Im Wortlaut

„Die Kraft aus der Höhe“

Edith Stein in jungen Jahren.

Spirituelle Impulse aus dem Leben und Denken Edith Steins. (12.10.1891-9.8.1942). Vortrag von Dr. Beate Beckmann-Zöller (München) zum Festakt „120. Geburtstag von Edith Stein“ am 12. Oktober 2011 im Kloster St. Magdalena in Speyer.

Wir feiern heute den 120. Geburtstag einer kraftvollen Persönlichkeit, eine vitale und engagierte Frau, die uns Vorbild im Leben und Glauben sein kann. Edith Stein – die Philosophin (1916 bei Edmund Husserl promoviert), Heilige (1998) und Mit-Patronin Europas (1999) wirkte von 1923-1931 hier als Lehrerin in St. Magdalena in Speyer. Sie ist übrigens nach 650 Jahren die erste Deutsche, die für die Weltkirche heilig, nicht nur selig gesprochen wurde (nach Getrud von Helfta). Und zugleich ist Edith Stein seit der Zeit der Apostel die erste Jüdin überhaupt, die in einem offiziellen Verfahren von der Kirche heiliggesprochen wurde.

Obwohl sie wissenschaftlich geprägt war, lebte sie einen einfachen Glauben, der uns in der Situation der Kirche von heute wichtige Impulse geben kann. Ihre spirituelle Suche führte sie vom Judentum über eine atheistische Phase in den lebendigen Glauben als Laien-Christin (11 Jahre lang), später als Ordensfrau (9 Jahre lang). Als aufmerksame Philosophin war sie an politischen Zusammenhängen interessiert: Sie wirkte als Vorkämpferin für Frauenrechte, arbeitete als Sanitäterin im Ersten Weltkrieg und half beim Aufbau der Deutschen Demokratischen Partei (Vorläuferin der FDP), bevor sie erkannte, dass ihre Begabung doch nicht in der konkreten politischen Arbeit lag. Später war sie gerade durch ihre nach innen gerichtete Gottesbeziehung zugleich geistig wach für gesellschaftliche Veränderungen und übernahm politische Verantwortung: Als junge Dozentin in Münster erlebte sie die Machtergreifung Hitlers und durchschaute von Anfang an Hitlers Strategie – worauf sie sich mit ihrer Analyse an Papst Pius XI. wandte und sein Eingreifen forderte. Sie war überzeugt, dass Frauen zwar von Jesus nicht zu Priesterinnen in der Kirche auserwählt seien; sehr wohl habe Gott aber Frauen zu allen Zeiten als Prophetinnen berufen, „als Verkünderinnen seines Willens an Könige und Päpste“ (ESGA 13, 77) – und in diesen Dienst stellte sie sich ausdrücklich selbst.

Dabei war sie sich bewußt, daß sie nicht aus eigener Kraft wirkt – sie spricht von „eine(r) Kraft, die nicht die meine ist“ (PK 73f.) –, sondern aus der „Kraft aus der Höhe“ leben lernen darf. Was ist diese Kraft? Der auferstandene Jesus hatte seine Jünger angewiesen: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.” (Lk 24, 46-49) „Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. […] Euch steht es nicht zu, Zeiten unf Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in gnaz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.” (Apg 1, 4-8) Hier spricht Jesus von keiner unpersönlichen Kraft, sondern von einer Person, die sogar „betrübt“ werden kann (Eph 4, 30). Wie erlebte Edith Stein die „Kraft aus der Höhe“, den Heiligen Geist? Welche Spuren finden wir in ihrem Leben und Denken, die auch unser Leben und Glauben erneuern könnten?

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Sowohl in ihren Briefen als auch in ihren philosophischen Werken verwendet Edith Stein den Begriff „Wiedergeburt“, um ihre Bekehrung hin zu Jesus Christus zu beschreiben. Es ist ein Begriff, der selten im „katholischen Vokabular“ unserer Tage zu finden ist, außer er bezieht sich auf die Reinkarnationslehre des Hinduismus und Buddhismus. Es ist aber ein biblischer Hintergrund, auf den Edith Stein anspielt; es geht darum, in diesem Leben neu geboren zu werden: Der Phärisäer Nikodemus kommt heimlich zu Jesus (Joh 3,1-13) und spricht ihn auf seine göttliche Herkunft an. Jesus fordert ihn im Gegenzug heraus, seine geistliche Sichtweise verändern zu lassen: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. […] Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch: was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“ (Joh 3, 3. 5-6)

Was heißt „aus dem Geist von neuem geboren werden“ für Edith Stein? Sie berichtet lange vor ihrer tatsächlichen Taufe (1.1.1922) schon im Oktober 1918 von ihrer geistigen „Wiedergeburt“. Sie habe sich „mehr und mehr zu einem durchaus positiven Christentum durchgerungen“: „Das hat mich von dem Leben befreit, das mich niedergeworfen hatte und hat mir zugleich die Kraft gegeben, das Leben aufs neue und dankbar wieder aufzunehmen. Von einer ‚Wiedergeburt’ kann ich also in einem tiefsten Sinne sprechen.“ (10.10.1918) Es war für sie ein „Ringen“, sich Jesus Christus als ihrem persönlichen Erlöser anzuvertrauen – es fiel ihr nicht leicht, weder als Intellektueller, noch als Jüdin. Verschiedene Begegnungen mit lebendigen Christen und unterschiedliche Impulse in ihrem Innern führten Edith Stein dazu, dennoch ihr Leben, ihre Wünsche und Pläne Jesus Christus anzuvertrauen.

Es gab für Edith Stein kein plötzliches singuläres Bekehrungserlebnis, sondern ein allmählicher Prozess von „religiösen Erlebnissen“ führte sie zu einer „Wiedergeburt“. Auf einer Besichtigungstour 1916/17 in Frankfurt war Edith Stein beeindruckt von der Alltäglichkeit der Begegung einer Katholikin mit Gott: „Wir traten für einige Minuten in den [Frankfurter] Dom, und während wir in ehrfürchtigem Schweigen dort verweilten, kam eine Frau mit ihrem Marktkorb herein und kniete zu einem kurzen Gebet in einer Bank nieder. Das war für mich etwas ganz Neues. In die Synagogen und in die protestantischen Kirchen, die ich besucht hatte, ging man nur zum Gottesdienst. Hier aber kam jemand mitten aus den Werktagsgeschäften in die menschenleere Kirche wie zu einem vertrauten Gespräch. Das habe ich nie vergessen können.“ Es berührte sie, dass Menschen zu jeder Zeit auch im Alltag Halt in der lebendigen Beziehung zu Gott finden.

Im Februar 1917 freute sie sich, dass auch ihr Freund Roman Ingarden auf religiöse Probleme gestoßen sei. Sie selbst „rennt an allen Ecken und Enden“ an Metaphysik und an religiöse Erlebnisse, schrieb sie ihm am 20.2.1917, während ihrer Arbeit an der Analyse von „Psychischer Kausalität“ , zu der sie – auch in detallierter Selbstbeobachtung – seelische und geistige Vorgänge beschrieb.

Im Herbst 1917 wurde sie dann überrascht vom Tod ihres engen Freundes und Mentors Adolf Reinach (16.11.1917), den sie selbst als Auslöser für eine „lange vorbereitete Krise“, bezeichnete. Schmerzliche Erlebnisse können Menschen für den Glauben ebenso verschließen wie auch neu öffnen – eine Sache der Freiheit des Menschen.

Edith Stein fand in Dr. Anne Reinach (Physikerin) eine glaubwürdige Zeugin für die Hoffnung auf Auferstehung, da sie den Verlust ihres Mannes so übernatürlich getröstet auf sich nahm. Anne Reinach hatte sich zusammen mit ihrem Mann im Jahr zuvor taufen lassen, nachdem Adolf Reinach im Krieg intensive religiöse Erlebnisse hatte. Der „Hoffnungsfunke“ sprang aus der Begegnung mit Anne Reinach auf Edith Stein über, und so konnte sie im Mai 1918 schreiben: „Und dann habe ich einen Stützpunkt gefunden, der mich bis zu einem gewissen Grade von allen äußeren Bedingungen und Erschütterungen unabhängig macht.“

Zur selben Zeit (1916-1919) traf sich Edith Stein in Freiburg mehrmals mit einer Katholikin, Philomene Steiger (1896-1985) , die ihr empfahl, nicht weiter nach Wissen über den Glauben, sondern den Glauben selbst zu suchen, mit Hilfe der Person des Heiligen Geistes. Die Glaubwürdigkeit des Berichtes von Philomene Steiger (Interview von Elisabeth Otto, Welt – Person – Gott. Eine Untersuchung zur theologischen Grundlage der Mystik bei Edith Stein, Vallendar 1990, S. 183f.) wird von Andreas Uwe Müller und P. Ulrich Dobhan aufgrund eines negativen Leumunds angezweifelt. Selbst wenn Frau Steiger sich später dieses Gespräch mit Edith Stein ausgedacht hätte – das ist selbstverständlich weder nachzuprüfen noch auszuschließen, da ihre Aussage nicht in den Seligsprechungsakten aufgeführt wird – ist dennoch ihre Aufforderung, den Heiligen Geist einzuladen, ein wichtiges sachliches Element auf dem Weg Edith Steins zum Glauben. Leider reflektiert Stein selbst diese Begegnung nicht.

„Sie [Edith Stein] fragte mich [Philomene Steiger] immer wieder, dann sagte ich zu ihr: ‚Sie sind keine Atheistin, Sie sind eine Suchende. Nicht Wissen, sondern Glauben allein kann Ihnen helfen. Fangen Sie an zu beten zum Heiligen Geist. Ich habe am Firmtag den Heiligen Geist zu meinem Lebensfreund erwählt und bete täglich: Komm, Heiliger Geist, herab zu mir, erleuchte mich, ich folge dir. Amen. Tun Sie das, und Sie werden im Heiligen Geist glauben lernen und Jesus als den Messias anerkennen und lieben lernen.’ [...Edith Stein fragte:] ‚Was nennen Sie glauben?’ Ich gab ihr zur Antwort: ‚Glauben ist nicht Wissen, sondern die demütige Annahme der von Gott geoffenbarten Wahrheit. Beten Sie, Frl. Stein, zum Heiligen Geist.’ Sie sagte: ‚Beten Sie mir vor.’ Mir fiel ein, um die sieben Gaben zu beten. Sie faltete die Hände zusammen. Ich gab ihr den Rat, täglich zu sagen: ‚Komm, Heiliger Geist, herab zu mir, erleuchte mich, ich folge dir.’“

Es ist bemerkenswert, daß eine Katholikin die am stärksten vernachlässigte Person der Dreieinigkeit, den Heiligen Geist, derart zu schätzen weiß. Über den Heiligen Geist – über die Wiedergeburt oder Taufe im Heiligen Geist – erhalten wir die persönliche Beziehung zu Gott, unserem Vater und können Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser bekennen und lieben. Er ist der Tröster, d.h. durch ihn werden wir mit Gefühlserlebnissen versorgt, die uns die Nähe Gottes suchen und lieben lassen. Vor allem als „Kraftzufuhr“ hat sie

das Wirken des Geistes Gottes erlebt, aber auch in Erlebnissen der „Geborgenheit“ hat sie existenziell erfahren, dass der Auferstandene heute handelt.

Parallel zu ihren innerlichen und biographischen Erlebnissen reflektiert Edith Stein in ihren philosophischen Werken Grenz-Erlebnisse, die Auslöser für ihre Wiedergeburt gewesen sein könnten. Aufgrund von Erlebnissen, die sie ans Ende aller Kräfte führten – heute würde man das einen „Burn-out“ nennen – öffnete sich Edith Stein für eine neue Kraftzufuhr und erlebte sich auf geheimnisvolle Weise geborgen: „Es gibt einen Zustand des Ruhens in Gott, der völligen Entspannung aller geistigen Tätigkeit, in dem man keinerlei Pläne macht, keine Entschlüsse fasst und erst recht nicht handelt, sondern alles Künftige dem göttlichen Willen anheimstellt, sich gänzlich ‚dem Schicksal überlässt’. Dieser Zustand ist mir etwa zuteil geworden, nachdem ein Erlebnis, das meine Kräfte überstieg, meine geistige Lebenskraft völlig aufgezehrt und mich aller Aktivität beraubt hat. Das Ruhen in Gott ist gegenüber dem Versagen der Aktivität aus Mangel an Lebenskraft etwas völlig Neues und Eigenartiges. Jenes war Totenstille. An ihre Stelle tritt nun das Gefühl des Geborgenseins, des aller Sorge und Verantwortung und Verpflichtung zum Handeln Enthobenseins. Und indem ich mich diesem Gefühl hingebe, beginnt nach und nach neues Leben mich zu erfüllen und mich – ohne alle willentliche Anspannung – zu neuer Betätigung zu treiben. Dieser belebende Zustrom erscheint als Ausfluß einer Tätigkeit und einer Kraft, die nicht die meine ist und, ohne an die meine irgendwelche Anforderungen zu stellen, in mir wirksam sind. Einzige Voraussetzung für solche geistige Wiedergeburt scheint eine gewisse Aufnahmefähigkeit zu sein, wie sie in der dem psychischen Mechanismus enthobenen Struktur der Person gründet.“ (PK 73f.) Edith Stein hatte diese „gewisse Aufnahmefähigkeit“, sie war offen für die neue göttliche Kraftquelle, die Jesus seinen Jüngern zu Christi Himmelfahrt verheißen und zu Pfingsten geschenkt hat: „Wartet auf [...] die Kraft des Heiligen Geistes“ (Apg 1,4-8).

Eine Begleiterscheinung der Wiedergeburt im Heiligen Geist war für Edith Stein das Gefühlserlebnis der Geborgenheit: „In dem Gefühl der Geborgenheit, das uns oft gerade in ‚verzweifelter’ Lage ergreift, wenn unser Verstand keinen möglichen Ausweg mehr sieht und wenn wir auf der ganzen Welt keinen Menschen mehr wissen, der den Willen oder die Macht hätte, uns zu raten und zu helfen, in diesem Gefühl der Geborgenheit werden wir uns [sic!] der Existenz einer geistigen Macht inne, die uns keine äußere Erfahrung lehrt. Wir wissen nicht, was weiter aus uns werden soll, vor uns scheint ein Abgrund zu gähnen und das Leben reißt uns unerbittlich hinein, denn es geht vorwärts und duldet keinen Schritt zurück; aber indem wir zu stürzen meinen, fühlen wir uns ‚in Gottes Hand’, die uns trägt und nicht fallen lässt. Und nicht nur seine Existenz wird uns in solchem Erleben offenbar, auch was er ist, sein Wesen, wird in seinen letzten Ausstrahlungen sichtbar: die Kraft, die uns stützt, wo alle Menschenkräfte versagen, die uns neues Leben schenkt, wenn wir innerlich erstorben zu sein meinen, die unseren Willen stählt, wenn er zu erlahmen droht – diese Kraft gehört einem allmächtigen Wesen. Das Vertrauen, das uns einen Sinn unseres Lebens annehmen lässt, auch wo menschlicher Verstand ihn nicht zu enträtseln vermag, lehrt uns seine Weisheit kennen. Und die Zuversicht, dass dieser Sinn ein Heilssinn ist, dass alles, auch das Schwerste, letzten Endes doch unserem Heil dient, und ferner, dass dieses höchste Wesen sich unser noch erbarmt, wenn die Menschen uns aufgeben, dass es keine schlechthinnige Verworfenheit kennt, dies alles zeigt uns seine Allgüte.“ (Einführung in die Philosophie, 171f.)

Dieses religiöse Erlebnis, das Edith Stein als ein von Gott geschenktes Erlebnis versteht, bleibt kein isoliertes „gutes Gefühl“, sondern setzt einen Veränderungsprozess in Gang, der das Individuum zwar verwandelt, aber nicht vereinzelt, sondern auf Gott und die Gemeinschaft der Jesus-Nachfolger ausrichtet.

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Bischöfe: Dialog über Zukunft der Kirche erfolgreich gestartet

Die katholische Kirche in Deutschland steht nach Ansicht von Bischöfen und Laien vor einem Neuanfang. Er stelle eine "neue Kommunikations- und Sprachfähigkeit" in der Kirche fest, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Mannheim. Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sprach von Zuversicht, mahnte aber zugleich konkrete Reformschritte an.

Zollitsch und Glück äußerten sich zum Abschluss eines zweitägigen Treffens in Mannheim mit dem Titel "Im Heute glauben". Dazu kamen auf Einladung der Bischofskonferenz rund 300 Vertreter aus Diözesen, Orden, Hochschulen und Verbänden zusammen. Mit der Konferenz wurde der von den Bischöfen ausgerufene Dialog zur Zukunft der Kirche offiziell gestartet. Die zunächst bis 2015 angelegte Initiative soll ein Jahr nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnnen und Perspektiven für die Kirche von morgen entwickeln.

Er erwarte, dass der Dialog bereits in den ersten beiden Jahren konkrete Früchte trage, sagte ZDK-Chef Glück der KNA. Eine "Kultur der Folgenlosigkeit" dürfe nicht um sich greifen. Ähnlich äußerte sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). "Für uns ist ganz wichtig, dass dieser Auftakt ein Auftakt zu weiteren Gesprächen ist, denen irgendwann auch Ergebnisse folgen", sagte die Vorsitzende des größten katholischen Einzelverbandes in Deutschland, Maria Theresia Opladen.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) forderte, Laien künftig stärker in die Planungen der Gespräche einzubeziehen. Als "Wasser im Wein" bezeichnete der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler die Tatsache, dass nur etwa die Hälfte aller Ortsbischöfe in Deutschland an dem Mannheimer Treffen teilnahmen.

Vorbereitet worden war die Auftaktveranstaltung von einer Steuerungsgruppe, der außer Zollitsch auch die Bischöfe Franz-Josef Overbeck (Essen), Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Kardinal Reinhard Marx (München) sowie der Sekretär der Bischofskonferenz, der Jesuitenpater Hans Langendörfer, angehören. Es handelte sich um das größte Treffen dieser Art in Deutschland seit der Würzburger Synode (1972-1975).

Marx betonte, die Bischöfe nähmen die Sorgen und Nöte der Teilnehmer ernst. "Wir wollen den Weg weitergehen", so der Münchner Kardinal. Er sprach sich dafür aus, ein "Element der Kontinuität" in den Dialogprozess mit aufzunehmen und ein Gesprächsforum wie das von Mannheim in ähnlicher Form im kommenden Jahr erneut zu organisieren.

Bode bezeichnete den Dialogauftakt als stilbildend. Der "Grundwasserspiegel des Vertrauens" habe sich gehoben. Auf dieser Basis könnten Bischöfe und Laien gemeinsam auch schwierige Fragen angehen. Overbeck wandte sich gegen Stimmen, die den Dialogprozess im Vorfeld als deutschen Sonderweg kritisiert hatten, der die Kirche zu spalten drohe. "Es gibt keinen Grund, eine schismatische Kirche zu diagnostizieren". Auch Langendörfer zog ein positives Fazit des Treffens in Mannheim. "Es ist gelungen, die ganze Breite des Glaubens zusammenzubringen."

Die deutschen Bischöfe wollen laut Angaben von Zollitsch bei ihrer nächsten Herbstvollversammlung die Ergebnisse des Treffens beraten. Bereits vorher - Mitte August - wird die Steuerungsgruppe Papst Benedikt XVI. über einen ersten Zwischenstand informieren. Außerdem können sich Interessierte auf der Homepage der Bischofskonferenz ab sofort über die neuesten Entwicklungen im Dialogprozess auf dem Laufenden halten.

Eine Videosequenz zum Auftakt des Dialogprozesses in Mannheim finden Sie hier auf der Seite der Bischofskonferenz.

Alois Glück: "Keine Kultur der Folgenlosigkeit"

ZdK-Präsident Alois Glück beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München (2010). Foto: ÖKT

Welche Richtung nimmt der von den deutschen Bischöfen angestoßene Dialog zur Zukunft der katholischen Kirche? Erste Antworten auf diese Frage lieferte die Auftaktveranstaltung "Im Heute glauben", die am 9. Juli in Mannheim zuende ging. Im Interview mit Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) schildert der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, seine Eindrücke.

KNA: Herr Glück, sind Sie als Chef des höchsten Laiengremiums der deutschen Katholiken zufrieden mit dem Auftakt der Dialoginitiative?
Glück: Ich bin sehr froh über diesen Start. Wir haben insgesamt ernsthafte Diskussionen mit Tiefgang geführt, ohne einander anzuklagen. Für mich war außerdem überraschend, welche große Übereinstimmung bei der Situationsanalyse und bei den daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen herrschte - gerade auch im Hinblick auf notwendige Veränderungen. Darüber hinaus ging von diesem Auftakt aus meiner Sicht noch eine weitere Botschaft aus.

KNA: Welche?
Glück: Dass alle diese Themen wie etwa eine stärkere Beteiligung von Laien nicht nur das Anliegen von irgendwelchen Unzufriedenen in der Kirche oder von Verbandsvertretern sind. Sondern, dass dieser Dialog eine gemeinsame Aufgabe, ein gemeinsames Projekt der katholischen Kirche in Deutschland darstellt. Das sollte eigentlich auch eine Beruhigung und Ermutigung für diejenigen sein, die gerade in Leitungsfunktionen Angst haben, dass dieser Dialog nicht mehr kontrollierbar wird.

KNA: Könnte es aber nicht sein, dass genau dies passiert, wenn sich nicht sehr bald schon konkret etwas bewegt?
Glück: Wenn in den nächsten zwei Jahren nichts sichtbar wird an einer anderen Qualität kirchlichen Lebens, an einem anderen Erscheinungsbild von Kirche, dann werden wir in der Tat eine große Welle der Frustration und Enttäuschung erleben. Es gibt nach wie vor eine große Befürchtung, dass sich nichts ändert, dass eine Kultur der Folgenlosigkeit um sich greift. Dabei gibt es ein unwahrscheinliches Potenzial, dass nur darauf wartet, nutzbar gemacht zu werden.

KNA: Was stimmt Sie so zuversichtlich, dass es diesmal zu einem neuen Aufbruch kommt?
Glück: Die Erschütterungen des Jahres 2010 haben die Situation der Kirche in Deutschland nach innen und nach außen verändert. Es zeigt sich schon jetzt: Fragen, die man 20, 30 oder mehr Jahre tabuisiert hat, lassen sich nicht mehr einfach wegdrücken. Von daher ist eine neue Chance da - allerdings keine Sicherheit, dass der Umschwung auch tatsächlich gelingt.

KNA: Manche Stimmen plädieren für eine geistliche Rückbesinnung, anstatt über Strukturen zu diskutieren, die Deutschland ohnehin nicht ohne Rom lösen kann.
Glück: Erstens gibt es sehr viele Dinge, die man hier auf den Weg bringen könnte ohne eine Änderung des Kirchenrechts, etwa alle Fragen einer gemeinsamen Kultur der Verantwortung bis hin zu der Beauftragung von Laien in Führungs- und Leitungsaufgaben. Zweitens halte ich es für falsch, zwischen einer Vertiefung des Glaubens und einer Veränderung von Strukturen zu trennen. Nur mit neuen Strukturen wird nichts oder nur wenig besser. Aber auf der anderen Seite ist eine reine Verinnerlichung ohne eine Veränderung von Strukturen auch nicht der richtige Weg. Schließlich erleben die Menschen Kirche so, wie sie verfasst ist. Beides gegeneinander auszuspielen, wäre fatal. (Interview: KNA)

 

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Gesprächsprozess: Ansprachen und Teilnehmer

2011-07-08_Begruessung-Zollitsch-Gespraechsprozess.pdf

Begrüßungsworte von Erzbischof Zollitsch

2011-07-08_Einfuehrung-Overbeck-Gespraechsprozess.pdf

Einführung von Bischof Overkamp

Mannheim_Teilnehmerliste_A-Z.pdf

Teilnehmerliste des Mannheimer Gesprächs

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Langer Atem - konkrete Schritte: Stimmen zum Dialogprozess

In Mannheim haben an dem Treffen "Im Heute glauben" zur Zukunft der Kirche in Deutschland rund 300 Vertreter des kirchlichen Lebens teilgenommen. Die Katholische Nachrichten-Agentur hat Statements von einzelnen Teilnehmern zusammengestellt.

"Wir brauchen den langen Atem. Denn es geht ja um sehr wichtige, entscheidende Dinge. Und da müssen wir uns diese Zeit nehmen. Solche Fragen löst man nicht mit einem Schnellschuss."
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

"Wenn in den nächsten zwei Jahren nichts sichtbar wird an einer anderen Qualität kirchlichen Lebens, an einem anderen Erscheinungsbild von Kirche, dann werden wir in der Tat eine große Welle der Frustration und Enttäuschung erleben."
Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück.

"Wir wollen den Weg weitergehen"
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, Mitglied der von den Bischöfen eingesetzten "Steuerungsgruppe" für den Dialogprozess.

"Viele der vorgebrachten Thesen sind jedenfalls eindeutig nicht mit der Lehrmeinung der katholischen Kirche zu vereinbaren. Ergo ist die angestrebte (gewünschte?) Veränderung der deutschen Kirche ein eigenständiger Weg, welcher bei konkreter Umsetzung dann nur noch mit dem bösen Wort 'Schisma' umschrieben werden kann."
Bernhard Luthe von "Deutschland pro Papa"

"Es gibt keinen Grund, eine schismatische Kirche zu diagnostizieren".
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, Mitglied der von den Bischöfen eingesetzten "Steuerungsgruppe" für den Dialogprozess.

"Es gab ein Miteinander aller, ob Priester, Bischöfe oder Laien. Das war wichtig als erster Schritt."
Karin Kortmann, Mitverfasserin eines ZdK-Papiers für eine stärkere Rolle von Frauen in der Kirche

"Wir sind mit großen Erwartungen gekommen. Und unsere Erwartungen sind nicht enttäuscht worden." 
Maria Theresia Opladen, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

"Ich nehme die Zuversicht mit, dass wir uns bei aller Differenz miteinander austauschen und um eine gemeinsame Linie ringen können."
Weihbischof Manfred Grothe, Paderborn 

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