Aus dem Bistum

Mittwoch, 13. Juni 2012

Lebenshilfe übernimmt Jugendstätte

Trägerschaft des Kardinal-Wendel-Hauses in Homburg wechselt zum 1. Januar 2013

Eine Ära geht zu Ende: Vor 50 Jahren wurde das Kardinal-Wendel-Haus eingeweiht; am 1. Januar 2013 trennt sich das Bistum von der Jugendeinrichtung. Foto: Pil

Die Zukunft des Kardinal-Wendel-Hauses in Homburg ist gesichert. Die Lebenshilfe im Saarpfalz-Kreis übernimmt die Jugendbildungseinrichtung der Diözese Speyer zum 1. Januar 2013. Das Bistum hatte vor zwei Jahren im Rahmen der Sparmaßnahmen die Schließung des Hauses zum 31. Dezember 2012 beschlossen, jedoch dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Zeit eingeräumt, um eine tragfähige Lösung zum Erhalt der Einrichtung zu finden.
BDKJ-Diözesanpräses Pfarrer Andreas Sturm zeigte sich im Gespräch mit dem „pilger“ erleichtert, gerade auch im Hinblick auf die sieben festangestellten Mitarbeiter und einen Auszubildenden, die alle vom neuen Eigentümer übernommen werden. „Ich habe eine regelrechte emotionale Achterbahnfahrt hinter mir“, beschreibt Sturm seinen Gemütszustand in den vergangenen zwei Jahren. „Schließlich trage ich gegenüber den Beschäftigten, die mir ans Herz gewachsen sind, Verantwortung.“ Gleichzeitig freut sich der BDKJ-Diözesanpräses, dass das Haus weiterhin für die kirchliche Jugendarbeit genutzt werden kann.
Der neue Träger möchte aus der Immobilie eine „Inklusive Bildungs-, Freizeit- und Wohneinrichtung“ machen. Heißt: Aus dem Gebäude entsteht ein Haus der Behindertenhilfe kombiniert mit einer Freizeit-, Bildungs- und Jugendstätte für kirchliche und sonstige Gruppen inklusive Übernachtung und Verpflegung.
Zu welchen Konditionen die Lebenshilfe das Kardinal-Wendel-Haus übernimmt, ist noch unklar. 2003 wurde die Einrichtung aufwändig umgebaut. Für die künftige Nutzung sind bauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit notwendig, was sich auf die Zahl der Zimmer auswirkt. So stehen den BDKJ-Mitgliedsverbänden, kirchlichen und sonstigen Gruppen künftig statt 88 lediglich noch 35 bis 40 Betten zur Verfügung. Für Andreas Sturm ein kleiner Wermutstropfen. Denn die Kapazität reicht nicht aus, um größere Schulungen von diözesanen Jugendverbänden anzubieten oder die BDKJ-Diözesanversammlung durch­zuführen.
Abhilfe erhofft sich der Seelsorger vor allem von der einzigen noch verbliebenen Jugendeinrichtung des Bistums Speyer, dem Jugendhaus St. Christophorus in Bad Dürkheim. Allerdings fehlt dort ein Raum, der hundert Menschen aufnehmen kann. Deshalb hat Sturm Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann den Vorschlag unterbreitet, die finanziellen Rücklagen, die für Investitionen in das Kardinal-Wendel-Haus gebildet wurden, nach der Veräußerung der Jugendeinrichtung für einen Anbau des St. Christophorus-Hauses zu verwenden. „Denn schließlich wird von den Verantwortlichen in der Diözese immer wieder betont, dass die Kinder- und Jugendarbeit Priorität hat und Prioritäten muss man spüren.“ Eine Entscheidung von Seiten der Diözese steht noch aus.
Froh ist Andreas Sturm, dass kirchliche Gruppen das Kardinal-Wendel-Haus in den nächsten fünf Jahren zu den gleichen Konditionen belegen können wie bisher. Auch bleibt ein großer Teil des Geländes hinter dem Gebäude, auf dem sich unter anderem der Sportplatz befindet, in Besitz der Diözese Speyer.
In welcher Form die Lebenshilfe selbst das Haus künftig nutzen wird, steht noch nicht fest. Wie Michael Immig, Geschäftsführer der Lebenshilfe im Saarpfalz-Kreis, auf Anfrage mitteilte, liegen mehrere Nutzungsalternativen auf dem Tisch. Dabei sei eine Option von der Entscheidung der saarländischen Landesregierung abhängig. Deshalb habe am vergangenen Dienstag mit einem Vertreter des Saarlandes eine Begehung vor Ort stattgefunden, um sich ein Bild von dem Haus zu verschaffen. (pede)

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