Aus dem Bistum

Donnerstag, 10. August 2017

Es geht immer wieder eine Tür auf

Bischof feierte letzten Wallfahrtsgottesdienst auf dem Annaberg in diesem Jahr

Sehr gut besucht war auch der achte und letzte Wallfahrtstag zum Annaberg, traditionell mit Bischof Wiesemann zum Abschluss. Foto: Köpf

Zwei Radfahrer im mittleren Alter lehnten im Wald ihre Räder vor dem letzten steilen Anstieg gegen einen Baum: „Aus Wörth sind wir hergefahren“, sagte einer. „Dieser Anstieg raubt uns die letzten Kräfte.“ Wie etwa 500 Pilger vor ihnen, wollten auch sie rechtzeitig beim feierlichen Wallfahrtsamt vor der Kapelle zu Ehren der heiligen Mutter Anna sein. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann hielt am 8. August diesen letzte Wallfahrtsgottesdienst in diesem Jahr.

Viele hatten Erntegaben mitgebracht, die der Bischof segnete. Vor dem Altar standen Kürbisse, Blumen, in der Weingegend Südpfalz natürlich viele Flaschen mit edlen Tropfen. „Das passte gut in den Rucksack“, meinte eine Rentnerin. Als während des Gottesdienstes plötzlich starker Regen einsetzt, bot sie Umstehenden Schutz unter ihrem Schirm. 80 Ministranten des Dekanats Landau machten am Wallfahrtstag Dienst.

„Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig“, zitierte Pfarrer Matthias Pfeiffer aus dem Magnificat und führte in das Thema ein. Der Gottesdienst mit dem Bischof war der dritte an diesem Tag. Schon morgens um 6.30 Uhr waren die ersten auf den Annaberg gekommen. Danach folgte um 8 Uhr eine weitere Heilige Messe, Anbetung, Beichtgelegenheit, Kreuzweg.

Bischof Wiesemann predigte, Mut gehöre zum Leben und Glauben dazu. Es gehe um den Einsatz für eine gute und gemeinsame Sache. Der Bischof: „Mut haben, sich zu wagen. Das ist das Leben!“ Abraham sei uralt gewesen, dazu mit seiner Frau Sarah kinderlos, als er Gott begegnet sei, der im prophezeite, ,.dass er in ein Land kommt, wo Milch und Honig fließt, dass seine Nachkommen so viele sind, wie Sterne am Himmel“. Bischof Wiesemann zu den Jugendlichen: „Ich bin aus der Sicht von einigen von euch auch uralt.“ Im Alter würde man sich vieles überlegen, bevor man eine Entscheidung treffe. Er habe festgestellt, immer wieder gehe eine Tür auf. In seinem Leben habe er manchmal schon resigniert. „Doch dann kommt wieder eine Postkarte von irgendjemand und gibt mir Mut zum weitermachen.“

„Abraham steht gegen die Resignation“, betonte Wiesemann. Der Bischof stellte als positives Beispiel die in der NS-Herrschaft verfolgte Edith Stein heraus: „Selbst durch die finstersten Täler ist sie hindurchgegangen. “

Wiesemann bat darum, sich aktiv einzusetzen und nannte als Beispiel den Klimawandel. „Viele leben heute aus der Angst, zu kurz zu kommen!“ Doch zum Glauben gehöre auch, dass die Nächsten eine Zukunft haben.

Mittlerweile hatte der Regen richtig stark eingesetzt. „Kommen Sie wieder!“, sagte Pfarrer Pfeiffer. Von der St. Annakapelle aus habe man normalerweise einen herrlichen Blick über das Rheintal, der bis zum Odenwald und den Bergen des Schwarzwaldes reicht. Den Blick konnte man sich nur vorstellen. Jetzt war jeder nur noch über einen Regenschirm froh. (red)

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