
Rund 300 Zuhörer: Vorstellung der Leitlinien im Edith-Stein-Haus Kaiserslautern am Abend des 25. Januar. Foto: View
In der Bundesrepublik Deutschland zählt die katholische Kirche zu den größten Trägern von Kindertagesstätten (Kitas). Das Bistum Speyer will diese Arbeit der Kirche in den Blick nehmen und zugleich das religiöse Profil der katholischen Einrichtungen stärken – wie unter anderen Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Generalvikar Dr. Franz Jung am 25. Januar in Speyer vor der Presse bekanntgaben.
Der Pressetermin fand im Kindergarten der Dompfarrei statt. Dessen Leiterin Ulrike Mahler setzt besonders auf eine enge Verbindung zur Pfarrgemeinde und zu den Seelsorgern, auf religiöse Rituale auch im Alltag und auf das persönliche Glaubenszeugnis der Erzieherinnen, um die Ziele der Leitlinien zu erreichen. Aus ihnen soll in einem mehrjährigen Prozess ein Leitbild katholischer Kindertagesstätten im Bistum entstehen. Auf diesen Weg sollen sich zunächst 20 ausgewählte Einrichtungen in fünf Regionen machen. Im Leitbild-Prozess werden sie beraten und durch Fachleute begleitet, darunter Seelsorger vor Ort. Das Bistum investiert 700000 Euro in diese erste Projektphase. Ausgewählt wurden dafür Kitas im Dekanat Kusel, in Homburg, Landau, Waldfischbach sowie Frankenthal mit Bobenheim-Roxheim. „Wir haben das gesamte Bistum mit seinen unterschiedlichen Ausgangslagen in den Blick genommen, zugleich war es uns wichtig, regionale Teams für die Fortbildungen zu bilden“, sagt Hans-Peter Schneider, im Ordinariat Referent für Qualitätsmanagement in Kitas. Die Erfahrungen der 20 Einrichtungen sollen später auf alle übertragen werden. Bis wann dies sein soll, steht Schneider zufolge noch nicht fest.
Generalvikar Jung sieht die neuen Leitlinien als Teil der Reform „Gemeindepastoral 2015“: „In der Erneuerung unserer Seelsorge gehen wir von vier leitenden Perspektiven aus, diese lassen sich eins zu eins auf die Kita-Arbeit übertragen.“ Innerhalb der Pfarreien könne man die Kitas als Modell betrachten, wie Kirche sich künftig gestalten kann. „Wir leben in einer Zeit, in der das Christensein nicht selbstverständlich ist – stattdessen müssen wir den Glauben ins Wort bringen.“ Für die Träger – meist Pfarrgemeinden – könne der Prozess eine Gewissheit bringen, „warum sie überhaupt einen Kindergarten betreiben oder welche Ziele sie damit verbinden“.
Obwohl die religiöse Dimension im Kindergarten – der Bischof zählt dazu das Erzählen aus der Bibel, die Feier von kirchlichen Festen, das Einüben der Nächstenliebe und das Gebet – „kein Sahnehäubchen, sondern ein die ganze Arbeit durchdringende Grundlage ist“, seien die katholischen Kindergärten für alle offen. „Christliche Religiösität und die Offenheit anderen gegenüber gehören zusammen.“
An der Frage nach dem Erhalt aller Kindertagesstätten rührt das Bistum mit den Leitlinien nicht. Bischof Wiesemann betonte, die Frage nach Qualität in der frühkindlichen Bildung nicht gegen die Zahl der Kitas ausspielen zu wollen. „Wo wir sind, wollen wir möglichst gut sein – das sehe ich als unsere Aufgabe.“ Ein flächendeckender Erhalt sei nicht oberstes Ziel – doch die Schließung von Einrichtungen sei ebensowenig Maßgabe. (hm)
Hinweis: Die Leitlinien kann man auf www.bistum-speyer.de herunterladen.
So voll ist der große Saal des Edith-Stein-Hauses Kaiserslautern schon lange nicht mehr gewesen. Die Vorstellung der Leitlinien zur Profilentwicklung katholischer Kindertageseinrichtungen durch die Bistumsleitung stieß bei Trägervertretungen der Kindertageseinrichtungen, bei Leitungen und Mitarbeitern auf großes Interesse. Mit über 300 Teilnehmern war die Resonanz auf die Vorstellung der Leitlinien überwältigend. Für Generalvikar Franz Jung „ein Zeichen, dass das Thema bewusst wahrgenommen wird“. Er und Bischof Karl-Heinz Wiesemann führten in das Thema ein und stellten die Leitlinien vor. „Sie sollen motivieren und die Arbeit bewusster gestalten“, betonte Wiesemann.
Nach den Worten von Domkapitular Franz Vogelgesang dienen die Leitlinien zur Entwicklung eines Leitbildes und zur Schärfung des katholischen Profils. Heinz-Peter Schneider vom Referat Kindertageseinrichtungen im Speyerer Ordinariat erläuterte als Ziel der Leitlinien, „dem Himmel ein Stück näher zu kommen“. Bei der Umsetzung eines Leitbilds stünden den Einrichtungen Hilfen der diözesanen Fachstellen wie Handreichungen, Fortbildungen und Impulsreferate vor Ort zur Verfügung. Herbert Adam vom Seelsorgeamt ermunterte, das Leitbild durch das Handeln der Mitarbeiter mit Leben zu füllen. „Qualität mit Religion“ müsse der rote Faden lauten.
Gut eineinhalb Stunden dauerte die von Schwester Sabine Otte (Gitarre) und Brigitte Gemmecker-Gropp (Geige) musikalisch gestaltete Vorstellung der Leitlinien. Anlass für Joachim Vatter, Leiter der Abteilung „Pfarrverbände und Kindertagesstätten“ im Bischöflichen Ordinariat, bei einem Umtrunk zu einem Meinungsaustausch im Foyer einzuladen. Interessant wäre es gewesen zu hören, wie die Leitlinien bei den Teilnehmern angekommen sind. Dazu hätte ein Dialog zwischen Bistumsleitung und Besuchern gutgetan. Der fand leider nicht öffentlich statt. „Wie sollen wir das alles bei einer angespannten Personalsituation leisten?“, so brachte es eine Leiterin im kleinen Kreis auf den Punkt. Wie Kindertageseinrichtungen im Pfarrverband Kaiserslautern haben sich zahlreiche Einrichtungen in der Vergangenheit schon mit Konzeption und Leitbild befasst. „Wo sollen wir die Zeit hernehmen?“, gab eine Teilnehmerin zu bedenken. Da war es schade, dass persönliche Meinungsäußerungen bei Brezeln und Selters im Smalltalk verpufften. Das Gros der Teilnehmer machte sich rasch auf den Nachhauseweg. Natürlich nicht, ohne sich beim Verlassen des Edith-Stein-Hauses mit den 15-seitigen Broschüren der Leitlinien einzudecken.
Fast leer blieben die Wandtafeln, auf denen sich die Bistumsleitung Rückmeldungen zu den Leitlinien und zur Durchführung der Veranstaltung erwünscht hatte. Beherzt griff eine ältere Ordensfrau zum schwarzen Filzstift, lobte die Veranstaltung und die Denkanstöße, die von den Leitlinien ausgehen.
Wer in der Menge genau hinhörte, konnte aus dem Mund von Seelsorgern so manche Frustration aufschnappen: Bereits belastet die kommende Reform „Gemeindepastoral 2015“ schwer – bis zu sieben Gemeinden für einen Pfarrer und ein entsprechender Aufwand für die Sitzungen der Gremien sind nicht leistbar, von Seelsorge ganz zu schweigen.
Immerhin: Die Hauptamtlichen haben in Kaiserslautern diözesanweit Flagge gezeigt. Religiöse Bildung in katholischen Kindertageseinrichtungen wird dank eines Qualitätsmanagements künftig mit einem Gütesiegel versehen. (Joachim Schwitalla)
Es gibt 245 katholische Kindertagesstätten insgesamt; im Saarland befinden sich 36 davon, in der Pfalz 209. Bei insgesamt 206 fungieren Kirchengemeinden als Träger, bei 28 Elisabethen- und Krankenpflegevereine; 11 haben sonstige Träger, z.B. Orden. Im Bistum gibt es rund 700 Kindergarten-Gruppen, mit circa 14000 Kindern. Betreut werden sie von 2500 Erzieherinnen bzw. Erziehern.
Aufwendungen im Jahr:
rund 15 Mio. Euro
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