Gemeindepastoral 2015

Abschließende Beratung über Fragen der Strukturen

Abstimmung beim Diözesanen Forum IV.

Am Samstagnachmittag, bis in die Abendstunden, widmete sich das Diözesane Forum dem vierten Kapitel des Konzepts „Gemeindepastoral 2015“. „Notwendige Veränderungen der Strukturen“ ist das Kapitel überschrieben. Darin sind unter anderem Pfarreien und Gemeinden und ihr Verhältnis zueinander beschrieben. Außerdem wird die Stellung der Verbände und Gemeinschaften hervorgehoben, die das Leben in den Pfarreien ergänzen. Einen größeren Raum nimmt hier das letzte Unterkapitel „4.3 Veränderte Rollen – Verändertes: Kommunikativer Leitungsstil“ ein. Diskutiert wurde über einen Passus zur „ermöglichenden Leitung“, die der Pfarrer in seiner Führungsverantwortung für die Pfarrei, das Seelsorgeteam und der ehrenamtlich Engagierten beherzigen soll. Dompfarrer Matthias Bender, Speyer, riss bei dieser Gelegenheit die Frage an, ob sich hierin das Selbstverständnis der Leitung der Diözese spiegelt und sich das Verhältnis zwischen Bistum und Pfarreien mit „ermöglichender Leitung“ beschreiben lässt. Er verstehe den gesamten Prozess nach wie vor gerade unter dem Stichwort „ermöglichende Leitung“, sagte Bischof Wiesemann später auf diese Nachfrage.

Schlussendlich beriet das Forum einen Text über „Verwaltung und Verwaltungsentlastung der Pfarreien“, der neu ins Konzept eingearbeitet wurde. Er beschreibt, was mit den künftig einzurichtenden, sechs Regionalstellen erreicht werden soll und welche Vorteile die zentralen Pfarrbüros in den Pfarreien bringen. Noch nicht geregelt sind in diesem Unterkapitel der Aufgabenkatalog der Regionalstellen und das Verhältnis, in welchem sie zu den Pfarreien stehen. Geplant ist, dass jede Pfarrei in ihrer Regionalverwaltung einen festen Ansprechpartner erhält. Schließlich war nochmals die kirchliche Vermögensverwaltung ein Thema: Domkapitular Peter Schappert erläuterte, das ab Ende 2015 pro Pfarrei eine Kirchengemeinde bestehen wird, ihr Vermögen und das der einzelnen Kirchenstiftungen wird von einem Verwaltungsrat pro Pfarrei verwaltet. Die heutigen Kirchenstiftungen werden durch „Gemeindepastoral 2015“ nicht aufgelöst werden, sondern bestehen bleiben, betonte Schappert.

Debattiert wurde zuletzt über eine Gesamtabstimmung über die ersten vier Kapitel, die somit dem Bischof zur Inkraftsetzung empfohlen würden. Nach mehreren Gesprächsbeiträgen dazu sprach sich Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann dagegen aus, heute die vier ersten Kapitel des Konzepts en bloc abzustimmen. Das Konzept werde, so Wiesemann, als ganzes in Kraft gesetzt, wenn alles diskutiert und vom Diözesanen Forum mit einem Votum verabschiedet sei.

Erzbischof Orlando Quevedo wandte sich mit positiven Schlussworten an das Forum: Das Papier drücke Träume aus und enthalte viele Saatkörner für eine Erneuerung des Bistums Speyer. Es gehe um eine Gemeinschaft von Gemeinschaften, nicht nur um eine administrative Reform, bekräftigt Quevedo. Erreicht könne dies werden durch die „ermöglichende“, oder wie es in seiner Heimat heiße „dienende“, Leitung. Er wünsche dem Bistum, dass diese Träume verwirklichen könne. Mit dem Papier habe das Bistum sozusagen ein Baby geboren, aber damit habe es noch harte Arbeit vor sich. „Ich bete für Sie!“, so Erzbischof Quevedo.

„Wir haben wirklich etwas Gutes geschaffen, wo wir auch spüren, dass wir das gemeinsam tragen werden“, so begann Bischof Wiesemann sein Schlusswort. Er sei stolz auf die Gremien, die hier beim Forum diskutiert haben „Die Debatten sind kritisch gewesen an den entscheidenden Stellen, aber konstruktiv“, zog Bischof Karl-Heinz Wiesemann in seinem Schlusswort ein Resümee. „Wir sind auf einem Weg, wenn wir ihn gegangen sind, wird er uns in unserem Bistum zeigen, wie wir miteinander auch in Zukunft sehr konstruktiv unsere Diözese weiterentwickeln können.“ Besonders froh sei er über das aktive Zeugnis von Erzbischof Quevedo gewesen, ein Beispiel dafür, wie man weltkichlich voneinander lernen dürfe.

Lesung und Beratung der theologischen Inhalte

Mitglieder des Diözesanen Forums bei einer Abstimmung. Vorne der philippinische Erzbischof Quevedo.

Am heutigen Samstag (26. Oktober) sind im Ludwigshafener Pesch Haus die 82 Forumsmitglieder (von 101 Stimmberechtigten) und die zusätzlichen 50 Mitglieder mit beratender Stimme mit dem theologischen Basispapier des Konzepts „Gemeindepastoral 2015“ befasst. Dieser Lesung und abschließende Beratung des Papiers soll sich über den kompletten Tag hinziehen. Den Konzeptentwurf, der Grundlage für die Beratungen ist, hat das Bistum Speyer hier online gestellt (Startseite, links unter "Konzeptentwurf ,Gemeindepastoral 2015'").

Zu diesen theologischen Überlegungen in den ersten vier Kapiteln hatten Mitglieder des Forums zwischen 1. April und 31. Juli 2013 die Möglichkeit, Änderungsvorschläge einzureichen. Alle 146 eingegangenen Veränderungsvorschläge wurden vom Vorstand des Forums gesichtet und bewertet. Aus unterschiedlichen Gründen – etwa bei mehrfach formulierten Anliegen, bei konkurrierenden Änderungsanträgen oder bei nicht zu den vier Kapitel gehörenden Änderungswünschen - hat sich der Vorstand des Forums entschlossen, nicht alle Anträge zuzulassen. Zugelassene Änderungsanträge wurden zum Großteil bereits in die Beratungsvorlage eingearbeitet. „Die Fülle der Anträge zeigt ein großes Engagement und Interesse“, so resümiert Maria Faßnacht, Vorsitzende des Katholikenrats.

Eine umfangreiche Diskussion spannte sich um das Thema Familie, wobei deutlich wurde, dass die Kirche die vielen verschiedenen Formen von Familie ernst nimmt und die Anwaltschaft für die Bedürfnisse von Familien übernehmen will. Die Debatte des Vorabends über die Kirchenfinanzen fließt am Samstagvormittag doch noch einmal in die Beratungen ein – beim Punkt 1.2.4. „Finanzielle Grenzen“. Länger diskutiert wird am Vormittag der Abschnitt „Ringen um Gemeinsamkeit“, der auch die Reizthemen u.a. von Geschiedenenpastoral, Homosexualität, Zulassungskriterien zur Weihe benennt.

Am Nachmittag wendet sich nochmals der philippinische Erzbischof Orlando Quevedo an das Plenum, um Eindrücke der bisherigen Beratungen auszusprechen und Impulse aus seiner eigenen Ortskirche einfließen zu lassen. „Wir verstehen unter Pastoral bei uns alle Fragen des menschlichen Lebens, über Wirtschaft, Kultur, Politik, Religion.“ Bemerkenswert findet er das Verfahren „Wort für Wort“, in welchem das theologische Konzept vom Forum diskutiert wird. „Ich bewundere ihren Eifer!“ Das Dokument, sagt der Erzbischof, sei sehr systematisch angelegt, aber auch „sehr lang“. Wenn wir bei uns die Situation der Kirche anschauen, analysieren wir zunächst die Situation unserer Jugend, denn sie ist stets die Zukunft der Kirche. Mehr Ausführlichkeit hätte er beim Thema Berufung zum Priestertum und zum Ordensleben erwartet, sagt Quevedo.

In seiner Heimat würde ein Pastoralkonzept zunächst mit einer Befragung der Pfarreien beginnen – mit drei Fragen (Wie ist die pastorale Situation? Welche Vision von Pfarrei haben sie, um auf die Situation der Welt zu antworten? Und was will sie tun, um die Vision Wirklichkeit werden zu lassen?) Daraus werde ein verdichtetes Dokument, dass an die Pfarrei zurückgeht und nach Überarbeitung dort einer diözesanen Versammlung vorgelegt wird. Dort werde darüber beraten, aber nicht „Wort für Wort“, wie Quevedo betont. „Unser Dokument umfasst dann 15 Seiten insgesamt, nicht aber 55 Seiten.“ Vielleicht lag es an den Worten Quevedos, aber zum Kapitel 2 „Theologische Grundlegung“ gab es insgesamt nur wenig Änderungswünsche. Diözesan-Ministrantenseelsorger Carsten Leinhäuser deutet es vor dem Plenum anders: „In den Fragen unseres Glaubens sind wir alle beisammen, in praktischen Fragen mag es dann wieder zu verschiedenen Ansätzen und Diskussionen kommen.“

Auch das dritte Kapitel wird zügig durchgesehen, beraten und bedarf weniger Ergänzungen. Nochmals richtet Erzbischof Quevedo an das Plenum das Wort, als es um die „leitende Perspektive“ Anwaltschaft geht: Kirche sei eine Kirche der Armen. Es gebe neue Gesichter der Armut, etwa die Opfer der globalen Ungerechtigkeit. Die Bischöfe des Südens wollen die Bischöfe in Europa und Nordamerika ermutigen, sich bei den jeweiligen Regierungen des Nordens zum Handeln aufzufordern. Quevedo stellt die engen Zusammenhänge von Anwaltschaft, Spiritualität, Weltweiter Kirche und Evangelisierung dar – und er lobt die Auswahl dieser „leitenden Perspektiven“ im Bistumskonzept.

Verbindliche Zusage zu den Bistums-Finanzen

Generalvikar Dr. Franz Jung.

Am ersten Forums-Abend hat die Speyerer Bistumsleitung verbindlich zugesagt, die Finanzen der Diözese umfassend zu erläutern. Als Termin hierfür ist die Haushaltspressekonferenz im Januar des kommenden Jahres vorgesehen. Wie Generalvikar Dr. Franz Jung am 25. Oktober deutlich machte, soll dabei nicht nur der Bistumshaushalt im Blick sein – der grundsätzlich öffentlich gemacht wird, weil er sich weitgehend aus Kirchensteuergeldern speist -, sondern auch die anderen Bereiche diözesaner Finanzen, zu deren Veröffentlichung keine Verpflichtung besteht. Jung nannte hier das Vermögen des Bischöflichen Stuhls, die Pfarrpründestiftung, den Emeritenfonds (die „Rentenkasse“ für die Geistlichen des Bistums) sowie Beteiligungen des Bistums. Das Domkapitel werde über die Veröffentlichung seines Haushalts noch entscheiden. Die nächsten Wochen bis zur Präsentation vor den Medienleuten würden für eine intensive Aufbereitung der Zahlen genutzt.

Maria Faßnacht, Vorsitzende des Diözesan-Katholikenrates, begrüßte die Zusage der Bistumsleitung. Größtmögliche Transparenz auch bei den Finanzen sei wichtig, sie stärke das gegenseitige Vertrauen beim gemeinsamen Weg in die Zukunft der Kirche im Bistum Speyer.

Eine „Aktuelle Stunde“ zu den Kirchenfinanzen

Domkapitular Peter Schappert sprach vor dem Forum über Verwaltungsstrukturen und Finanzen.

Einige Tage vor Beginn des Forums hat der Vorstand des Katholikenrates einen Antrag gestellt, über die Speyerer Kirchenfinanzen von Bistum, Domkapitel sowie Bischöflichem Stuhl beim Forum zu sprechen. Anlass seien die Geschehnisse im Bistum Limburg in den vergangenen Wochen und die Debatte in der Öffentlichtkeit über die Kirchenfinanzierung. „Wir wollen informiert werden, denn wir wollen diese Informationen weitergeben, wo wir selbst angefragt werden“, so begründete Maria Faßnacht, die Vorsitzende des Katholikenrats, den Diskussionswunsch. „Wir müssen es aushalten, wie sehr an dieser Frage die Glaubwürdigkeit unserer Kirche angezweifelt wird“, sagte Helga Schädler vom Katholikenrat. Es sei nun das zweite Mal nach der Missbrauchskrise, dass die Kirchenoberen sich ganz offensichtlich schwer täten mit der nötigen Transparenz. „Die Kluft zur Basis wird immer größer. Sorgen Sie bitte für diese wirkliche Transparenz“, sagte Schädler begleitet von Applaus. Diözesan-Jugendseelsorger Andreas Sturm sagte, in Limburg sei viel Vertrauen zerstört worden, es brauche viele Maßnahmen und viel Zeit, bis dieses Vertrauen wieder wachse. Pastoralreferent Klaus Scheunig betonte, dass auch in vielen seelsorgerlichen Gesprächen das Geld der Kirche eine Rolle spiele. „Bei jeder Krankenkommunion wird man gefragt dazu.“


Domcustos Peter Schappert, er ist im Bistum für die Bereiche Finanzen und Bau verantwortlich, berichtete über den Finanzausgleich zwischen den Diözesen. Die Begründung für „unantastbares“ Stammkapital sieht er darin, Risiken zu vermindern, wenn etwa andere Finanzquellen – wie die Kirchensteuer – versiegten oder sich reduzierten. „Wir haben eine Verantwortung für unsere Angestellten, hier muss ein Mix aus Einnahmen ein eventuelles Risiko abmindern.“ Domkapitular Schappert sagte, nach seiner Meinung könnte die katholische Kirche auch anders, ärmer sein, „aber dann ist die Frage, ob und wie viel Personal wir haben, ganz anders zu beantworten“. Auch die Gemeinden würden dann möglicherweise ganz anders leben, als sie es heute könnten.


Jegliches Vermögen werde von einem zugehörigen Gremium verwaltet, dass nur eine Person über eine Art „Geheimvermögen“ bestimmt, das gebe es nicht, so Schappert. Marcella Hien (Dekanat Saarpfalz) wies allerdings darauf hin, dass das Vermögen des Bischöflichen Stuhls von Angehörigen des Ordinariats und Mitarbeitern des Bischofs verwaltet würde. „Zur Transparenz gehört es auch, externe Ratsmitglieder und Fachleute mit dabei zu haben.“ Ein Problem in Sachen Transparenz warf Altdekan Klaus Armbrust (Landau) auf: „Es gibt auch Haushalte in den Pfarreien, die jährlich öffentlich ausgelegt werden.“ In seiner ganzen, jahrzehntelangen Praxis als Pfarrer sei nur ein einziges Mal die Möglichkeit zur Einsichtnahme genutzt worden. „Von einer Person, die den Haushalt einer großen Pfarrei mal sehen wollte.“ Das Interesse an den Kirchenfinanzen sei gegenwärtig nur aus aktuellem Anlass so groß.


Transparenz zu schaffen, sei alles andere als einfach: Was gehört dem Bistum, was ist ein Grundstück wert, sind die Bistümer mit ihren Zahlen vergleichbar – für viele dieser Fragen gebe es keine einfache Antwort oder nicht einfach „nur zwei Zahlen“, betonte Dr. Franz Jung, Generalvikar des Bistums Speyer. „Jenseits der bisher veröffentlichten Fakten, haben wir uns dazu entschlossen, noch weitere Informationen zu liefern.“ Emeritenanstalt, Pfründestiftung, Bistumsbeteiligungen – darüber solle baldmöglichst informiert werden. Der Generalvikar strebt dazu die Haushaltspressekonferenz im Januar 2014 als Zeitpunkt an. „Das gibt uns die Zeit, dies gut vorzubereiten.“ Zeitgleich würden die Gremien von Priesterrat, Diözesan-Pastoralrat und Katholikenrat durch die Finanzfachleute des Ordinariats informiert, die dann auch Rede und Antwort stehen sollen. „Transparenz ist uns ein großes Anliegen, wir waren ja eines der ersten Bistümer, die überhaupt hier reagiert hat“, betonte Generalvikar Jung. Den Haushalt des Speyerer Domkapitels offenzulegen, setze allerdings zunächst einen Beschluss des Domkapitels voraus – der steht noch aus. Im Laufe der Diskussion wurde auch nach der Bildungs- und Wallfahrtsstätte Maria Rosenberg gefragt – Generalvikar Jung stellte klar, dass die Gebäude auf dem Rosenberg ein sehr großes Problem für das Bistum darstellten. Zwei Herausforderungen bestünden hier, nämlich das Bildungshaus baulich zu sanieren und zu reduzieren, wofür die Mittel fehlten, und – seinen laufenden Betrieb generell zu finanzieren.


Bischof Dr. Wiesemann sagte als Schlusswort nach dieser Diskussion: „Ich nehme diese Debatte ernst.“ Aber genauso nehme er das Gremium des Diözesansteuerrates – der ein gewähltes Gremium ist – ernst, er selbst habe nur eine Stimme darin, „wie jeder Pfarrer in einem Verwaltungsrat“. Wiesemann machte deutlich, dass das Vermögen des Bischöflichen Stuhles kein Privatvermögen eines Bischofs sei. Er sprach sich aber dagegen aus, jede Zahl vorbehaltlos zu veröffentlichen, ein solches Vorgehen habe mit Transparenz nichts zu tun. „Was es braucht, ist eine absolute Verlässlichkeit, dass mit den Kirchengeldern vernünftig gehaushaltet wird. Transparenz ist etwas Wesentliches, heißt aber nicht, Entscheidungen unserer gewählten Gremien in die Öffentlichtkeit zu verlagern.“ Er habe das Bistum vor fünf Jahren in einer gewissen Not übernommen, seit Jahren liefen nun die Bestrebungen, die Finanzen so weit zu sanieren, dass man sowohl den Pensionsfonds der Geistlichen als auch generell die Anstellung der Seelsorgerinnen und Seelsorger dauerhaft abzusichern. „Ich habe Verantwortung für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für deren Familien.“ Dr. Wiesemann beklagte zugleich die unsachgemäße Vermischung von Kirchensteuern und den Staatsleistungen für die Kirchen in den Medien. „Dabei ist das etwas völlig verschiedenes.“


Mit dieser umfangreichen, streckenweise engagiert bis emotional geführten Debatte ging der erste Forumsabend zu Ende. Das Forum soll vor allem der Beratung über die theologischen Inhalte von „Gemeindepastoral 2015“ dienen – aufgrund der aktuellen Lage gerieten diese Inhalte nun zunächst an den Rand. Es bleibt abzuwarten, wie die Diskussion um Kirchensteuer, Haushalte und Vermögen auch den Forums-Samstag beeinflusst.

 

Berichtsphase eröffnet das Diözesane Forum

Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, der Vorsitzende des diözesanen Caritasverbandes, bei einem Redebeitrag zum Forum.

Mit einem umfangreichen Berichtsteil ist in Ludwigshafen heute abend (25. Oktober) das Diözesane Forum IV gestartet. Rund 150 Personen sind im Heinrich Pesch Haus versammelt – Haupt- und Ehrenamtliche, Mitarbeiter des Ordinariats und die Speyerer Bistumsleitung – um über „Gemeindepastoral 2015“ zu diskutieren.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann wies in seinen Eröffnungsworten daraufhin, dass der Gesprächsprozess von Beginn an offen für kritische Begleitung durch Laien wie Kleriker im Bistum sei und dass immer wieder Änderungswünsche eingearbeitet worden seien. Er dankte allen Beteiligten, „dass es ein Ringen und gemeinsames Reifen ist“.


Beobachter des Forums kommt von den Philippinen

Auch in diesem Jahr hat das Forum einen Gast aus der Weltkirche – es ist Erzbischof Orlando Quevedo, der von den Philippinen angereist ist zur Eröffnung der Missio-Aktion in diesen Tagen in Speyer. In seinem Grußwort sagte der philippinische Erzbischof, auch seine Ortskirche befände sich in einem Erneuerungprozess. Zugleich forderte er, die Kirche solle nach außen schauen, hin zur Welt, und nicht nur nach innen, auf sich selbst. Die Erneuerung der Kirche geschehe nicht dazu, dass die Kirche erhalten bleibe und gerettet werde, sondern um Christus in der Welt von heute zu verkünden. Ausgangspunkt der Erneuerung der Kirche auf den Philippinen sei die Lebenssituation der Menschen gewesen. „Strukturen sind zweitrangig, entscheidend ist, dass wir eine Vision haben, wie die Kirche sein soll, daraus ergeben sich dann die Strukturen.“ Es könne keine Erneuerung geben, wenn nicht das ganze Volk Gottes, wenn nicht alle die Vision haben und daran festhalten. „Das ist aber ein langer Weg mit vielen Herausforderungen, der das eigene Zeugnis braucht.“

In seiner Predigt beim Eröffnungsgottesdienst beschrieb Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die schwierige Situation der Kirche. „Es gibt Geschehnisse, die uns berühren und bedrücken.“ Den positiven Erfahrungen vom Weltjugendtag und der begeisternden Ausstrahlung des neuen Papstes stellte der Bischof die Limburger Situation gegenüber: „Es ist eine Kirchen-Erfahrung, wenn ein Glied der Kirche leidet, dann leiden die anderen Glieder mit.“


Wie geht es weiter mit dem Prozess „Gemeindepastoral 2015“?

Generalvikar Dr. Franz Jung blickte auf die nächsten Monate im Eröffnungsteil des vierten Forums. Zunächst ging es um die Pfarreinamen, bis Jahresende trifft der Bischof die Entscheidung über die Namen. Außerdem gehe es in den nächsten Monaten um eine Klärung wichtiger Fragen und Weichenstellungen, das laufende und die nächsten beiden Foren (März 2014 und Oktober 2014) sollen dazu dienen, etwa die Standards für die Seelsorge, die Festlegung der Gemeinden in den neuen Pfarreien, die Satzungen der Räte, Standards für die zentralen Pfarrbüros und anderes festzulegen. Die Projektphase der vier Projektpfarreien wurde verlängert, um hier noch weiter Erfahrungen mit „Gemeindepastoral 2015“ sammeln zu können. Nach etwas mehr als er Halbzeit des Erneuerungsprozesses sagte Dr. Jung: „Wir liegen in der Zeit, aber die Liste der noch zu bewältigenden Aufgaben ist beeindruckend.“


Sechs regionale Verwaltungsstellen geplant

Domcustos Peter Schappert sprach über die geplanten regionalen Verwaltungszentren. Das vergangene Forum hatte die Empfehlung ausgesprochen, die Zahl der Verwaltungsstellen und deren Tätigkeitsfelder genau zu prüfen. Der Vorschlag der zuständigen Arbeitsgruppe an den Bischof lautete nach Prüfung, sechs Stellen einzurichten, was dann später auch vom Allgemeinen Geistlichen Rat so beschlossen wurde. Die Zuordnung könne bereits bekannt gegeben werden, wo die Stellen sich befinden sollen, sei noch nicht überall klar, sagte Schappert. Für die Dekanate Ludwigshafen und Speyer gebe es eine gemeinsame Regionalverwaltung voraussichtlich in Ludwigshafen. Das Dekanat Bad Dürkheim erhalte seine Stelle in Neustadt, die Dekanate Germersheim und Landau erhalte eine gemeinsame Stelle in einer der beiden Städte, hier müsse noch die Immobiliensituation geprüft werden. Im Dekanat Pirmasens werde es eine Stelle in der Schuhstadt selbst geben. In Kaiserslautern wird die Regionalverwaltung für alle Pfarreien der Dekanate Kaiserslautern, Donnersberg sowie Kusel angesiedelt, so Peter Schappert. Das Dekanat Saarpfalz solle seine Stelle in Homburg oder St. Ingbert erhalten. Angesiedelt würden an diesen Verwaltungsstellen auch die Jugendzentralen, die Erwachsenenbildung sowie die Kirchenmusik, etwa der Dekanatskantor.


Namen für neue Pfarreien

Domkapitular Franz Vogelgesang berichtete vom Stand des Namensgebungsverfahren für die 70 Pfarreien. „Alles lag pünktlich vor.“ Quer übers Bistum seien sieben, acht gleiche Patrozinien vorgeschlagen, hier könne die Entscheidung hinsichtlich des Zweitvorschlags ausfallen. Alle Namensvorschläge hat das Bistum auf seiner Homepage veröffentlicht.

Vogelgesang berichtete zugleich von Begegnungs-Treffen der Pfarreiengemeinschaften, die bereits im neuen Zuschnitt organisiert sind – zum Zeitpunkt der drei Treffen im Sommer waren es 34, gegenwärtig sind es schon 44 von 70 künftigen Pfarreien. Eine Frage dabei sei gewesen, „wie ,Gemeindepastoral 2015` bei der Basis ankommt“. Pastoralreferent Klaus Scheunig (Gersheim) meinte dazu, dass die Gläubigen vor Ort weniger Interesse an den Bausteinen des Konzepts hätten als vielmehr an der fertigen Architektur. „Wir müssen vor allem die Visionen, die mit dem Konzept verbunden sind, zu den Leuten bringen, weniger die Details.“ In 2014 solle es wieder Rätetage geben, die über den Prozess breiter informieren, so Generalvikar Jung. Inwieweit es weitere Veranstaltungen für die Nicht-Projektpfarreien gebe, müsse man noch prüfen, so Vogelgesang.


26 Abende des Dialogs

Einen Rückblick auf die Dialogabende in den Pfarrverbänden und mit den Verbänden sowie Ordensleuten hielt Bischof Karl-Heinz Wiesemann. „Die 26 Abende waren ein großer Schatz des wechselseitigen Zuhörens.“ Einen großen Rücklauf habe es bei den Zukunftsbriefen gegeben, teilweise sehr ausführlich seien diese formuliert wurden. „In vielen Fällen war das ein breit angelegtes Feedback.“ Er habe alles genau gelesen, betonte der Bischof. Bei den Abenden sei es um Ängsten, Sorgen und viele kritische Fragestellungen gegangen – etwa zur Pastoral bei wiederverheirateten Geschiedenen. „Diese Frage ist bei sehr, sehr vielen Dialogabenden thematisiert worden.“ Ein ganz anderer Punkt, aber ebenso häufig angesprochen, sei die Verwaltungsentlastung für die Pfarrer und Gemeinden gewesen. „Das wurde immer sehr, sehr drängend gemacht.“


Wortgottesfeier mit Kommunionspendung

Eine wichtige Fragestellung sei außerdem die Frage nach Kommunionspendung in Wortgottesfeiern gewesen. Zwar gebe es klare Richtlinien dazu von der Bischofskonferenz, doch die Praxis sowohl in den deutschen Diözesen, als auch in der Weltkirche sei uneinheitlich. Er habe daher die Arbeitsgruppe „Pastorale Standards“ damit beauftragt, hier eine pastorale Maßgabe zu entwickeln, wo eine Kommunionspendung sinnvoll sein kann. „Das grundsätzliche Verbot der Kommunionspendung in einer Wortgottesfeier wäre damit aufgehoben.“ Zugleich soll die Chance einer Wortgottesfeier ohne Kommunion gesehen werden. „Dies wird mit der Diskussion der Standards auf die Tagesordnung kommen und schließlich mit dem neuen Pastoralkonzept in Kraft gesetzt.“

Außerdem, so der Bischof, sei die Maßgabe des zentralen sonntäglichen Gottesdienstes zu überdenken. Bisher war im Konzept ein Sonntagsgottesdienst an einem vom Ordinariat Speyer festgelegten Ort vorgeschrieben. „Und es soll tatsächlich ein festes, verlässliches Gottesdienstangebot geben“, so Dr. Wiesemann. Darüber hinaus solle aber mehr Flexibilität herrschen. „Man muss hier Lösungen vor Ort finden, das können wir nicht von Speyer vorschreiben.“

 

Planungen zu Bistumsgebäuden in Speyer

Ein heißes Eisen und aktuelles Thema – gerade wegen der Diskussion über Kirchenfinanzen – nahm Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann mit der Frage nach Bistumshaus St. Ludwig und Priesterseminar St. German in den Blick. Der Bischof stellte die Entwicklung der Pläne und die bisherigen Konzepte dar. „Allerdings kamen wir dann in eine schwierige finanzielle Situation.“ Die Finanzmittel für ein solches großes Projekt seien, wie sich ad hoc herausgestellt habe, nicht vorhanden. „Die Verantwortung für ein solches Projekt wollte ich nicht übernehmen – in dieser Situation.“ Es sei dann eine neue Planung beschlossen worden. Für eine kommende Lösung hofft der Bischof, auf „Verkaufserlöse, etwa bei Baugrundstücken im Umfeld des Priesterseminars“. Die Idee, Bistumshaus, Caritaszentrale und Priesterseminar in einem Haus zusammenzufassen, lasse sich aber nicht weiterverfolgen. „Die Mittel dazu hätten wir nicht aufbringen können.“ Wie es weitergehe, müsse zunächst im Allgemeinen Geistlichen Rat besprochen werden. Appelliert wurde seitens des Forums zu „höchster Transparenz“ und „guter Kommunikation“ in diesem „sensiblen Feld“ mit Blick auf die Ereignisse im Bistum Limburg. Auch Generalvikar Dr. Jung machte deutlich, dass nun genaue Prüfungen anstünden. Dass alle drei Gebäude – also Priesterseminar St. German, Caritaszentrale im Bistumshaus St. Josef sowie Bistumshaus St. Ludwig - gehalten werden sollten, wollte Jung aber nicht bestätigen.

Diözesanes Forum IV berät am 25. und 26. Oktober in Ludwigshafen

Beratungen beim Diözesanen Forum III vor einem Jahr.

Zur Beratung über die ersten vier Kapitel des künftigen Seelsorge-Konzepts für das Bistum Speyer kommen am 25. und 26. Oktober im Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen die Mitglieder des Diözesanen Forums zusammen. Es handelt sich um die vierte Tagung des Diözesanen Forums seit dem Beginn des Prozesses „Gemeindepastoral 2015“ im Jahr 2009.

Von April bis Juli konnten die Mitglieder des Diözesanen Forums Änderungsanträge an dem Konzept für die zukünftige Seelsorge einbringen. „33 Personen haben insgesamt 146 Änderungsanträge eingereicht“, informiert Generalvikar Dr. Franz Jung, der als Sekretär des Diözesanen Forums fungiert. Für die Diskussion der Änderungsanträge ist der komplette Samstag (26. Oktober) vorgesehen. Die Änderungsanträge beziehen sich auf die ersten vier Kapitel des Konzeptentwurfs. Darin geht es um die Situationsanalyse, die theologischen Grundlagen, die leitenden Perspektiven und notwendige Strukturveränderungen.

Das Diözesane Forum kommt bereits am Freitag (25. Oktober) ab 18 Uhr zusammen. Nach einem Gottesdienst geht es um eine Standortbestimmung im Prozess „Gemeindepastoral 2015“. Geplant sind Informationen über die Entscheidung zu den Regionalverwaltungsstellen, den Stand des Namensgebungsverfahrens und die Veranstaltungen der Pfarreien, die schon jetzt im Zuschnitt des Konzepts „Gemeindepastoral 2015“ bestehen. Weitere Themen am Freitagabend sind die Dialogabende und die Zukunft des Bistumshauses St. Ludwig und des Priesterseminars.

Das Diözesane Forum setzt sich aus rund 140 Personen zusammen. Dazu zählen die Mitglieder des Allgemeinen Geistlichen Rates, des Priesterrates, des Diözesanpastoralrates und des Katholikenrates. Ebenfalls beteiligt sind die Mitglieder der verschiedenen Arbeitsgruppen, die für den Prozess "Gemeindepastoral 2015" gebildet wurden. Den Vorsitz des Diözesanen Forums führt Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann.

Als Gast aus der Weltkirche wird Erzbischof Orlando Beltran Quevedo aus der Diözese Cotabato von den Philippinen am Diözesanen Forum in Ludwigshafen teilnehmen. Er hält sich anlässlich des Monats der Weltmission vom 22. bis zum 27. Oktober im Bistum Speyer auf und berichtet in mehreren Veranstaltungen im Bistum über die kleinen christlichen Gemeinden in seiner Heimat, die dort maßgeblich das kirchliche Leben prägen. (Pressestelle Bistum Speyer)

 

Ablauf des Diözesanen Forums IV

Freitag, 25.10.2013
18 Uhr Gottesdienst
19 Uhr Begrüßung, Grußworte
19.30 Uhr Wo stehen wir im Prozess?
- Information über Entscheidung zu den Regionalverwaltungsstellen
- Stand Namensgebungsverfahren
- Info über Veranstaltung der Nicht-Projektpfarreien
Wort zu den Dialogabenden
Information zu Bistumshaus/Priesterseminar
21 Uhr Gemütliches Beisammensein

Samstag, 26.10.2013
7.30 Uhr Morgenimpuls
8 Uhr Frühstück
9 Uhr Einführung in die Beratungen der Modi
Beginn der Beratungen zum Grundsatzpapier
12 Uhr Mittagsgebet
12.15 Uhr Mittagessen
13.30 Uhr Fortsetzung der Beratungen
15 Uhr Kaffeepause
15.30 Uhr Fortsetzung der Beratungen
18 Uhr Ausblick auf die nächsten Schritte im Prozess
18.30 Uhr Abendessen
19.30 Uhr Fortsetzung der Beratungen (falls erforderlich)

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