Gemeindepastoral 2015

Dritter Rätetag: Anregungen und Kritik fließen in Konzept ein

Fast 300 Mitglieder von Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten kamen zum dritten und letzten Rätetag auf den Rosenberg.

„Ihre Anregungen, Vorschläge, Ideen und auch Ihre Kritik fließen in unser Konzept 'Gemeindepastoral 2015' ein.” Das versprach Domkapitular Franz Vogelgesang, Leiter des Seelorgeamtes im Bischöflichen Ordinariat in Speyer, am 16. April beim dritten und letzten so genannten Rätetag auf Maria Rosenberg. Fast 300 Mitglieder aus Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten waren zu dem Informations- und Diskussionstreffen in das Bildungs- und Exerzitienhaius in Waldfischbach-Burgalben gekommen. 

Nachdem die äußeren Strukturen im Zusammenhang mit 2015 feststünden, gehe es jetzt, so Vogelgesang, um Inhalte. Ohne Zweifel befinde sich die Kirche in einer schwierigen Situation – gleichgültig ob man von einer Kirchenkrise, einer Glaubenskrise oder einer Gotteskrise spreche. Der Leiter des Seelsorgeamtes brachte in in diesem Zusammenhang den Begriff einer „Transformationszeit” in die Diskussion ein. Die Kirche befinde sich in einem Wandlungsprozess. Andeutungsweise werde deutlich, welche Gestalt die zukünftige Kirche haben werde. „Was müssen wir tun in Zeiten der Krise, in Zeiten des Wandels?” fragte Domkapitular Vogelgesang in seiner Begrüßung. Dieser Herausforderung müssten sich alle in der ktholischen Kirche stellen – vom Bischof bis zu den Gläubigen und Verantwortlichen in den Gemeinden. Die Rätetage sieht der Leiter des Seelsorgeamtes nicht nur als Informations und Diskussionsforum, sondern auch als  „Tage des Glaubens, die Mut machen wollen, auf Gott zu schauen und die gegenwärtige Situation auch auch als seinen Anruf zu verstehen".

In Maria Rosenberg ging es schwerpunktmäßig um die Themen Pastorale Räte, um kirchliche Finanzen und Verwaltungsräte, um Standards in der kirchlichen Arbeit, um Personal- und Teamentwicklung, um Leitende Perspektiven (Prinzipien) sowie  um die Rolle und die Aufgaben der Pfarrbüros. Die Teilnehnehmer an dem Rätetag hatten in diesen Stunden die Möglichkeit, sich  – je nach Interessenslage – in Workshops genauer über die einzelnen Themen zu informieren sowie ihre Fragen, ihre Anregungen und ihre Kritik an den bisherigen Eckpunkten des Konzeptes zu formulieren. 

Alle Rückmeldungen werden in den nächsten Wochen in den Arbeitsgemeinschaften, die das Konzept „Gemeindepastoral 2015" konkretisieren, aufgearbeitet. Deutlich wurde bei dem letzten Rätetag, dass noch viele Fragen zu klären sind. Projektpfarreien – bisher stehen nach Aussage Vogelgesangs drei fest, wobei er die ausgewählten Modellpfarreien nicht namentlich erwähnte – , die nach den vorläufigen Planungen der „Gemeindepastoral 2015" arbeiten sollen, werden hier sicherlich wichtige Erkenntnisse bringen und zur Klärung mancher Frage im Zusammenhang mit der Umsetzung des Zukunftskonzeptes beitragen.

Was ist Kirche? – Arbeitsgruppe Leitende Perspektiven

Vor allem um „Inhalte”, von denen Domkapitular Franz Vogelgesang in seiner Begrüßung gesprochen hatte, ging es im Workshop Leitende Perspektiven. Zuvor firmierte dieser Bereich unter dem Begriff „Prinzipien”. Von den Teilnehmern am Workshop auf Maria Rosenberg wurde diese begriffliche Akzentverschiebung begrüßt, weil darin „Zukunft mitschwingt”, so eine Äußerung. Bereits bei den Rätetagen in Ludwigshafen und Neustadt war dies ein Thema gewesen.

Das Kapitel „Leitende Perspektiven” ist das Kernstück des Pastoralkonzeptes 2015. Die diözesane Arbeitsgruppe hat den Auftrag, die „Perspektiven” aufgrund der Rückmeldungen zu präzisieren. Sie erarbeitet Vorschläge zur Implementierung, zur Umsetzungsmöglichkeiten des Konzeptes. Soweit sei man jedoch noch nicht, so Dr. Peter Hundertmark von der zuständigen Arbeitsgruppe. Zuerst gehe es um eine „theologische Verortung”, um theologische Grundlagen, die helfen sollen bei der Beantwortung der Frage: Was ist Kirche? Hundertmark verwies in diesem Zusammenhang auf den „Aspekt der Zeit”. Kirche verändere sich, sei auf einem Weg durch die Zeit. Das Konzept „Gemeindepastoral 2015” wolle auf die aktuellen Herausforderungen reagieren.

In der Diskussion wurde diese Überlegung von Teilnehmern nochmals zugespitzt: Was ist Gemeinde? lautete hier die Frage. Und eine Antwort wurde gleich mitgeliefert: Kirche wird in den Gemeinden leben, nicht in Verwaltungsstrukturen. Vor Ort würden die Menschen erreicht. In diesem Zusammenhang wurde von Ratsmitgliedern auch die Frage nach Wortgottesdiensten mit Kommunionfeier aufgeworfen. 

Die gegenwärtige Situation biete auch Chancen, so eine Stimme. Die  Gläubigen in den Gemeinden könnten sich stärker einbringen; das Bewusstsein könne wachsen: „Wir selbst sind Kirche, alles andere ist Organisation”. Jetzt, so ein Vater, gehe es um die Frage, „welche Kirche wir für unsere Kinder aufbauen”. Hat sie zukünftig noch Anziehungskraft für junge Menschen? Und nachdenklich wurde gefragt: Wo geben wir Christen Menschen Hoffnung, wo bleibt unser Zeugnis der Hoffnung? Peter Hundertmark stellte – auch mit Blick auf das Verhältnis von Hauptamtlichen und Laien – klar: Kirche muss eine dienende Kirche sein. Engagierte Laien seien nicht zur Unterstützung der Hauptamtlichen, der Priester, da; das Gegenteil sei der Fall: diese müssten die Menschen in den Gemeinden in ihrem Glauben und ihrem Glaubenszeugnis stärken.

Viele konkrete Themen, Fragen und Anregungen formulierten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an die Adresse der diözesanen Arbeitsgruppe. Kritisch hinterfragt wurde zum Beispiel die Sinnhaftigkeit, das Thema Ökumene aus dem Bereich Leitende Perspektiven auszugrenzen und hierfür eine eigene Arbeitsgruppe zu bilden. Ökumene müsse eine „Querschnittsaufgabe” in allen Bereichen kirchlicher Arbeit und kirchlichen Lebens sein. Angemahnt wurde auch ein Perspektivwechsel weg von einem oben und unten hin zu einem Bewusstsein „Wir sind Kirche”. Und: Wie kann das gemeinsame Priesterum aller Getaufter verdeutlicht werden. Thematisiert wurde auch die Sprache der Kirche, die in der Gesellschaft kaum noch verstanden wird. Und vor allem: Wie kann es gelingen, Glaube und Leben  näher zueinander zu bringen?

Finanzausgleich und Zuschussgerechtigkeit - Arbeitsgruppe Kirchliche Finanzen

Auf großes Interesse stieß auch das Thema Kirchliche Finanzen und Verwaltungsräte. Vor allem Vorsitzende und Mitglieder von Verwaltungsräten  hatten eine Menge Fragen. Pfarrer Steffen Kühn und Joachim Vatter von der zuständigen diözesanen Arbeitsgruppe erläuterten  die geplante Struktur und die Verantwortlichkeiten. Danach bleiben die einzelnen Kirchenstiftungen bestehen, sind aber beim Verwaltungsrat der Pfarrei angesiedelt. Vor Ort soll der Bereich Finanzen zukünftig beim Gemeindeausschuss verortet sein. Im zentralen Verwaltungsrat der Pfarrei sollen jeweils Vertreter aus den einzelnen Gemeinden vertreten sein.  Sie sollen ein Vetorecht haben, wenn es um die Verwendung von Geldern ihrer Gemeinde geht. Außerdem wird es zweckgebundene Rücklagen für die einzelnen Gemeinden geben. Auf jeden Fall wird es eine gemeinsame Rechnungslegung geben.

Eine längere Diskussion gab es um die Zusammensetzung der Verwaltungsräte, in denen jeweils zwei Vertreter aus den einzelnen Gemeinden vertreten sein können. Gleichzeitig soll die Höchstzahl der Mitglieder auf zwölf begrenzt werden. Das würde heißen, dass bei großen Pfarreien kleinere Kirchenstiftungen nur mit einem Vertreter im Verwaltungsrat vertreten sein werden – obwohl sie möglicherweise finanziell sogar besser dastehen als ihre größeren Schwestergemeinden innerhalb ein- und derselben Pfarrei. 

Deutlich wurde, dass bei den Schlüsselzuweisungen und etwa Zuschüssen für Baumaßnahmen  möglicherweise Konfliktfelder liegen. Fragen und Anregungen, die an die diözesane Arbeitsgruppe bzw. die Steuerungsgruppe weitergeben wurden: Wie kann eine „Zuschussgrechtigkeit” gewährleistet werden? Welche Aufgaben könen die bisherigen Kirchenrechner noch haben? Auch bei der Verwaltung der Finanzen sollte das Subsidiaritätsprinzip greifen, so ein Einwurf aus der Diskussionsrunde. Auch über die Größe der Verwaltungsräte sollte neu nachgedacht werden. Angeregt wurde zudem, über einen „Finanzausgleich” zwischen den Pfarreien auf Bistumsebene nachzudenken. Ein Frage auch: Was passiert mit den Schulden, die nicht wenige Kirchenstiftungen haben? Einbezogen werden wollten, so eine Wortmeldung,  die Gremien vor Ort bei der Frage, wie die zukünftige Organisationsstruktur bei der Finanz- und Vermögensverwaltung der Pfarreien aussehen soll – Gründung von sogenanten Redanturen (Einrichtungen für einen Zusammenschluss von Pfarreien bzw. Dekanaten), Abwicklung der Arbeiten bei den Dekanatsbüros, Einstellung von Fachkräften, die dem jeweiligen Pfarrer zugeordnet sind. Bei der Entscheidungsfindung in vielen Fragen, so eine Stimme, könnte auch über Befragungsaktionen in den Gemeinden nachgedacht werden. 

Aufruf zur kommenden PGR-Wahl - Arbeitskreis Pastorale Räte

Marius Wingerter von von der Arbeitsgruppe Pastorale Räte machte in dem von ihm geleiteten Wokshop zuerst deutlich, dass sich bei den im November anstehenden Wahlen zum Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat nichts ändert im Vergleich zu den zurückliegenden Wahlen. Lediglich die wenigen Projektpfarreien wählen, so seine Auskunft,  nach  dem geplanten neuen Verfahren. Das sieht vor, dass die Mitglieder des Pfarreirates (vergleichbar mit dem bisherigen Pfarrgemeinderat oder Hauptausschuss) und des Gemeindeausschusses (Gremium vor Ort in den einzelnen Gemeinden) von den Katholiken direkt gewählt werden. Wingerter rief dazu auf, sich bei den anstehenden Wahlen zu engagieren. Die neuen Gremien hätten die Möglichkeit, den gegenwärtigen Zukunftsprozess mitzugestalten.

Die Gemeindeausschüsse sollen bis zu fünf Mitglieder umfassen, wobei weitere hinzugewählt werden können, was auf Ebene des Pfarreirates nach den bisherigen Planungen nicht möglich ist. Auch die Verwaltungsratsmitglieder sollen in den Gemeindeausschüssen angesiedelt sein. Anmerkung: Im Rahmen der Diskussionen wurde der Vorschlag eingebracht, nicht von Gemeindeausschuss zu sprechen, sondern von Gemeinderat; das bedeute eine Aufwertung des Gremiums.  

Kritische Anmerkungen gab es zu dem geplanten Wahlmodus nach 2015. Wenn die Mitglieder des Pfarreirates oder des gemeinsamen Verwaltungsrates direkt gewählt würden, könne dies zu einer Schieflage führen. Denn bei so großen pastoralen Einheiten könne man unmöglich alle Kandidatinnen und Kandidaten kennen. In den Raum gestellt wurde daher ein Delegationsprinzip, das auch Reibungsverluste vermeiden könne. Denn theoretisch könnten nach dem bisherigen Konzept in Gemeindeausschuss und Pfarreirat uunterschiedliche Personen gewählt werden. Dadurch würden Informations- und Kommunikationsfluss erschwert. Zudem bestehe die Gefahr, dass in die zentralen Gremien zuerst „in der Region bekannte Namen” gewählt würden, und nicht die, die bisher die Arbeit machen. Eine Satzung für die Wahl der Pfarrgemeinderäte und der Verwaltungsräte müsse die Belange der Gemeinden vor Ort berücksichtigen, so wurde im Rahmen des Gespräch in mehreren Wortmeldungen betont. Aufgeworfen wurde auch die Frage, ob es sinnvoll ist, Verwaltungsratsaufgaben in den Gemeindeausschuss einzubinden. Nachgefragt wurde ebenfalls nach einem Vetorecht der Gemeindevertreter im Pfarreirat, wenn es um Belange der Gemeinde vor Ort geht. Deutlich wurde, dass man beim Thema pastoraler Ansprechpartner in den einzelnen Gemeinden noch nicht wirklich weitergekommen ist.

Ähnlich wie im Workshop Leitende Perspektiven ging es um die Frage: Was ist Gemeinde, wie kann sie ausstrahlen in die Gesellschaft. Diskutiert wurde dabei auch über die Planung,  jeder Pfarrei einen neuen Namen zu geben. Geht dabei nicht Identität verloren”, so eine Frage.

Seelsorger von Verwaltung entlasten - Arbeitsgruppe Personal- und Teamentwicklung

Begrüßt wurden die Vorschläge der Arbeitsgruppe Personal- und Teamentwicklung, die den Leitenden Pfarrer und die Pastoralen Mitarbeiter/-innen insgesamt von Verwaltungsaufgaben entlasten sollen. Dazu gehört vor allem der Vorschlag, die mittlere Ebene ­– das Dekanat – neu zu strukturieren.

Im Gespräch während des Workschops auf Maria Rosenberg ging es dann auch um die Mitwirkungsmöglichkeiten der Laien sowie um das Verhältnis zwischen Leitendem Pfarrer und Kooperator. Bei der Frage, wo der Kooperator seinen Sitz haben soll, gingen die die Meinungen, wie bisher schon, auseinander – jeweils mit nachvollziehbaren Argumenten. Nachgefragt wurde  nach den Mitsprachemöglichkeiten der Räte bei Stellenbesetzungen auch im pastoralen Bereich.

Unterstützung, aber bitte keine Einengung - Arbeitsgruppe Pastorale Standards

„Standards” in der seelsorglichen Arbeit – Hilfe oder doch eher Kontrolle. Diese Frage zieht sich seit Monaten durch die Diskussion um dieses Thema. Pfarrer Axel Brecht berichtete für die diözesan Arbeitsgruppe über die Diskussion beim Rätetag. Grundsätzlich wurde aus den Wortmeldungen deutlich, dass Standards notwendig und richtig sind. Gleichzeitig gab es aber auch ganz konkrete Anfragen: Welchen Stellenwert haben Wortgottesdienste? Sollen sie mit einer Kommunionfeier möglich sein. Pfarrer Brecht betonte, hier sei eine theologische Begründung wichtig. Weitere Themen waren die Sonntagspflicht bei veränderten Strukturen und die Rolle der Ehrenamtlichen. Brecht: Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist notwendig und gewollt, und sie muss mehr noch als bisher wertgeschätzt werden. Was sollen Standards, so die Frage, die nicht nur beim Rätetag in Maria Rosenberg gestellt wurde. Es gehe um Lebensnähe, um die Begleitung eines dynamischen Prozesses, so Brecht. Standards wollten dabei „stützen, nicht knechten”.

Keine Kündigungen bei künftigen Büros - Arbeitsgruppe Pfarrbüro

Pfarrbüro – ein Thema das die Gläubigen vor Ort bewegt, weil dies bisher zu ihrem Leben gehörte. Karl- Ludwig Vollweiler  von der zuständigen diözesanen Arbeitsgruppe berichtete  von der Diskussion im  Workschop Pfarrbüro. Es zeichnet sich ab, dass bei der Pfarrei jeweils ein zentrales Pfarrbüro eingerichtet wird, dennoch könne vor Ort ein „abgespecktes” Büro – zumindest stundenweise – erhalten bleiben, das dem zentralen Pfarrbüro zuarbeitet. Aus dem Kreis der Teilnehmer am Rätetag in Maria Rosenberg kam die dringende Bitte, auf betriebsbedingte Kündigungen bei der Neuordnung der Pfarrbüros zu verzichten. 

Zum Abschluss des Rätetages in Maria Rosenberg lud Domkapitular Vogelgesang zum Diözesan-Katholikentag nach Speyer ein (19. Juni), ebenso zur Feier des Domjubiläums (Weihe vor 950 Jahren) im Oktober und der damit verbundenen Wallfahrtswoche. Sein Appell: „Engagieren Sie sich bei den Wahlen zu den Pfarrgemeinderats- und Verwaltungsratswahlen im November. Sorgen Sie für den Schwung, den wir brauchen”, so Vogelgesang.


Eindrücke vom Rätetag

Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken
Vergrößerung durch Anklicken

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anzeige