Im Wortlaut

Brief von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zum Advent

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann wirbt in einem Brief zum Advent an die Gläubigen im Bistum Speyer um weitere Unterstützung für Flüchtlinge.

  
Liebe Mitchristen, liebe Schwestern und Brüder,
 
die Nachrichtenbilder führen uns täglich die Not der Menschen vor Augen, die auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen ihre Heimat verlassen mussten. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit weltweit etwa 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Häufig sind es die Nachbarländer, die den Flüchtlingen Schutz und Zuflucht bieten. Nur wenige Flüchtlinge erreichen die „Festung Europa“. Die tragischen Bilder der Menschen, die vonSchleusern für teures Geld auf völlig unzureichenden Booten über das Mittelmeer gebracht werden und dabei häufig Schiffbruch erleiden, lassen die Angst und Verzweiflung der Menschen erahnen. Die Menschen, die zu uns kommen, sind häufig traumatisiert und bringen ihre bitteren Erfahrungen von Verfolgung, Gewalt und Armut mit. Sie leiden unter der permanenten Unsicherheit und müssen erleben, dass die staatlichen Stellen mit ihrer Unterbringung häufig überfordert sind.
 
Unser Glaube erzählt in vielen Bildern und Geschichten, was es heißt, die Heimat aufgeben zu müssen und in die Fremde zu gehen. Und er ruft uns eindringlich dazu auf, dem Fremden beizustehen, ihn aufzunehmen und zu schützen. So lesen wir bereits im Alten Testament: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie
ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.“ (Lev 19,34). Daran knüpfen die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit im Neuen Testament an, wo es unter anderem heißt: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25, 35).
 
Umso wichtiger ist, dass wir den globalen Problemen unserer Tage und der offenkundigen Not der Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, nicht mit Abschottung oder Gleichgültigkeit begegnen. Wir können mehr zu einer Lösung und Verbesserung beitragen, als wir vielleicht meinen. Bei der Flüchtlingshilfe verbinden sich die vier leitenden Perspektiven, die wir uns in dem neuen
Seelsorgekonzept „Der Geist ist es, der lebendig macht“ (Joh 6,63) zum Programm gemacht haben: Die Hilfe für Flüchtlinge ist spirituell geleitet, evangelisierend in der Wirkung, anwaltschaftlich im Einsatz für die Menschen und mit einem weltkirchlichen Horizont. Es ist mir daher persönlich ein großes Anliegen, dass wir
uns, so gut es in unseren Kräften und Möglichkeiten steht, den Flüchtlingen zuwenden und unsere Hilfe anbieten von der Unterbringung der Flüchtlinge bis zur Betreuung. Schon kleine Hilfen können hier sehr wertvoll sein und Zeichen setzen. 

Die folgenden Überlegungen können Ihnen als Anregungen dienen:
• Für Flüchtlinge und Asylbewerber ist Deutschland ein fremdes Land. Wir sollten ihnen durch Worte und Taten vermitteln, dass sie bei uns willkommen sind. Ein freundliches Gesicht und 
• Signale der Mitmenschlichkeit sind für manche schon eine wichtige Erfahrung in der fremden Umgebung.
• Gemeinsam lässt sich mehr erreichen. Vielleicht können Sie mit Gleichgesinnten in Ihrer Pfarrgemeinde einen Arbeitskreis „Flüchtlingshilfe“ einrichten, eventuell gemeinsam mit der protestantischen Kirchengemeinde als ökumenisches Projekt. Je besser Sie miteinander vernetzt sind, umso koordinierter kann den Flüchtlingen geholfen werden.
• Zusammen mit den Kommunen kann man prüfen, ob Flüchtlinge in Immobilien der Pfarrgemeinde untergebracht werden können. 
• Wird für eine bestimmte Maßnahme Geld benötigt, für die es keine öffentlichen Mittel gibt, können über das zuständige Caritas-Zentrum Gelder aus dem Flüchtlingshilfefonds des Bistums beantragt werden. Mit den Mitteln aus dem Fonds sollen besondere Notsituationen von Flüchtlingen erleichtert werden. 
• Es ist auch notwendig, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Die kirchlichen Hilfswerke Caritas international, Misereor und Missio sorgen mit zahlreichen Projekten in Asien, Afrika und Lateinamerika für eine Zukunftsperspektive. Mit unseren Spenden können wir die Arbeit der kirchlichen Hilfswerke unterstützen.
 
Diesem Schreiben ist eine Übersicht mit den Hilfen für Flüchtlinge im Bistum Speyer beigefügt. Daraus kann man ersehen, dass es schon jetzt vielfältige Formen des Engagements für Flüchtlinge gibt. Die Übersicht soll Ihnen als Anregung und zur gegenseitigen Vernetzung der Hilfeangebote dienen.
Wer sich für Flüchtlinge und Migranten engagieren will, braucht Sachkenntnis. Informationen über die Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, aber auch darüber, welche Rechte und Pflichten, welche Risiken und Chancen sie hier erwarten, sind in der beiliegenden Broschüre „Weit weg ist näher als du denkst
– Ein Ratgeber des Caritasverbandes für die Diözese Speyer“ zusammengestellt. Darin finden Sie auch weitere Anregungen, was Sie selbst in Ihrem Umfeld tun können.
 
Liebe Schwestern und Brüder, es sind nur noch wenige Wochen, bis wir im Advent auf das Fest der Geburt unseres Heilands und Erlösers zugehen. Gott wird Mensch: Das ist die zentrale Botschaft der Weihnachtsgeschichte, die sich von der Herbergssuche bis zur Flucht nach Ägypten spannt. Weihnachten ist die Einladung an uns, es Gott nachzutun und selbst Mensch zu werden, Mitmensch für andere, die unserer Hilfe bedürfen.
Ich bin dankbar für die vielen Menschen, die sich in unserem Bistum für die Flüchtlinge engagieren. Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit und grüße Sie herzlich
Ihr
 
Dr. Karl-Heinz Wiesemann
Bischof von Speyer 

Hilfen für Flüchtlinge im Bistum Speyer

Im Bistum Speyer gibt es zahlreiche Angebote für Flüchtlinge. Unterstützung erhalten sie etwa durch den Caritasverband, den Flüchtlingshilfefonds, aber auch in den Pfarrgemeinden sowie durch sonstige kirchliche Gruppen und Institutionen.

 

Hilfen für Flüchtlinge im Bistum Speyer
(Stand: 10. November 2014)

1. Hilfen des Caritasverbandes

In den Caritas-Zentren der Diözese laufen verschiedene Aktivitäten für Flüchtlinge:
• Begegnungstreffen in Kooperation der Zentren mit den Pfarreien vor Ort und mit ehrenamtlichen Helfern der Pfarreien.
• Schulungen für Ehrenamtliche zusammen mit dem Arbeitskreis Asyl mit dem Schwerpunkt „Verfahrensberatung“.
• Zusätzlich Schulung für freiwillig Tätige mit dem Schwerpunkt „Fit für Flüchtlingsarbeit“, in Kooperation mit Pfarreien und der Katholischen Erwachsenenbildung.
• Begleitung von interessierten Ehrenamtlichen, die sich über die Caritas-Zentren in der Flüchtlingsarbeit engagieren wollen.
• An mehreren Standorten laufen Sprachkurse für Flüchtlinge, in Speyer zum Beispiel in Kooperation mit der Volkshochschule drei Kurse und ein vierter nur für Frauen. 
• Kommunikationstrainings für Erwachsene durch Honorarkräfte und Ehrenamtliche, finanziert durch den Landkreis.
• Kommunikationstrainings für Kinder.
• Patenschaften: Ehrenamtliche übernehmen Patenschaften für Familien oder Einzelpersonen, betreuen diese und unterstützen sie im Alltag.
• Arabisch und deutsch sprechende Person übernimmt Vermittlerfunktion zwischen Flüchtlingen, Jobcenter und anderen Institutionen.
• In Germersheim bieten Studenten der Universität mit Unterstützung der Pfarrei und des Caritas-Zentrums Sprachkurse für Flüchtlinge und Asylsuchende an.
• Engagement im Bereich der schulischen und beruflichen Qualifizierung von Flüchtlingen, Bildungsberatung, in Kooperation mit der Agentur für Arbeit.
• Migrations- und Integrationsberatung sowie allgemeine Sozialberatung in allen Caritas-Zentren.
• Einrichtung eines Café Asyl, eines internationalen Frauencafés, einer interkulturellen Begegnungsstätte.
• Einrichtung einer Fahrradbörse zur Unterstützung der Mobilität der Flüchtlinge.
• Pflasterstube zur medizinischen Beratung und Betreuung von Menschen ohne
Krankenversicherung.
• Young Caritas: Plakate und Memory zur Unterstützung der Sprachkompetenz von Erwachsenen und Kindern.

 

2. Hilfen durch den Flüchtlingshilfefonds

Das Bistum hat im Juni 2014 einen Fonds für Flüchtlingshilfe errichtet und dafür zunächst 50.000 Euro eingesetzt. In diesen Fonds wird auch die Kollekte des diesjährigen Caritassonntages einfließen. Damit sollen Notsituationen von Flüchtlingen erleichtert werden, zum Beispiel durch:
• Sprachförderung
• Anteilige Übernahme von Rechtsanwaltskosten im Asylverfahren
• Einzelfallhilfe zum Beispiel bei Übersetzungshilfen und Familienzusammenführungen.

 

3. Hilfen in den Pfarrgemeinden (eine Auswahl)

• Pfarrei Germersheim: Aufnahme und Unterstützung einer Frau und ihrer Tochter aus Tschetschenien (April, Mai 2014).
• Pfarrei Maikammer: Vermietung des Schwesternhauses. 
• Pfarrei Maria Schutz Kaiserslautern: Pfarrheim wird für Sprachkurse zur Verfügung gestellt, eine Frau aus der Pfarrei erteilt Sprachunterricht.
• Pfarrei Heilig Geist Landstuhl: Engagement für zwei Flüchtlinge aus Ägypten, Hilfe beim Deutschunterricht, Ausstattung mit Fahrrädern, Integration in das Gemeindeleben.
• Ludwigshafen-Friesenheim: Ökumenisches Erntedankessen, Ausstattung von Flüchtlingsfamilien mit Nähmaschinen.
• Pfarrei Winnweiler: Engagement eines Ehepaars für eine syrische Flüchtlingsfamilie / Eine Frau unterstützt einen jungen Mann aus Afghanistan bei der Integration, zum Beispiel durch Sprachunterricht und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
• Pfarrei Bellheim: Hilfeleistung für eine pakistanische Familie, in Kooperation mit dem Arbeitskreis Asyl Germersheim.
• Pfarrei St. Ludwig, Ludwigshafen: Sprachkurse für Flüchtlinge im Pfarrheim in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.
• Pfarrei Grünstadt: Engagement in der „Leininger Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit" / Angebot eines „Café international“ / Hilfe für pakistanische Flüchtlingsfamilie / Hilfe für Frau aus Ruanda, die
von Abschiebung bedroht war / Migranten aus Ruanda und Irak wirken am Gemeindeleben aktiv mit.
• Pfarrei Limburgerhof: Unterstützerkreis für Flüchtlinge.
• Dekanat Kaiserslautern: Öffentliche Aktion zur Toleranz und zur Solidarität mit Flüchtlingen (für Advent 2014 in Kooperation mit Verbänden und Projekt „Young Caritas“ geplant).
• Pfarrei St. Martin Kaiserslautern: Erlös des Martinszuges wird für die Sprachförderung von Flüchtlingskindern und für Lernmaterial zur Sprachförderung gespendet.
• Pfarreiengemeinschaft Schifferstadt: Weihnachtlicher Nachmittag mit Flüchtlingen im Pfarrheim (22. Dezember).

 

4. Weitere Hilfen kirchlicher Gruppen und Institutionen

• Kloster St. Magdalena, Speyer: Bereitstellung von einer Wohnung und vier Einzelzimmern für Flüchtlinge in Speyer.
• Institut St. Dominikus, Speyer: Bereitstellung einer großen Wohnung in Speyer für zwei Flüchtlingsfamilien mit Kindern.
• Geistliches Zentrum Maria Rosenberg: Bereitstellung von sechs Plätzen für Flüchtlinge.
• Gemeinnütziges Siedlungswerk: Bereitstellung von zwei Wohnungen für Flüchtlinge in Speyer.
• Ausweitung der Sprachkurse für Flüchtlinge, auch mit ESF- und Landesmitteln, Koordination durch die Katholische Erwachsenenbildung.
• Aus dem Katastrophenfonds der Abteilung Weltkirche wurden finanzielle Mittel für die Flüchtlingshilfe von Caritas International in Höhe von 10.000 Euro zur Verfügung gestellt. Des Weiteren wurden über die Aktion Silbermöwe seit 2012 für Flüchtlinge aus Syrien/Irak über Caritas International, Misereor und Kirche in Not Spenden von rund 19.000 Euro zur Verfügung gestellt.
• Heinrich Pesch Haus, Ludwigshafen: Kinderferienwoche für Flüchtlingskinder, finanziert durch die Aktion „Charity-Day“ / am Nikolaustag Weiterleitung von Gesellschaftsspielen, Puzzles und Büchern an Flüchtlingskinder. 
• Komturei "Regina Coeli" des Ritterordens vom Heiligen Grab unterstützt Familien irakischer Christen in Ludwigshafen, St. Albert.
• DJK-Sportverband: Lauftreff mit Flüchtlingen aus Eritrea, Ausstattung mit Sportbekleidung, Herstellung eines Kontakts zu einem Fußballverein, Beteiligung bei „Soli“-Lauf.
• BDKJ Kaiserslautern: Flüchtlingstruck von Missio kommt nach Kaiserslautern (für 2015 in Kooperation mit der Pfarreiengemeinschaft Maria Schutz geplant).

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