
Die Beschäftigung mit der Thematik und das Einlesen in die umfangreiche Fachliteratur gehören derzeit zu den ersten Aufgaben. Foto: Landry
Zwei Jahre ist es her, seit die ersten Fälle sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Auch das Bistum Speyer hat daraus Konsequenzen gezogen und eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt. So gibt es etwa eine Ansprechperson für Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch an Minderjährigen.
Um künftigen Missbrauchsfällen vorzubeugen, hat die Diözese im Dezember 2011 eine Präventionsordnung erlassen. Sie fordert unter anderem von allen rund 1150 hauptamtlichen Mitarbeitern die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses – und die Einsetzung eines Präventionsbeauftragten, der „die Aufgaben einer Koordinationsstelle wahrnimmt und insbesondere die diözesanen Aktivitäten zur Prävention von sexuellem Missbrauch unterstützt und vernetzt“, wie es in dem Regelwerk heißt.
Ende Dezember wurde Markus Bucher, Leiter der Abteilung Personalentwicklung im Bischöflichen Ordinariat, mit der Wahrnehmung dieser Aufgabe betraut. Er bringt sein Ziel klar auf den Punkt: „Mein Anliegen ist es, mich in dieser Funktion möglichst überflüssig zu machen.“ Um dies zu erreichen, will Bucher ein Konzept erarbeiten, das potentielle Täter abschreckt. Dazu hat er bereits einen runden Tisch mit Kollegen aus den unterschiedlichen Abteilungen des Ordinariates ins Leben gerufen, die in ihren Funktionen mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. „Ihre Erfahrungen etwa in den Bereichen Jugendarbeit, Schule, Kindertagesstätte, Gemeindeseelsorge oder Chorarbeit sind für mich unbezahlbar – gerade bei einem so sensiblen Thema“, unterstreicht der Familienvater. Bucher nutzt das Gremium zum Austausch, aber auch für die Entwicklung von Ideen. Parallel dazu wälzt er zur Zeit Fachbücher und recherchiert im Internet.
Erste Maßnahmen gibt es bereits. So stehen im April/Mai erste Schulungen von Mitarbeitern in der Pastoral an, um sie in Sachen Vorbeugung von sexuellem Missbrauch intensiver zu qualifizieren und Hilfestellungen zu geben. Schulungsinhalte sind unter anderem Nähe und Distanz, emotionale und soziale Kompetenz, rechtliche Bestimmungen, Täterstrategien und nicht zuletzt Erläuterungen zur Selbstverpflichtungserklärung. Mit der Abgabe dieses Verhaltenskodexes verpflichtet sich der Mitarbeiter, alles zu tun, um Minderjährige vor sexuellem Missbrauch zu schützen. In einem weiteren Schritt sollen nach Angaben von Markus Bucher solche Schulungen auch auf Ehrenamtliche ausgeweitet werden.
Weitere Maßnahmen sind angedacht. Für deren Entwicklung möchte sich der Personalfachmann ganz bewusst Zeit nehmen. „Das Thema ist zu wichtig für Schnellschüsse“, stellt er klar. Dass er es ernst meint, zeigt sich auch an seinem Engagement jenseits seiner beruflichen Tätigkeit. Bucher arbeitet seit 2009 als Jugendschöffe am Speyerer Amtsgericht und erlebt dort häufig hautnah, „dass junge Menschen aus der Bahn laufen, weil in ihrer Kindheit so manches schief gegangen ist“. Wenn er an seine beiden Töchter denkt, so ist er davon überzeugt, dass er und seine Frau sie am besten vor Gewalt und sexuellem Missbrauch schützen können, „wenn wir sie zu selbstbewussten Menschen erziehen und zu ihnen ein enges Vertrauensverhältnis haben. Meine Kinder sollen spüren, dass sie mit uns über alles reden können“.
Über alles reden können, das ist Markus Bucher auch bei seiner Tätigkeit als Präventionsbeauftragter ein Anliegen. Deshalb steht er Fragen und Anregungen offen gegenüber. (pede)
Kontakt:
Markus Bucher
Telefon: 06232/102-149
Telefax: 06232/102-158
E-Mail: Markus.Bucher@bistum-speyer.de
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