Aus dem Bistum

Donnerstag, 12. Juli 2012

Ökumene bleibt herausforderndes Thema

Dr. Thomas Stubenrauch: Neuer Ökumene-Referent sieht sich vor allem als Begleiter der Gemeinden

Fühlt sich im Bistum Speyer mit großer Offenheit und Freundlichkeit aufgenommen – der neue Ökumene-Referent Dr. Thomas Stubenrauch. Foto: Landry

Dr. Thomas Stubenrauch ist begeistert: „Es ist toll, wie freundlich ich im Bischöflichen Odinariat und in der Diözese ingesamt aufgenommen worden bin“, schwärmt der 40-jährige Theologe. Seit 1. März ist er Referent für Ökumene und Theologische Grundsatzfragen im Bistum Speyer – als Nachfolger von Michael Schmitt, der über viele Jahre das Feld der Ökumene in Pfalz und Saarpfalz beackert hatte. Die erste Zwischenbilanz des neuen Referenten fällt durchweg positiv aus. „Man merkt an ganz vielen Stellen, dass ein gutes ökumenisches Miteinander selbstverständlich ist“, stellt Thomas Stubenrauch fest.
Der 40-Jährige stammt aus Breitenbrunn in der Oberpfalz. Er wurde geradezu in die Kirche „hineingeboren“, war sein Vater doch Mesner und die  sechsköpfige Familie insgesamt kirchlich vielfach engagiert. Er studierte Theologie in Eichstätt, Trier und Rom, wo er in der Begegnung mit orthodoxen Kirchen erste Erfahrungen in der Ökumene sammeln konnte. Er hat Liturgiewissenschaft und Kirchenrecht studiert, „wo es viele interessante Schnittmengen gibt“, wie er festgestellt hat.  Während seines Studiums in Eichstätt zählten die Speyerer Theologen zu seinen Kommilitonen, so dass er in seinem jetzigen Arbeitsfeld „auf das ein oder andere bekannte Gesicht trifft“. 
Fast erwartet hat Stubenrauch die Frage, welche Berührungspunkte und Erfahrungen ein Theologe aus dem katholischen Bayern mit der Ökumene hat. Er habe mehrere Jahre in Neuendettelsau, dem „evangelischen Rom Bayerns“, als Pastoralassistent gearbeitet, erläutert Stubenrauch. Die Stadt sei Sitz der Augustana-Hochschule und damit einer der Studienorte für evangelische Theologie im Freistaat; zudem beherberge sie eine große Diakonie-Einrichtung. Da der katholische Bevölkerungsanteil bei nur 12 Prozent liegt, geschehe vieles an kirchlicher Arbeit in ökumenischer Zusammenarbeit. 
„Das war für mich ein gutes Lernfeld“, so der Theologe. „Die besondere Liebe der evangelischen Brüder und Schwestern zum Wort Gottes habe ich hier besonders schätzen gelernt.“ Auch das Zeugnis der  vielen Hauskreise der evangelischen Christen habe ihn beeindruckt, fügt Stubenrauch hinzu, um dann von seinen Religionslehrer-Erfahrungen – im ebenfalls überwiegend evangelischen Gunzenhausen – zu berichten. „Das Interesse der jungen Menschen an Fragen des Glaubens und am Christentum ist da“, so Stubenrauch, in dessen Überlegungen der „Zeugnisgedanke“ immer wieder auftaucht. „Das gemeinsame Zeugnis der Christen, gerade angesichts der großen Herausforderungen einer säkularisierten Gesellschaft, ist von zentraler Bedeutung. Wir dürfen uns nicht ausei-nanderdividieren lassen“, betont er. Mit Blick auf die noch trennenden Elemente und die Unterschiede zwischen den Konfessionen hält es Stubenrauch mit einer „Ökumene der Gaben“ (Nikolaus Schneider). Offenheit zu gegenseitiger Bereicherung und zugleich auch ein festes eigenes Fundament bzw. eine Verwurzelung im eigenen Glauben führe weiter auf dem Weg zur Einheit, ist er sich sicher.
Mit dem Dienstantritt von Thomas Stubenrauch hat sich die Zuordnung des Arbeitsbereichs Ökumene im Bischöflichen Ordinariat geändert. Er ist jetzt der Hauptabteilung I (Seelsorge) zugeordnet, um die pastorale und gemeindepraktische Dimension der Ökumene noch stärker zu betonen. Die Kontaktpflege zu den anderen Kirchen im Bistumsgebiet, die Gremienarbeit – zum Beispiel in der Ökumene-Kommission oder der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK-Region Südwest) sowie die Bearbeitung von Verwaltungsvorgängen – etwa im Zusammenhang mit  ökumenischen Gottesdiensten am Sonn- und Feiertag – werden weiter wichtig sein. Verstärkt werde er dabei die ökumenische Arbeit vor Ort begleiten, Materialien wie Gottesdienstmodelle bereit stellen, beim Abschluss  von Vereinbarungen ü̈ber die ökumenische Zusammenarbeit zwischen Pfarrgemeinden helfen, so der neue Ökumene-Referent. Auf der „Agenda“ stehe auch,  ökumenisch relevante Themen – etwa durch Studientage – aufzugreifen.
Auch bei seinem zweiten Aufgabenbereich „Theologische Grundsatzfragen“ gehe es vor allem darum, pastorale Prozesse – zum Beispiel im Kontext von „Gemeindepastoral 2015“ –  theologisch zu begleiten sowie zentrale Glaubensaussagen fruchtbar zu machen fü̈r die Seelsorge in den Pfarreien, Verbänden und kirchlichen Gemeinschaften. Ein „Inquisitor“ werde er keinesfalls sein, fügt Stubenrauch augenzwinkernd hinzu, der zwischen seinen beiden Arbeitsgebieten große Schnittmengen sieht. Wichtig ist Stubenrauch dabei zu vermitteln, dass die „heißen Eisen“ der Ökumene, z.B. die Frage nach der Zulassung evangelischer Christen zum Kommunionempfang, in einem Beziehungsgeflecht von Glaubenslehre, Kirchenrecht und pastoraler Praxis zu sehen sind. 
Bei allen bisherigen Begegnungen habe er einen „großen Vertrauensvorschuss und viel Offenheit“ gespürt – auch auf evangelischer Seite. Er profitiere dabei sehr von der  Arbeit seines Vorgängers Michael Schmitt, die ihm noch viele Wege ebne. So kann sich der neue Ökumene-Mann ganz auf die kommenden Wochen freuen. Denn dann folgen ihm seine Frau und seine zweijährige Tochter nach Speyer.   

Kontakt: Dr. Thomas Stubenrauch, Referent für Theologische Grundsatzfragen und Ökumene, Telefon 06232/102230, E-Mail: thomas.stu benrauch@bistum-speyer.de

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