Aus dem Bistum

Donnerstag, 02. August 2012

Wertvolles Dokument

In Schifferstadt nach 80 Jahren eine Postkarte von Edith Stein wiederentdeckt

Diese Postkarte sandte Edith Stein ins Pfarrhaus von Mörsch. Sie schreibt: „Pax! Münster i.W., 17.11.32, Collegium Marianum. Liebes Fräulein Schwind, Ihr lieber Gruß kam gerade recht, um meine Namenstagswünsche auf den richtigen Weg zu leiten. Ich nehme an, daß Sie den gemeinsamen Namenstag mit Fräulein Schmitz zusammen feiern werden und darf Ihnen darum wohl auch zusammen gratulieren und für Ihre Karte danken. Gehen Sie recht gestärkt nach der Kur heim und nehmen Sie, bitte, allen im Pfarrhaus zu Mörsch meine herzlichen Grüße mit. In treuem Gedenken Ihre Edith Stein.“ Foto: Specht

In einem alten Buch ist in Schifferstadt eine handgeschriebene Postkarte der heiligen Edith Stein entdeckt worden. Private Zeugnisse der Heiligen sind selten – inzwischen befindet sich das Dokument im Speyerer Bistumsarchiv. Edith Stein schrieb die Zeilen einst an die 
Nichte ihres Beichtvaters.


Der aus Schifferstadt stammende, Speyerer Generalvikar Joseph Schwind (1851 bis 1927) war der Seelenführer Edith Steins. Die Konvertitin betrachtete ihn als ihren geistlichen Vater. Ohne seinen Rat traf sie keine wichtige Entscheidung. Schwind bemühte sich nicht nur um die wissenschaftliche und religiöse Entwicklung seines Schützlings, sondern verschaffte Stein die Stelle als Lehrerin an der Mädchenschule der Dominikanerinnen in Speyer. Edith Stein nahm ihre Wohnung im Pfortenhaus des Klosters St. Magdalena, in unmittelbarer Nähe des Domes und der Wohnung Schwinds. Immer mehr wuchs sie in die Familie Joseph Schwinds hinein. Ein besonderes Verhältnis entwickelte sich dabei zu seinen beiden ledigen Nichten Anna und Lisette Schwind, die dem Prälaten den Haushalt führten, sowie zum Neffen Konrad Schwind (1898 bis 1976), der 1923 ebenfalls Priester wurde.
Auch nach dem Tod von Domkapitular Joseph Schwind riss Edith Steins Kontakt zur Familie ihres Seelenführers nicht ab, wenngleich sie Speyer 1931 verließ und nach Münster ging. Bis zu ihrem lang ersehnten Eintritt ins Karmeliterkloster Köln-Lindenthal besuchte sie öfter den Priester Konrad Schwind und seine beiden Schwestern Anna und Lisette – die ihm in Schweix sowie in Mörsch bei Frankenthal den Haushalt führten, wo der Geistliche als Ortspfarrer wirkte. Edith Steins Aufnahme in den Kölner Karmel erfolgte am 15. Oktober 1933. Zur Einkleidungszeremonie erbat sich Stein die Anwesenheit eines Mitgliedes der Familie Schwind, weshalb Lisette Schwind daran teilnahm.
Konrad Schwind blieb mit seinen Schwestern über 30 Jahre lang als Pfarrer und Dekan im Mörscher Pfarrhaus wohnen. Seine Nichte Anneliese Gerbes, die heute in Schifferstadt lebt – vom dortigen Bahnhof ist auch das letzte Lebenszeichen Steins bekannt  –, wuchs großteils dort auf. In einem alten Buch ihres Onkels Konrad hat sie vor einiger Zeit überraschend eine handgeschriebene Postkarte der Heiligen gefunden. Anlass des kleines Briefes von Edith Stein war der Namenstag Lisette Schwinds am 19. November 1932. Möglicherweise gehörte zu dem Brief auch eine Zierseite, die aber fehlt. Der handgeschriebene Text ist knapp 80 Jahre, nachdem Edith Stein ihn geschrieben hat, jedoch vollständig erhalten geblieben.
Von dem Zufallsfund erfuhr Joachim Specht, der in Neustadt Organisator für die dortige Gemeinde des tridentinischen Ritus’ ist. Die Verbindung kam über das Mörscher Pfarrhaus zustande, wo bis zu seinem Tod im Jahr 2004 der Geistliche Raymond Arnette lebte. Er hatte bereits früh einen Kreis von Anhängern des alten Gottesdienstritus um sich geschart, zu dem Specht und Gerbes zählten. Joachim Specht hat sich nun dafür eingesetzt, dass das Schreiben Steins dem Bistumsarchiv übergeben wird. Eines der ganz seltenen schriftlichen Zeugnisse der Heiligen ist somit für die Zukunft sicher verwahrt. (Redaktion)

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