Aus dem Bistum

Donnerstag, 31. Mai 2012

Mehr Rückenwind, zusätzliche Belastungen

„Gemeindepastoral 2015“ im Test: Frauen und Männer der Projektpfarreien tauschen Erfahrungen aus

Treffen der Vertreter aus den Projektpfarreien mit Mitgliedern der Steuerungsgruppe von „Gemeindepastoral 2015“. Foto: hm

Startschwierigkeiten, Fragezeichen und offene Wünsche gibt es nach
wie vor, aber trotzdem herrscht
Aufbruchstimmung.


Das zeigte sich beim ersten Reflexionstreffen am 24. Mai im Bildungshaus Maria Rosenberg: Hauptamtliche Seelsorgeteams und ehrenamtliche Gremienvertreter der vier Projektpfarreien kamen dort mit den Gemeindeberatern und der Steuerungsgruppe für den Prozess „Gemeindepastoral 2015“ zusammen. Der Austausch über die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Seelsorgekonzept stand auf der Agenda. In Germersheim, Homburg, Kaiserslautern sowie Queidersbach wird die Seelsorge an den künftigen Vorgaben und Standards ausgerichtet und Erfahrungen für die weitere Arbeit des Prozesses gesammelt, bevor ab Ende 2015 alle künftigen 70 Pfarreien im Bistum danach arbeiten sollen.
Die Kooperation in der neuen, größeren Pfarrei über die bisherigen Gemeindegrenzen hinaus wird von den meisten Mitarbeitern als Bereicherung und Horizonterweiterung erlebt. Man lerne jetzt mehr Gleichgesinnte kennen und spüre mehr Rückenwind, hieß es dazu von ehrenamtlicher Seite. Die Neukonzeption bringe erkennbare Gewinne für die Seelsorge mit sich, bis hin zu einem vielfältigeren Gottesdienstangebot für unterschiedliche Zielgruppen. „Es ist schön, einmal wieder volle Kirchen zu erleben“, äußerte eine Teilnehmerin. Problemlösungen werden in einem größeren Verbund einfacher, neue Vernetzungen von Arbeitskreisen, Sachausschüssen und Interessengruppen entstehen. Die Seelsorger und Seelsorgerinnen erleben die Teamarbeit als Gewinn, und auch die Pfarrsekretärinnen, die als Team im Zentralbüro arbeiten, fühlen sich nicht mehr als Einzelkämpferinnen. Die Arbeit mit gemeinsamen Konzepten, zum Beispiel in der Katechese, bringe Entlastung, so die Seelsorger.
Der Wermutstropfen: Haupt- wie Ehrenamtliche sprechen von deutlichem Mehraufwand. „Es ist eine handfeste zeitliche Belastung“, betonte eine ehrenamtlich Engagierte. Die nötigen Abschiede von Althergebrachtem in den Gemeinden erforderten viele Gespräche, um Entscheidungen zu erklären und Trauerarbeit zu leisten. Das erfordere Zeit und viel Energie. Gerade die Ehrenamtlichen beklagen die Häufung der Sitzungen, die durch (satzungsbedingte) Mehrfachmitgliedschaft in unterschiedlichen Gremien kommt. Angenehm sei die Reduktion der Verwaltungsräte – unangenehm dagegen die erforderlichen Mammutsitzungen, weil das eine Gremium nun eine weitaus größere Zahl von Themen behandeln muss. „Das stellt hohe Anforderungen an die Moderation und braucht sehr viel Vorbereitung“, so ein Pfarreiratsmitglied.
Zwar wird die Unterstützung in den Projektpfarreien durch jeweils zwei Gemeindeberater sehr gelobt und als Entlastung empfunden, doch erging auch der deutliche Appell an die Steuerungsgruppe, Entlastung durch Veränderung der Satzungen und Regelungen zu schaffen.
Darum war die Begeisterung wohl überschaubar, als Dr. Thomas Kiefer von der Abteilung Gemeindeseelsorge die Arbeiten an einer Pfarreianalyse und einem Pastoralkonzept für die Pfarrei vorstellte. „Wir haben um Entlastung gebeten, stattdessen packt man uns hier noch was drauf“, hieß es von ehrenamtlicher Seite. Kiefer und Generalvikar Dr. Franz Jung sehen in den beiden Maßnahmen Werkzeuge, um mehr Menschen mit seelsorglichen und kirchlichen Angeboten zu erreichen. „Es geht darum zu fragen, wo sind die Menschen, die uns brauchen als Kirche.“ Für die Antworten in Analyse und Konzeption hätten die Projektpfarreien nun ein bis eineinhalb Jahre Zeit, betonte Kiefer.
Die Pfarreien mahnen verschiedentlich Unterstützung seitens der Diözese an – nötig etwa sei eine Klärung der Zuständigkeiten für die einzelnen Gremien. Die Ehrenamtlichen erwarten mehr Motivierung und Schulung, die Seelsorger bedauern, dass in der größeren Einheit weniger Zeit bleibt für persönliche Kontakte zu den Gläubigen. „Der Pfarrer kommt in den neuen Gemeinden zu wenig vor“, lautet eine Erfahrung. Entsprechend dringend gefordert wird eine Entlastung in der Verwaltung für die Leitenden Pfarrer. Andererseits beklagen Ehrenamtliche auch, dass ihre Fähigkeiten und Interessen zu wenig genutzt würden: „Es wird bei ,Gemeindepastoral 2015‘ zu sehr von den Hauptamtlichen her gedacht, daher haben die Ehrenamtlichen zu wenig Handlungsspielraum.“ Angefragt wurden etwa Ausbildungen im liturgischen Bereich, zumal die Aufwertung der Wort-Gottes-Feiern vor allem in ländlichen Gemeinden auf der Wunschliste oben steht.
Generalvikar Dr. Franz Jung zog am Ende des Treffens ein Resümee. „Ich sehe eine hohe Motivation, dieses Projekt zu stemmen, dafür bin ich sehr, sehr dankbar.“ Es sei ein steiniger Weg zu einem Gemeinschaftsgefühl in den neuen Pfarreien, aber die Chancen des Miteinanders würden von den Engagierten wahrgenommen werden. „Die Frage bleibt aber auch, wie man alle in den Gemeinden zusammenbekommt – die, die das Neue wollen und die, die dem Alten nachtrauern und auch leiden.“ (Redaktion)

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