Im Wortlaut

Ansprache des zukünftigen Papstes vor der Konklave

Kardinal Bergoglio – heute Papst Franziskus. Bild: dapd

Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, veröffentlichte in seiner Diözesanzeitschrift ‚Palabra Nueva’ mit der Genehmigung des Papstes die Ansprache, die dieser vor dem Konklave in der Generalkongregation gehalten hatte.

Viele Kardinäle hatten davon gesprochen, dass diese sie sehr beeindruckt habe, nun liegt der Text auch veröffentlicht vor. Die Worte des damaligen Kardinals Jorge Mario Bergoglio:

Ich habe Bezug genommen auf die Evangelisierung. Sie ist der Daseinsgrund der Kirche. Es ist die „süße, tröstende Freude, das Evangelium zu verkünden“ (Paul VI.). Es ist Jesus Christus selbst, der uns von innen her dazu antreibt.
1. Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht. Sie ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.
2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus.
In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen. Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten.
3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das „Geheimnis des Lichts“ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der „geistlichen Mondänität“ Raum (nach Worten de Lubacs das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern.
4. Was den nächsten Papst angeht: (Es soll ein Mann sein) der aus der Betrachtung Jesu Christi und aus der Anbetung Jesu Christi der Kirche hilft, an die existenziellen Enden der Erde zu gehen, der ihr hilft, die fruchtbare Mutter zu sein, die aus der „süßen und tröstenden Freude der Verkündigung“ lebt.
Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das „Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet“; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.
Dies muss ein Licht auf die möglichen Veränderungen und Reformen werfen, die  notwendig sind für die Rettung der Seelen.

Die Übersetzung stammt von der KNA.

Auferstehung, das ist der Sieg des Lebens rundum

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann.

Gedanken zum Osterfest – Von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Schwestern und Brüder!


Dieser Winter, so der Deutsche Wetterdienst – war der „dunkelste seit Beginn der Messung 1951“. Allerdings machten die Wetterfrösche auch Mut mit der Prognose, dass es für Ostern eine größere Chance auf besseres Wetter geben könnte. Wie es auch kommen mag, die Sehnsucht nach Licht und Wärme, das Erwarten des lebendigen Aufbruchs der Natur nach der Winterstarre ist in diesem Jahr bei uns allen besonders groß.
Diese österliche Frühlingserfahrung hat Johann Wolfgang von Goethe in seinem Faust im „Osterspaziergang“ trefflich formuliert:
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick / Im Tale grünet Hoffnungsglück / Der alte Winter, in seiner Schwäche / Zog sich in rauhe Berge zurück.
Wir Christen verbinden mit Ostern aber mehr als die ersten Frühlingsgrüße der Sonne. Es ist das Hochfest des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu und damit die große Feier und der Ausdruck unserer begründeten Hoffnung auf die Fülle eines Lebens, das sich stärker als die Nacht des Todes erweist. Hoffnung grünt in diesen Tagen nicht nur in der Natur, sondern soll und will in uns aufbrechen. Ja, sie will uns zum Aufbruch bewegen. Dieses Hinausdrängen des Menschen ins Leben verbindet auch Goethe mit dem christlichen Fest:
Aus dem hohlen finstern Tor / Dringt ein buntes Gewimmel hervor. / Jeder sonnt sich heute so gern. / Sie feiern die Auferstehung des Herrn. / Denn sie sind selber auferstanden:  / Aus niedriger Häuser dumpfen  Gemächern, / Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, / Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, / Aus der Straßen quetschender Enge, / Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht / Sind sie alle ans Licht gebracht.
Als Kirche sind wir Gott gegenüber dankbar, dass er uns gerade pünktlich zum höchsten Feiertag der Christenheit einen neuen Papst geschenkt hat. Und es ist sicherlich nicht übertrieben festzustellen, dass mit unserem Papst Franziskus gewissermaßen ein Frühlingshauch durch die Kirche, ja durch unzählige Menschen in der ganzen Welt geht. Der neue Papst hat mit seiner Art, mit den ersten Gesten und Worten die Herzen vieler Menschen berührt durch seine demütige Schlichtheit und gütige Offenheit – und nicht zuletzt durch den Namen, den er als Papst angenommen hat: Franziskus nach dem heiligen Franz von Assisi.
Es ist ein Zeichen des lebendigen Geistes Gottes, dass er Menschen mit ganz unterschiedlichen Charismen beruft, auf ihre je eigene Weise Zeugnis vom christlichen Glauben an die Auferstehung zu geben. Und das trifft eben auch auf den Bischof von Rom zu.  Für mich persönlich war es dann auch sehr beeindruckend und ermutigend, dass Papst Franziskus bei seinem ersten öffentlichen Auftreten auf der Loggia des Petersdomes nicht nur die Gläubigen um das Gebet für ihn als den neuen Heiligen Vater gebeten, sondern auch sofort Papst Benedikt in sein Gebet eingeschlossen hat.
Ich möchte daher heute den Blick auf einen Aspekt richten, den Papst Franziskus und Papst Benedikt in ihrer Sorge um das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen verbindet. Es ist die Achtung vor dem, was uns in natürlicher Weise gegeben ist; vor dem, was in einer zunehmend künstlichen und technisierten Welt aus dem Blick zu geraten droht. Ich meine den Menschen selbst als Geschöpf Gottes und seine Umwelt, die ganze Schöpfung also, die ihm anvertraut ist.
Vom heiligen Franziskus, dem Namensgeber des Heiligen Vaters, kennen wir insbesondere den „Sonnengesang“, jenes großartige Loblied auf die Schönheit der Schöpfung und die Größe des Schöpfers. Alles Irdische, Geschaffene wird im Lobpreis des Schöpfers miteinander verbunden zu einer Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, selbst der „Bruder Tod“. Dieser großartige Gesang ist keine Naturromantik. Franziskus hat ihn wohl in seinem letzten Lebensjahr angesichts des nahenden Todes vollendet. Was er beschreibt, ist eine von der Auferstehungskraft durch und durch erleuchtete Natur, die in der Kraft dieser Hoffnung auch das Schwere und Lastende, das Dunkel des Lebens zu tragen vermag.
In seiner ersten großen Predigt bei der Amtseinführung am Hochfest des heiligen Josef hat Papst Franziskus diesen Gedanken einer Solidarität der ganzen Schöpfung, auch und gerade in und mit den Leidenden, den Armen, den Gequälten unter dem Begriff des „Hütens“ zusammengefasst, als er sagte: „Die Berufung zum Hüten geht jedoch nicht nur uns Christen an; sie hat eine Dimension, die vorausgeht und die einfach menschlich ist, die alle betrifft. Sie besteht darin, die gesamte Schöpfung, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren, … Sie besteht darin, Achtung zu haben vor jedem Geschöpf Gottes und vor der Umwelt, in der wir leben. Die Menschen zu hüten, sich um alle zu kümmern, um jeden Einzelnen, mit Liebe.“
Ich musste bei diesen Worten gleich an die viel beachtete Rede von Papst Benedikt denken, die er am 22. September 2011 bei seiner Reise nach Deutschland vor den Mitgliedern des Deutschen Bundestages gehalten hat. Er erinnerte dabei an die in den 1970er Jahren in Deutschland aufstrebende ökologische Bewegung und machte  deutlich, es sei damals bewusst geworden, „dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt.“ Benedikt hat jedoch, wie Papst Franziskus vor wenigen Tagen, den Blick geweitet, und nicht nur von der nichtmenschlichen Natur und Umwelt, sondern von einer „Ökologie des Menschen“ gesprochen: „Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. … Der Mensch macht sich nicht selbst.“ Gerade deshalb ist er in besonderer Weise für die ganze Schöpfung und für seine Mitmenschen als Brüder und Schwestern mitverantwortlich.
Zur Bewahrung der Schöpfung gehören also nicht nur die Sorge um Nachhaltigkeit oder ein schonender Umgang mit knappen Ressourcen. Vielmehr gehört es ganz vornehmlich dazu, sich um den Menschen zu kümmern, „besonders um die Kinder, die alten Menschen, um die, welche schwächer sind und oft in unserem Herzen an den Rand gedrängt werden,“ so Franziskus bei seiner Amtseinführung.
Ostern, das Fest der Erlösung aus der Hoffnungslosigkeit der Todesnacht, lädt uns ein, dem liebenden Blick unseres Papstes auf die ganze Schöpfung und auf alle Menschen guten Willens zu folgen und im Kleinen wie im Großen Zeichen der Hoffnung des Lebens gegen die zerstörerischen Kräfte des Todes zu setzen. Und so mahnt uns der Papst: „Und wenn der Mensch dieser Verantwortung nicht nachkommt, wenn wir uns nicht um die Schöpfung und um die Mitmenschen kümmern, dann gewinnt die Zerstörung Raum, und das Herz verdorrt.“
Wir dürfen hier auch an die zweite Enzyklika Papst Benedikts „Spe Salvi“ erinnern, die den großen Gedanken der christlichen Hoffnung ausgelegt hat, auf die hin, wie Paulus im Römerbrief sagt, wir gerettet sind. Und auch hieran knüpfte Papst Franziskus in seiner Antrittspredigt an: „Die Schöpfung zu bewahren, jeden Mann und jede Frau zu behüten mit einem Blick voller Zärtlichkeit und Liebe, bedeutet den Horizont der Hoffnung zu öffnen, bedeutet all die Wolken aufzureißen für einen Lichtstrahl, bedeutet, die Wärme der Hoffnung zu bringen.“
So können wir gewissermaßen mit Papst Benedikt im Rücken, Papst Franziskus an der Seite und Jesus Christus selbst vor Augen dieses Osterfest als ein besonderes Fest der Freude und der Hoffnung feiern, an der wir durch die Auferstehung des Herrn teilhaben dürfen. Dieses „Hoffnungsglück“, um Goethe noch einmal zu zitieren, möge wie ein Licht und Wärme spendender Frühlingshauch als neue Lebenskraft durch die Kirche, durch unsere Gemeinden und Familien, durch alle Menschen guten Willens, ja, durch die ganze Schöpfung ziehen. Das wünscht Ihnen allen zum diesjährigen Osterfest von Herzen, verbunden mit dem Segen des dreifaltigen Gottes,

Ihr Bischof
Karl-Heinz Wiesemann.

Die Kirchenkrise zwingt zur Umkehr

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann.

Predigt von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann am Nardini-Gedenktag 27. Januar 2013 im Dom zu Speyer.

Liebe Schwestern und Brüder!
Im vergangenen Jahr haben wir den 150. Todestag des seligen Paul Josef Nardini begehen dürfen. Dankbar durften wir uns an einen herausragenden Pfarrer und Pionier des sozialen Einsatzes der Kirche auf Seiten der Armen und Notleidenden in den Umbrüchen und himmelschreienden Ungerechtigkeiten des 19. Jahrhunderts erinnern. Er selbst hat öffentlich bezeugt, dass er an seinem Wirkungsort Pirmasens „nie glücklich und zufrieden leben (könne), wenn er sich nicht sagen könnte, das Seinige nach möglichster Kraft zur Linderung der Armut beigetragen zu haben.“ Nardini hat sich mit der ganzen Kraft seines Lebens für die Menschen vor Ort in ihren Lebensumständen eingesetzt. Und die Quelle für diese Hingabe, die von ihm alles abverlangt hat, fand er in seinem tiefen Glauben an Jesus Christus. Christus, so schreibt Nardini schon als junger Mann, ist „der Brennpunkt meines Lebens.“

In diesem Jahr dürfen wir in unserem Bistum eines weiteren sozialen Pioniers mit ausstrahlender Kraft weit über die Grenzen unseres Bistums gedenken. Am nächsten Samstag, dem Lichtmesstag, feiern wir in Herxheim den 150. Geburtstag von Jakob Friedrich Bussereau, einem Priester unseres Bistums, der zu den gesellschaftlichen Vorreitern insbesondere in der Behindertenarbeit gehört. Auch er ist wie Nardini Ordensgründer. Die Paulusbrüder und Paulusschwestern haben bis heute sehr viel im Einsatz für die Würde der Menschen geleistet. Busserau schreibt an einer Stelle: „Es schien mir die schönste und würdigste Aufgabe zu sein, als Priester ein Vater der Armen, Kranken und Waisen zu werden.“

Nardini und Bussereau – das sind zwei herausragende geistliche Persönlichkeiten und Seelsorger unseres Bistums, die stellvertretend für so viele stehen, die sich bis heute abmühen und ihre Lebenskraft einsetzen aus dem Glauben an Jesus Christus, der sich in den Hilfebedürftigen und Notleidenden zu erkennen gibt. Ich erinnere an den Dienst der vielen Schwestern in unseren Gemeinden, der nun auf Grund des Nachwuchsmangels in den Orden deutlich zurückgeht – aber der doch nicht vergessen werden darf: Kranken- und Gemeindeschwestern, die unermüdlich den Menschen beigestanden haben und noch beistehen, die in unseren Kindergärten Generationen von Kindern aus allen sozialen Schichten geprägt und fürs Leben ertüchtigt haben. Und auch heute leisten unsere karitativen Hilfsdienste in vielen sozialen Bereichen, unsere ökumenischen Sozialstationen und gemeinschaftlichen Einrichtungen, häufig ganz still und treu, Unermessliches für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und sind ganz nahe bei den Menschen in ihren Nöten. Unsere katholischen Kindertagestätten sind uns sehr wichtig, denn hier werden wir mit der Situation der Kinder in unserer Gesellschaft, der Familien und der Alleinerziehenden mit ihren Herausforderungen und Nöten konfrontiert. Hier wird an vielen Orten über die reine pädagogische Arbeit mit den Kindern hinaus so viel für das soziale Gefüge in unserer Gesellschaft geleistet! Wir unterstützen sie in unserem Bistum aktuell mit einem intensiv angelegten Qualifizierungsprogramm in ihrer wichtigen Arbeit. Und wir wollen Kindertagestätten zu Familienzentren hin entwickeln.

Auch wenn in der Umbruchsituation unserer Zeit, auch aus Mangel an personellen und finanziellen Möglichkeiten, manchmal der Eindruck entsteht, die Kirche ziehe sich aus den gesellschaftlichen Aufgaben zurück, so möchte ich dagegen betonen: Es gibt auf die Dauer keinen christlichen Glauben, der sich nicht auch in Werken der liebenden, helfenden Zuwendung bezeugte – und darin seine Glaubwürdigkeit erweist. Wir können und dürfen uns nicht aus den Nöten der Welt und der Menschen zurückziehen – und wir tun es auch nicht! Alles ist verbesserungswürdig – und Vorgänge, wie sie jetzt zuletzt öffentlich diskutiert wurden, bedürfen einer schonungslosen Kritik. Als Kirche, als Christen, die ihr Maß an Jesus Christus nehmen, dürfen wir keinen notleidenden Menschen abweisen. Dabei stehen wir mit all unseren Kräften für die Würde jedes Lebens ein. Wir wissen aber auch um die große Sensibilität, die gerade Konfliktsituationen benötigen. Hierfür stehen so viele, die sich in der langen Reihe mit Nardini und Busserau in unseren Hilfswerken, karitativen Einrichtungen, im Leben unserer Gemeinden vor Ort, in Verbänden und Initiativen, haupt- und ehrenamtlich mit Leib und Seele für die Menschen einsetzen. Mit Nardini und Busserau und vielen anderen großen Initiatoren und leidenschaftlichen Kämpfern für soziale Gerechtigkeit und menschenwürdiges Leben, die aus christlichem Geist Wesentliches für das humane Angesicht unserer heutigen Gesellschaft geleistet haben, möchte ich hier und heute allen, die in unseren Gemeinden, Einrichtungen, Verbänden und Initiativen, wie auch im Bereich des familiären und nachbarschaftlichen Miteinanders oft unter großem persönlichen Einsatz mithelfen, soziale Kälte zu überwinden, aus ganzem Herzen danken. Das inhumane Angesicht der Gesellschaft, das uns heute ja auch deutlich entgegentritt und uns zutiefst beunruhigen muss, kommt doch aus einer ganz anderen Quelle, die dem Menschen die Würde raubt, weil er nur als Produkt oder Konsument, als Macht- oder Wirtschaftsfaktor gesehen wird und ein Menschenbild dahinter steht, dass die Achtung vor dem Schöpfer verloren hat.

Liebe Schwestern und Brüder, die Kirche durchläuft die größte Glaubwürdigkeitskrise der neueren Geschichte. Wir können ihr nur begegnen, wenn wir uns, wie bei den Pionieren in der Zeit der industriellen Revolution, in der die Kirche und der Glaube der Kirche auch grundlegend angefragt und heftig herausgefordert war, vorbehaltlos den Nöten der Menschen, ihrer Lebenssituation, wie sie heute ist, ihren Fragen, ihrem Suchen aussetzen. Wir müssen demütiger in unserem Urteilen und großmütiger im Dienen sein. Im Dialogprozess mit den engagierten Gläubigen, den ich zusammen mit dem Katholikenrat in den Pfarrverbänden unserer Bistums momentan durchführe, dringt immer wieder die Klage und die Not durch, die Kirche entferne sich zu weit von der Lebenswelt der Menschen. Ich nehme das sehr ernst, weil es mir von Menschen gesagt wird, die ganz mit der Kirche leben und leiden – und ich spüre, wie wichtig es ist, dass unsere großartige Botschaft in den tiefen unseres verunsicherten Gemütes neue Zuversicht und Begeisterungskraft erhält. Trotz allem Versagen, das es ohne Zweifel gab und gibt, sind da doch so viele auf allen Ebenen der Kirche, die sich bis heute leidenschaftlich für das soziale und humane Angesicht unserer Welt engagieren! „Die Kirche muss sich ändern“, sagen viele und spüren, wie sehr wir gerade heute der Umkehr und der echten Erneuerung bedürfen.

Kirche kann und darf sich nicht in eine eigene Sonderwelt zurückziehen. Zwar muss ihr immer klar sein, dass sie nicht von dieser Welt ist und, so schwach sie auch selbst sein mag, einen Auftrag von Gott her hat. Die Glaubwürdigkeit dieses Auftrags zeigt sich jedoch in der Haltung, die unser seliger Priester und Ordensgründer Paul Josef Nardini vor mehr als 150 Jahren schon ins Mark unseres Bistums eingeschrieben hat: „Ich kann hier nie glücklich und zufrieden leben, wenn ich nicht sagen könnte, das Meinige nach möglichster Kraft zur Linderung der Not beigetragen zu haben.“ Wenn ich, auch und gerade als Bischof, nicht sagen könnte, das Meinige zur Erneuerung der Kirche und ihrer Option für die von Gott so geliebten Menschen, insbesondere den Armen beigetragen zu haben. Amen.

„Die Kraft aus der Höhe“

Edith Stein in jungen Jahren.

Spirituelle Impulse aus dem Leben und Denken Edith Steins. (12.10.1891-9.8.1942). Vortrag von Dr. Beate Beckmann-Zöller (München) zum Festakt „120. Geburtstag von Edith Stein“ am 12. Oktober 2011 im Kloster St. Magdalena in Speyer.

Wir feiern heute den 120. Geburtstag einer kraftvollen Persönlichkeit, eine vitale und engagierte Frau, die uns Vorbild im Leben und Glauben sein kann. Edith Stein – die Philosophin (1916 bei Edmund Husserl promoviert), Heilige (1998) und Mit-Patronin Europas (1999) wirkte von 1923-1931 hier als Lehrerin in St. Magdalena in Speyer. Sie ist übrigens nach 650 Jahren die erste Deutsche, die für die Weltkirche heilig, nicht nur selig gesprochen wurde (nach Getrud von Helfta). Und zugleich ist Edith Stein seit der Zeit der Apostel die erste Jüdin überhaupt, die in einem offiziellen Verfahren von der Kirche heiliggesprochen wurde.

Obwohl sie wissenschaftlich geprägt war, lebte sie einen einfachen Glauben, der uns in der Situation der Kirche von heute wichtige Impulse geben kann. Ihre spirituelle Suche führte sie vom Judentum über eine atheistische Phase in den lebendigen Glauben als Laien-Christin (11 Jahre lang), später als Ordensfrau (9 Jahre lang). Als aufmerksame Philosophin war sie an politischen Zusammenhängen interessiert: Sie wirkte als Vorkämpferin für Frauenrechte, arbeitete als Sanitäterin im Ersten Weltkrieg und half beim Aufbau der Deutschen Demokratischen Partei (Vorläuferin der FDP), bevor sie erkannte, dass ihre Begabung doch nicht in der konkreten politischen Arbeit lag. Später war sie gerade durch ihre nach innen gerichtete Gottesbeziehung zugleich geistig wach für gesellschaftliche Veränderungen und übernahm politische Verantwortung: Als junge Dozentin in Münster erlebte sie die Machtergreifung Hitlers und durchschaute von Anfang an Hitlers Strategie – worauf sie sich mit ihrer Analyse an Papst Pius XI. wandte und sein Eingreifen forderte. Sie war überzeugt, dass Frauen zwar von Jesus nicht zu Priesterinnen in der Kirche auserwählt seien; sehr wohl habe Gott aber Frauen zu allen Zeiten als Prophetinnen berufen, „als Verkünderinnen seines Willens an Könige und Päpste“ (ESGA 13, 77) – und in diesen Dienst stellte sie sich ausdrücklich selbst.

Dabei war sie sich bewußt, daß sie nicht aus eigener Kraft wirkt – sie spricht von „eine(r) Kraft, die nicht die meine ist“ (PK 73f.) –, sondern aus der „Kraft aus der Höhe“ leben lernen darf. Was ist diese Kraft? Der auferstandene Jesus hatte seine Jünger angewiesen: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.” (Lk 24, 46-49) „Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. […] Euch steht es nicht zu, Zeiten unf Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in gnaz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.” (Apg 1, 4-8) Hier spricht Jesus von keiner unpersönlichen Kraft, sondern von einer Person, die sogar „betrübt“ werden kann (Eph 4, 30). Wie erlebte Edith Stein die „Kraft aus der Höhe“, den Heiligen Geist? Welche Spuren finden wir in ihrem Leben und Denken, die auch unser Leben und Glauben erneuern könnten?

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Sowohl in ihren Briefen als auch in ihren philosophischen Werken verwendet Edith Stein den Begriff „Wiedergeburt“, um ihre Bekehrung hin zu Jesus Christus zu beschreiben. Es ist ein Begriff, der selten im „katholischen Vokabular“ unserer Tage zu finden ist, außer er bezieht sich auf die Reinkarnationslehre des Hinduismus und Buddhismus. Es ist aber ein biblischer Hintergrund, auf den Edith Stein anspielt; es geht darum, in diesem Leben neu geboren zu werden: Der Phärisäer Nikodemus kommt heimlich zu Jesus (Joh 3,1-13) und spricht ihn auf seine göttliche Herkunft an. Jesus fordert ihn im Gegenzug heraus, seine geistliche Sichtweise verändern zu lassen: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. […] Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch: was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“ (Joh 3, 3. 5-6)

Was heißt „aus dem Geist von neuem geboren werden“ für Edith Stein? Sie berichtet lange vor ihrer tatsächlichen Taufe (1.1.1922) schon im Oktober 1918 von ihrer geistigen „Wiedergeburt“. Sie habe sich „mehr und mehr zu einem durchaus positiven Christentum durchgerungen“: „Das hat mich von dem Leben befreit, das mich niedergeworfen hatte und hat mir zugleich die Kraft gegeben, das Leben aufs neue und dankbar wieder aufzunehmen. Von einer ‚Wiedergeburt’ kann ich also in einem tiefsten Sinne sprechen.“ (10.10.1918) Es war für sie ein „Ringen“, sich Jesus Christus als ihrem persönlichen Erlöser anzuvertrauen – es fiel ihr nicht leicht, weder als Intellektueller, noch als Jüdin. Verschiedene Begegnungen mit lebendigen Christen und unterschiedliche Impulse in ihrem Innern führten Edith Stein dazu, dennoch ihr Leben, ihre Wünsche und Pläne Jesus Christus anzuvertrauen.

Es gab für Edith Stein kein plötzliches singuläres Bekehrungserlebnis, sondern ein allmählicher Prozess von „religiösen Erlebnissen“ führte sie zu einer „Wiedergeburt“. Auf einer Besichtigungstour 1916/17 in Frankfurt war Edith Stein beeindruckt von der Alltäglichkeit der Begegung einer Katholikin mit Gott: „Wir traten für einige Minuten in den [Frankfurter] Dom, und während wir in ehrfürchtigem Schweigen dort verweilten, kam eine Frau mit ihrem Marktkorb herein und kniete zu einem kurzen Gebet in einer Bank nieder. Das war für mich etwas ganz Neues. In die Synagogen und in die protestantischen Kirchen, die ich besucht hatte, ging man nur zum Gottesdienst. Hier aber kam jemand mitten aus den Werktagsgeschäften in die menschenleere Kirche wie zu einem vertrauten Gespräch. Das habe ich nie vergessen können.“ Es berührte sie, dass Menschen zu jeder Zeit auch im Alltag Halt in der lebendigen Beziehung zu Gott finden.

Im Februar 1917 freute sie sich, dass auch ihr Freund Roman Ingarden auf religiöse Probleme gestoßen sei. Sie selbst „rennt an allen Ecken und Enden“ an Metaphysik und an religiöse Erlebnisse, schrieb sie ihm am 20.2.1917, während ihrer Arbeit an der Analyse von „Psychischer Kausalität“ , zu der sie – auch in detallierter Selbstbeobachtung – seelische und geistige Vorgänge beschrieb.

Im Herbst 1917 wurde sie dann überrascht vom Tod ihres engen Freundes und Mentors Adolf Reinach (16.11.1917), den sie selbst als Auslöser für eine „lange vorbereitete Krise“, bezeichnete. Schmerzliche Erlebnisse können Menschen für den Glauben ebenso verschließen wie auch neu öffnen – eine Sache der Freiheit des Menschen.

Edith Stein fand in Dr. Anne Reinach (Physikerin) eine glaubwürdige Zeugin für die Hoffnung auf Auferstehung, da sie den Verlust ihres Mannes so übernatürlich getröstet auf sich nahm. Anne Reinach hatte sich zusammen mit ihrem Mann im Jahr zuvor taufen lassen, nachdem Adolf Reinach im Krieg intensive religiöse Erlebnisse hatte. Der „Hoffnungsfunke“ sprang aus der Begegnung mit Anne Reinach auf Edith Stein über, und so konnte sie im Mai 1918 schreiben: „Und dann habe ich einen Stützpunkt gefunden, der mich bis zu einem gewissen Grade von allen äußeren Bedingungen und Erschütterungen unabhängig macht.“

Zur selben Zeit (1916-1919) traf sich Edith Stein in Freiburg mehrmals mit einer Katholikin, Philomene Steiger (1896-1985) , die ihr empfahl, nicht weiter nach Wissen über den Glauben, sondern den Glauben selbst zu suchen, mit Hilfe der Person des Heiligen Geistes. Die Glaubwürdigkeit des Berichtes von Philomene Steiger (Interview von Elisabeth Otto, Welt – Person – Gott. Eine Untersuchung zur theologischen Grundlage der Mystik bei Edith Stein, Vallendar 1990, S. 183f.) wird von Andreas Uwe Müller und P. Ulrich Dobhan aufgrund eines negativen Leumunds angezweifelt. Selbst wenn Frau Steiger sich später dieses Gespräch mit Edith Stein ausgedacht hätte – das ist selbstverständlich weder nachzuprüfen noch auszuschließen, da ihre Aussage nicht in den Seligsprechungsakten aufgeführt wird – ist dennoch ihre Aufforderung, den Heiligen Geist einzuladen, ein wichtiges sachliches Element auf dem Weg Edith Steins zum Glauben. Leider reflektiert Stein selbst diese Begegnung nicht.

„Sie [Edith Stein] fragte mich [Philomene Steiger] immer wieder, dann sagte ich zu ihr: ‚Sie sind keine Atheistin, Sie sind eine Suchende. Nicht Wissen, sondern Glauben allein kann Ihnen helfen. Fangen Sie an zu beten zum Heiligen Geist. Ich habe am Firmtag den Heiligen Geist zu meinem Lebensfreund erwählt und bete täglich: Komm, Heiliger Geist, herab zu mir, erleuchte mich, ich folge dir. Amen. Tun Sie das, und Sie werden im Heiligen Geist glauben lernen und Jesus als den Messias anerkennen und lieben lernen.’ [...Edith Stein fragte:] ‚Was nennen Sie glauben?’ Ich gab ihr zur Antwort: ‚Glauben ist nicht Wissen, sondern die demütige Annahme der von Gott geoffenbarten Wahrheit. Beten Sie, Frl. Stein, zum Heiligen Geist.’ Sie sagte: ‚Beten Sie mir vor.’ Mir fiel ein, um die sieben Gaben zu beten. Sie faltete die Hände zusammen. Ich gab ihr den Rat, täglich zu sagen: ‚Komm, Heiliger Geist, herab zu mir, erleuchte mich, ich folge dir.’“

Es ist bemerkenswert, daß eine Katholikin die am stärksten vernachlässigte Person der Dreieinigkeit, den Heiligen Geist, derart zu schätzen weiß. Über den Heiligen Geist – über die Wiedergeburt oder Taufe im Heiligen Geist – erhalten wir die persönliche Beziehung zu Gott, unserem Vater und können Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser bekennen und lieben. Er ist der Tröster, d.h. durch ihn werden wir mit Gefühlserlebnissen versorgt, die uns die Nähe Gottes suchen und lieben lassen. Vor allem als „Kraftzufuhr“ hat sie

das Wirken des Geistes Gottes erlebt, aber auch in Erlebnissen der „Geborgenheit“ hat sie existenziell erfahren, dass der Auferstandene heute handelt.

Parallel zu ihren innerlichen und biographischen Erlebnissen reflektiert Edith Stein in ihren philosophischen Werken Grenz-Erlebnisse, die Auslöser für ihre Wiedergeburt gewesen sein könnten. Aufgrund von Erlebnissen, die sie ans Ende aller Kräfte führten – heute würde man das einen „Burn-out“ nennen – öffnete sich Edith Stein für eine neue Kraftzufuhr und erlebte sich auf geheimnisvolle Weise geborgen: „Es gibt einen Zustand des Ruhens in Gott, der völligen Entspannung aller geistigen Tätigkeit, in dem man keinerlei Pläne macht, keine Entschlüsse fasst und erst recht nicht handelt, sondern alles Künftige dem göttlichen Willen anheimstellt, sich gänzlich ‚dem Schicksal überlässt’. Dieser Zustand ist mir etwa zuteil geworden, nachdem ein Erlebnis, das meine Kräfte überstieg, meine geistige Lebenskraft völlig aufgezehrt und mich aller Aktivität beraubt hat. Das Ruhen in Gott ist gegenüber dem Versagen der Aktivität aus Mangel an Lebenskraft etwas völlig Neues und Eigenartiges. Jenes war Totenstille. An ihre Stelle tritt nun das Gefühl des Geborgenseins, des aller Sorge und Verantwortung und Verpflichtung zum Handeln Enthobenseins. Und indem ich mich diesem Gefühl hingebe, beginnt nach und nach neues Leben mich zu erfüllen und mich – ohne alle willentliche Anspannung – zu neuer Betätigung zu treiben. Dieser belebende Zustrom erscheint als Ausfluß einer Tätigkeit und einer Kraft, die nicht die meine ist und, ohne an die meine irgendwelche Anforderungen zu stellen, in mir wirksam sind. Einzige Voraussetzung für solche geistige Wiedergeburt scheint eine gewisse Aufnahmefähigkeit zu sein, wie sie in der dem psychischen Mechanismus enthobenen Struktur der Person gründet.“ (PK 73f.) Edith Stein hatte diese „gewisse Aufnahmefähigkeit“, sie war offen für die neue göttliche Kraftquelle, die Jesus seinen Jüngern zu Christi Himmelfahrt verheißen und zu Pfingsten geschenkt hat: „Wartet auf [...] die Kraft des Heiligen Geistes“ (Apg 1,4-8).

Eine Begleiterscheinung der Wiedergeburt im Heiligen Geist war für Edith Stein das Gefühlserlebnis der Geborgenheit: „In dem Gefühl der Geborgenheit, das uns oft gerade in ‚verzweifelter’ Lage ergreift, wenn unser Verstand keinen möglichen Ausweg mehr sieht und wenn wir auf der ganzen Welt keinen Menschen mehr wissen, der den Willen oder die Macht hätte, uns zu raten und zu helfen, in diesem Gefühl der Geborgenheit werden wir uns [sic!] der Existenz einer geistigen Macht inne, die uns keine äußere Erfahrung lehrt. Wir wissen nicht, was weiter aus uns werden soll, vor uns scheint ein Abgrund zu gähnen und das Leben reißt uns unerbittlich hinein, denn es geht vorwärts und duldet keinen Schritt zurück; aber indem wir zu stürzen meinen, fühlen wir uns ‚in Gottes Hand’, die uns trägt und nicht fallen lässt. Und nicht nur seine Existenz wird uns in solchem Erleben offenbar, auch was er ist, sein Wesen, wird in seinen letzten Ausstrahlungen sichtbar: die Kraft, die uns stützt, wo alle Menschenkräfte versagen, die uns neues Leben schenkt, wenn wir innerlich erstorben zu sein meinen, die unseren Willen stählt, wenn er zu erlahmen droht – diese Kraft gehört einem allmächtigen Wesen. Das Vertrauen, das uns einen Sinn unseres Lebens annehmen lässt, auch wo menschlicher Verstand ihn nicht zu enträtseln vermag, lehrt uns seine Weisheit kennen. Und die Zuversicht, dass dieser Sinn ein Heilssinn ist, dass alles, auch das Schwerste, letzten Endes doch unserem Heil dient, und ferner, dass dieses höchste Wesen sich unser noch erbarmt, wenn die Menschen uns aufgeben, dass es keine schlechthinnige Verworfenheit kennt, dies alles zeigt uns seine Allgüte.“ (Einführung in die Philosophie, 171f.)

Dieses religiöse Erlebnis, das Edith Stein als ein von Gott geschenktes Erlebnis versteht, bleibt kein isoliertes „gutes Gefühl“, sondern setzt einen Veränderungsprozess in Gang, der das Individuum zwar verwandelt, aber nicht vereinzelt, sondern auf Gott und die Gemeinschaft der Jesus-Nachfolger ausrichtet.

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