtig sind für die vier Projektpfarreien (Germersheim, Homburg 1, Queidersbach und Kaiserslautern 2), die jetzt schon nach dem Modell 2015 arbeiten werden. Hierzu zählt insbesondere die Frage nach der Verwaltung der Finanzen, die Struktur der Räte und die Ausstattung des zentralen Pfarrbüros. Die AG Personal- und Teamentwicklung wird eine detaillierten Überblick geben über die Entwicklung des Personals in den kommenden Jahren. Die AG Struktur stellt den Verfahrensweg zur Findung des Namens der 70 neuen Pfarreien vor. Bei der Namensfindung handelt es sich um eine der ersten wichtigen Aufgaben der neugewählten Räte 2011.
Der Zeitplan des ersten Forums im November 2011 war sehr straff, nicht alle Themen konnten aus Zeitgründen zu Ende diskutiert werden. Wird jetzt also mehr Zeit für die grundlegenden Fragen sein?
Der Schwerpunkt bei Forum I lag ganz auf der Frage nach dem Zuschnitt der siebzig neuen Pfarreien. Mit dem Forum II treten wir in die Phase des Prozesses ein, in der es darum geht, das strukturelle Grundgerüst mit Leben zu füllen. Dazu gehören die Präzisierungen zu Verwaltungsfragen und zur Räteorganisation genauso wie die grundsätzlichen Fragen zum theologischen Fundament.
Beim ersten Forum herrschte schließlich so etwas wie Aufbruchstimmung unter den Teilnehmern – was meinen Sie, wird das in Ludwigshafen eine Fortsetzung finden?
Wie eben schon gesagt, treten wir mit dem Forum II offiziell in die inhaltliche Diskussion ein. Hier gibt es erheblichen Gestaltungsspielraum, während bei der Strukturdiskussion die knappen Ressourcen den Gestaltungsmöglichkeiten enge Grenzen setzten. Von daher erhoffe ich mir eine Diskussion, die uns im gemeinsamen Ringen um die Zukunft der Seelsorge voranbringt. Dass wir aufbrechen müssen, ist – wie ich glaube – mittlerweile deutlich geworden.
Bisweilen wurde die Reihenfolge – erst die Klärung der Pfarreistruktur, dann die Diskussion über Inhalte der Seelsorge – kritisiert. Warum war der gewählte Weg für Sie so der richtige?
Ich habe bereits bei den Pfarrverbandsbesuchen erklärt, dass die Engpässe beim pastoralen Personal jetzt schon zu Zusammenlegungen von Pfarreien zwingen. Die Neubesetzungen im vergangenen und auch in diesem Jahr haben das gezeigt. Wir können in diesem Jahr 12 Stellen von pastoralen Mitarbeitern in Pfarreien nicht besetzen. Durch diese Entwicklung entstehen schon jetzt Einheiten, die den künftigen Zuschnitt haben, auch wenn die kanonische Errichtung erst im Jahre 2015 durchgeführt wird. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Die Klärung der Struktur gibt vor diesem Hintergrund Planungssicherheit und hilft den Gemeinden, sich auf die Zukunft vorzubereiten.
Ein drittes Diözesanes Forum haben Sie bereits für 2012 angekündigt – um was soll es darin gehen?
Ein drittes Diözesanes Forum wird im Spätjahr 2012 abgehalten werden. Es soll sich wieder wie Forum I über drei Tage erstrecken. Auch dieses Forum wird sich vornehmlich mit inhaltlichen Themen auseinandersetzen. Neben der weiteren Klärung zum theologischen Grundkapitel werden sicher die bis dahin erarbeiteten pastoralen Standards im Mittelpunkt des Interesses stehen wie auch die Klärung und Zuordnung der Rollenprofile der hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Bitte geben Sie uns abschließend eine Einschätzung – wo steht der Prozess „Gemeindepastoral 2015“ derzeit?
Nach der wichtigen ersten Phase der Klärung der Pfarreienstruktur (2010-2011) befinden wir uns jetzt in der zweiten Phase der inhaltlichen Diskussion über die künftige Seelsorge (2011-2013). Neben organisatorischen Fragen stehen jetzt Fragen nach den Inhalten und den Standards im Vordergrund. Diese Phase endet im Jahre 2013, so dass uns noch einmal zwei Jahre bleiben, die Arbeiten der AGs insgesamt zu würdigen und die Umsetzung des Konzepts voranzutreiben. Insgesamt bin ich über die rasch erzielten und zugleich qualitativ hochstehenden Ergebnisse der AGs sehr erfreut. Ich weiß aber auch, wie viel an Einsatz, Stunden und Sitzungen dahinter stecken, die oftmals neben den Belastungen durch das Alltagsgeschäft zu leisten sind. Daher verbinde ich mit dem Blick auf die Anstrengungen um eine Erneuerung unseres Bistums auch meinen ausdrücklichen Dank an die vielen hoch motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ordinariat und in der Seelsorge, die mitdenken und mitarbeiten und so dazu beitragen, dass wir uns den Herausforderungen der Zukunft stellen können.
Lesen Sie hier die Berichte vom Diözesanen Forum II am 27. August in Ludwigshafen. Bilder von der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie.
gp2015_Zuordnung_alle_Orte.pdf Zuordnung aller Orte und Gemeinden ab 2015. |
gp2015_Pfarreienzuordnung2015.pdf Pfarreistruktur ab 2015 in Tabellenform. |
Satzung für die pfarrlichen Gremien in den Modellpfarreien. |
Das Konzept "Gemeindepastoral 2015" im Wortlaut |
Fastenhirtenbrief 2010 des Speyerer Bischofs über "Gemeindepastoral 2015" |
Vom Diözesanen Forum 2010 diskutierte künftige Pfarreienstruktur |
gp2015_Hirtenbrief-Advent2010.pdf Hirtenbrief des Speyerer Bischofs zum Beginn des Geistlichen Jahres 2011 im Bistum |
gp2010_November2010-interview.pdf Interview mit Generalvikar Jung zum Diözesanen Forum |
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