Gemeindepastoral 2015

Räte diskutieren in Ludwigshafen kontrovers über „Gemeindepastoral 2015“:

200 Teilnehmer beim Rätetag in Ludwigshafen.

Rund 200 Frauen und Männer aus Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten im Bistum Speyer sind am heutigen 12. März im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen zusammengekommen. Thema war das Zukunftsgespräch „Gemeindepastoral 2015“ im Bistum. Bis in den Nachmittag hinein holten sich die ehrenamtlich Engagierten Informationen und diskutierten kontrovers, kritisch und konstruktiv an den offenen Fragen mit.

Zum zweiten Rätetag seien wiederum Anmeldungen „in überwältigender Zahl eingetroffen“, sagte Domkapitular Franz Vogelgesang in seinen Begrüßungsworten. Für den dritten Rätetag am 16. April in Waldfischbach-Burgalben hätten sich 300 Personen angemeldet. Vogelgesang spricht in seiner Einführung von der Krise des Glaubens und der Kirche in unserer Gesellschaft. Mit dem Hildesheimer Priester und Buchautor Christian Hennecke stellt der Domkapitular die Frage: „Was eigentlich Gott willst Du uns sagen, dass Du uns so bedrängst?“ Ohne Zweifel gelte es angesichts der Krise zu handeln: „Krise heißt immer auch – eine Zeit der Entscheidung“.

Um Entscheidungen ging es allerdings beim Rätetag nicht – eher um eine Rückbindung der Vorschläge von „Gemeindepastoral 2015“ an die Erfahrungen und Meinungen an der Kirchenbasis.„Wir möchten von Ihnen zu vielen Bereichen eine Rückmeldung, um in unseren Arbeitsgruppen weiterarbeiten zu können“, erläuterte Dr. Thomas Kiefer vom Bischöflichen Ordinariat ein Ziel des Tages. Im Lauf des Rätetages gibt es mehrere Info-Blöcke und Workshops zu verschiedenen Themenbereichen, etwa die Zusammensetzung der künftigen Gemeindegremien, die kirchlichen Finanzen oder die Standards, die für die Seelsorgearbeit gelten sollen. Auch beim zweiten Rätetag melden die Frauen und Männer aus den Räten vieles zurück - „dabei hatte ich aber den Eindruck, dass viele ganz präzise auf diesen Tag vorbereitet waren“, sagt Dr. Alois Moos vom Bischöflichen Ordinariat. Seit dem letzten Rätetag vor einem Monat in Neustadt wurde bereits viele Inhalte und Rückmeldungen veröffentlicht. „Daher sind viele hierher mit genauen Fragen gekommen.“ Allerdings müssen die Referenten auch immer wieder um Verständnis bitten, dass es noch nicht zu allen Sachverhalten Antworten gibt. „Vieles ist noch offen“, sagt Domkapitular Vogelgesang. In seinem Rückblick am Ende des Tages fasst er Gespräche mit Teilnehmern zusammen: „Es war viel, es war harte Kost – vieles wurde noch nicht beantwortet.“ Ohne Zweifel sei es ein reich gefüllter Tag gewesen. „Wir lernen voneinander und wir lernen miteinander, diesen Weg zu gehen. Es ist ein Weg des Dialogs und ein Weg des Glaubens.“

Franz Vogelgesang informierte außerdem darüber, dass es am 27. August, ein weiteres, allerdings eintägiges, Diözesanes Forum geben wird. Das erste dieser Art hatte im November 2010 die neue Pfarreistruktur des Bistum dem Bischof zum Beschluss empfohlen. Die Teilnehmer des Forums hatten sich dafür ausgesprochen, baldmöglichst einen weiteren Termin dafür zu finden.

Weitere Informationen: Die Erträge des Ludwigshafener Rätetages werden in den nächsten Tagen auf der Bistumshomepage auf den Info-Seiten  "Gemeindepastoral 2015" veröffentlicht.

 

Rätetag in Ludwigshafen: Informationen zu den einzelnen Workshops

AG Pastorale Räte

(zu den Präsentationen der Arbeitsgruppen)

Auf Pfarreiebene soll es nach neuesten Ideen einen Pfarrei- und einen Verwaltungsrat geben, auf Gemeindeebene, also in der Stufe darunter, dagegen lediglich den Gemeindeausschuss – in dem dann auch Mitglieder sitzen, die in den Verwaltungsrat der Pfarrei delegiert werden.

Diskutiert wurde die Bezeichnung des „Gemeindeausschusses“ und die Kompetenz dieses Gremiums. Unklar sei, was die Kompetenz dieses örtlichen Ausschusses sein soll, so ein Teilnehmer. Applaus erhielt die harsche Kritik an „Gemeindepastoral 2015“: „Diese Reform wird auf dem Rücken der Ehrenamtlichen ausgetragen.“ Die Befürchtung wurde mehrfach geäußert, dass ehrenamtlich Engagierte mit den künftigen Erfordernissen überfordert werden könnten. „Was tun Sie in der Arbeitsgruppe dafür, dass das Pfarrgemeinderatsamt wieder attraktiver wird?“ lautete eine Frage Richtung Bistum. Eine ganz andere Meinung vertrat ein Besucher des Rätetages - er forderte, sogleich Großpfarreien mit nur einem Pfarreirat und einem Verwaltungsrat zu bilden. „Gehen Sie doch nicht für ein paar Jahre den Umweg über die Gemeindeebene.“ Breite Zustimmung gab es dafür allerdings nicht – „wir wollen soviele Menschen als möglich mitnehmen“, so lautete die Entgegnung aus der Arbeitsgruppe. Bei den Rückmeldungen an die Gruppe appellierte ein Teilnehmer: „Denken Sie an die Menschen bei Ihren Planungen und denken Sie an die Seelsorge.“

Für die PGR/VR-Wahl im November warb Marius Wingerter von der Diözesanstelle der Räte darum, möglichst einen Gemeinsamen Pfarrgemeinderat in der heutigen Pfarreiengemeinschaft zu wählen. „Das kann jetzt ein guter Zwischenschritt zu 2015 sein.“ Kritik fand die geplante Einführung von Gemeindeausschüssen dort, wo bereits heute ein Gemeinsamer Pfarrgemeinderat bestehe. Hier müsse es Sonderregelungen gehen. „Sonst gehen Sie da einen Schritt zurück.“ Was heute gemeinsam geleistet würde, solle nicht wieder auf mehrere Ebenen verteilt werden.


AG Personal-/Teamentwicklung

(zu den Präsentationen der Arbeitsgruppen)

Im Workshop „Personal-/Teamentwicklung“ informierte Domkapitular Josef Damian Szuba über die geplante Neuordnung der Dekanatsstruktur. Es sei eine „Verschlankung“ mit nur noch einer Ebene zwischen Bistum und Pfarrei angedacht. Entscheidungen seien allerdings noch nicht gefallen, betonte Szuba. Im Fokus des Workshops stand zudem die Frage des Wohnorts der kooperierenden Priester. Dieses Thema sei in den Pfarreien mit großen Emotionen verbunden, betonte ein Gemeindevertreter. Man solle keinesfalls alle Seelsorger an einem Ort konzentrieren, weil man so in einem Schritt den Gemeinden zuviel wegnähme. Deshalb sollten Überlegungen, dass ab 2015 sowohl die leitenden Pfarrer als auch die Kooperatoren am Pfarrsitz wohnen sollten, noch einmal überdacht werden.

Nachgefragt wurde der Stellenwert der Jugendarbeit bei der Personalplanung und den neuen Pfarreistrukturen. Hier wäre es denkbar, dass der geplante Dekanatsreferent einen Teil seiner Aufgaben in der Jugendarbeit erhält.

Teilnehmer fragten außerdem nach, ob es nicht sinnvoll sei, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kirchlichen Kindertagesstätten Mitglied im Seelsorgeteam sind. Nötig seien außerdem regelmäßige Fortbildungen für die Personengruppe. Weitere Themen waren unter anderem eine Profilierung des Ständigen Diakonats sowie die Vernetzung von Gemeinde- und Kategorialseelsorge.


AG Standard

(zu den Präsentationen der Arbeitsgruppen)

Kontrovers diskutiert werden immer wieder Sinn und Zweck der Pastoralen Standards. So auch in Ludwigshafen: Diese Standards sollten nicht einengen, sondern eine Förderung der Arbeit darstellen, merkten die Teilnehmer des Tages an. „Grundsätzlich wurde die Idee von Standards allerdings sehr begrüßt“, sagte Gemeindereferentin Sigrid Sandmeier von der Arbeitsgruppe. Gottesdienstort und Gottesdienstzeit sollen nicht von Speyer reglementiert werden, sondern von den Gremien vor Ort entschieden werden. Bei den anstehenden Veränderungen sei die Qualifizierung der Ehrenamtlichen – hierzu solle dazu ebenfalls Standards geben, für welche Tätigkeiten welche Qualifikationen notwendig seien.


AG Pfarrbüro

(zu den Präsentationen der Arbeitsgruppen)

„Das Pfarrbüro der Zukunft wird eine wesentlich größere Bedeutung haben“, stellte Kanzleidirektor Wolfgang Jochim im Workshop „Pfarrbüros“ heraus. Entschieden werden müsse, ob es ein zentrales Pfarrbüro oder mehrere dezentrale Pfarrbüros geben solle. Das Zentralbüro soll in Projektpfarreien erprobt werden. Ob dazu auch die Pfarrsekretärinnen selbst befragt wurden, lautete eine der Nachfragen. Auch die Belastung der Sekretärinnen wurde ins Spiel gebracht. Häufig erfüllten die Frauen fast die ursprünglich angedachte Funktion der pastoralen Ansprechperson.

Angemerkt wurde, dass für die Pfarrsekretärinnen Stellenbeschreibungen erstellt werden müssten. Diese, so Jochim, sollen aus den Aufgabenkatalogen abgeleitet werden. Der Kanzleidirektor versicherte auf Nachfrage aus dem Workshop, dass keine Stellenreduzierungen oder Entlassungen geplant seien, es solle beim derzeitigen Umfang der Stellen bleiben, zumal nicht damit zu rechnen sei, dass es weniger Arbeit gäbe: „An Personalabbau ist nicht gedacht.“

Die Situation vor Ort, z.B. bei „Hochzeitskirchen“ mit Mehraufwand, müsse in die Stundenverteilung mit einbezogen werden – ansonsten sollen aber die Sekretariatsstunden zwischen den Pfarreien vergleichbar sein. Seitens der Teilnehmer wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Beschäftigung mehrerer Sekretärinnen in einem Zentralbüro ein Personalmanagement erforderlich mache.


AG Prinzipien

(zu den Präsentationen der Arbeitsgruppen)

Hauptsächlich um den Praxisbezug ging es in den Rückmeldungen zu den Prinzipien – oder den leitenden Perspektiven, wie „Anwaltschaft“, „Evangelisierung“, „Spiritualität“ und „Weltkirche“ nun bezeichnet werden. „Es fehlt hier die Verbindung zur Praxis“, wurde mehrfach moniert, und auch in Frage gestellt, ob die Perspektiven überhaupt zweckdienlich für die Arbeit vor Ort seien. Nach kurzer Diskussion herrschte jedoch große Zustimmung, dass „Gemeindepastoral 2015“ eine theologische Basis braucht. „Das ist für unsere Arbeit in der Praxis wichtig zu wissen, wo stehen wir, warum machen wir etwas“, betonte eine Ehrenamtliche. Domkapitular Franz Vogelgesang, der Leiter der Gruppe, räumte ein, dass der Praxisbezug derzeit fehle – man sei einfach noch nicht so weit. Geplant ist eine gut verständliche Arbeitshilfe für „Gemeindepastoral 2015“. Ein Teilnehmer mahnte an, dabei auch nicht den vielgescholtenen Zeitgeist zu vergessen und allgemein verständlich zu bleiben: „Bitte nehmen Sie die Menschen mit, statt immer mehr zu verlieren.“

Generelles „Bauchweh“ äußerte ein Teilnehmer, weil die theologische Grundlegung zeitgleich und auf einer Ebene mit strukturellen Fragen verhandelt würde. „Bei den vielen Strukturfragen darf der Inhalt nicht auf der Strecke bleiben, aber vielleicht passiert genau das.“

Neben einer Stärkung der Ökumene, der Jugendarbeit sowie Hilfen für eine  Spiritualität des Alltags wurden auch regelmäßige Messfeiern in jeder Kirche gewünscht, dabei sollten die heutigen Filialgemeinden nicht vergessen werden.


AG Kirchliche Finanzen und Verwaltungsräte

(zu den Präsentationen der Arbeitsgruppen)

Rückfragen gab es seitens der Ratsmitglieder zur Zusammensetzung der künftigen Verwaltungsräte, gehören Pfarrer und andere hauptamtliche Seelsorger dem Gremium an? Hierzu konnten noch keine Antworten gegeben werden. Länger diskutiert wurde die Frage nach der Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Gemeindeausschuss. Welche Vetorechte hat letzterer und – kann er Entscheidungen treffen oder nur beraten in Fragen, die die eigene Gemeinde betreffen. Deutliche Kritik kam von einem Teilnehmer des Rätestages: „Warum gehen wir solche Wege mit so komplizierten Verfahren?“ Der Herr sprach sich für ein Modell aus, das nur eine Kirchenstiftung pro Pfarrei vorsieht und einen Verwaltungsrat, der alles in dieser Pfarrei managt.

Andere Teilnehmer des Rätetages problematisierten die Zusammenarbeit zwischen wohlhabenderen und verschuldeten Gemeinden. Allerdings wurde für solche Fälle vorgeschlagen, dass es einen (freiwilligen) Finanzausgleich zwischen den Gemeinden geben sollte.

Angeregt wurde, das Abschaffen des Kirchenrechner-Postens nochmals zu überdenken: „ Wo sich jemand ehrenamtlich einsetzen will und sich dafür auch eignet, kann man doch das Geld sparen für hauptamtliche Verwaltungskräfte.“ Die Arbeitsgruppe wurde aufgefordert, auch die Eigenbetriebe der heutigen Pfarreien mit in den Blick zu nehmen – z.B. bewirtschaftete Pfarrheime. Hier müsse auch ein Konzept her.

Außerdem tauchte die Frage auf, was mit den heutigen Filialen ist und welchen Status sie künftig haben. Die Filialgemeinden sind Pfarreien zugeordnet, sie haben eine eigene Kirchenstiftung und einen eigenen Verwaltungsrat, aber i.d.R. keinen eigenen Pfarrgemeinderat.

Weitere Informationen: Die Erträge des Ludwigshafener Rätetages werden in den nächsten Tagen auf der Bistumshomepage auf den Info-Seiten "Gemeindepastoral 2015" veröffentlicht.

 


Eindrücke vom Rätetag

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