Geistliches Leben

Donnerstag, 16. August 2012

Ganz eins mit Jesus Christus

Wer sich ihn und ihm „einverleibt“, hat schon jetzt das ewige Leben – Gedanken zum Johannes-Evangelium 6, 51–58 von Pfarrer i.R. Monsignore Ernst Roth

Im Anschluss an die große „Brotrede“ in der Synagoge zu Kafarnaum (Evangelium des letzten Sonntags), die in dem Wort gipfelt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“, führt Jesus seine Hörer auf eine höhere Stufe. Er schließt eine Rede an über die kommende Eucharistie, die er im Abendmahlsaal einsetzen wird. „Das Brot, das ich geben w e r d e , ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“
Die Frage ist, ob Jesus den Hörern in der Synagoge diese Rede mit den harten Worten: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch“ ohne weitere Erklärung zugemutet hat. Wohl kaum. Denn seine Hörer damals konnten noch nichts von der Gabe der Eucharistie „Leib und Blut Christi“ ahnen. Folglich sehen sie sich aufgefordert zu einem physischen Essen und Trinken und streiten und widersprechen verständlicherweise: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“
Die Lösung kann nur sein, dass der Evangelist Johannes die mündlich überkommene Rede Jesu interpretiert und mit seinen Worten, eben in „johanneischer Diktion“, darstellt.
Dabei spricht und schreibt Johannes für seine Christengemeinde und für die Kritiker und Zweifler seiner Zeit, etwa um das Jahr 90 nach Christus, wie für alle zukünftigen Leser. Von der sonntäglichen Eucharistie-Feier her ist der johanneischen Gemeinde das Wandlungswortb vertraut: „Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, ... trinket alle daraus, das ist mein Blut.“
Bewusst ersetzt Johannes das Wort „Leib“ durch das Wort „Fleisch“. „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch.“ Warum? Es gab zu seiner Zeit eine Strömung, die die Menschwerdung Jesu in Frage stellte und glaubte, der Gottessohn sei nicht wirklich Mensch geworden; er habe nur einen „Scheinleib“ gehabt. Dagegen setzt Johannes schon im Prolog den Vers: „Und das Wort ist Fleisch geworden“, und spricht auch hier in der eucharistischen Rede vom „Fleisch und Blut des Menschensohnes“. Er will unterstreichen: Jesus Christus, der Träger göttlichen Lebens, war ein Mensch aus „Fleisch und Blut“, der die irdische Existenz bis zum Tod durchlebt hat.
Nach seiner Auferweckung, erhöht zur Rechten des Vaters, wird der himmlische Menschensohn zum Übermittler göttlichen Lebens. In der Feier der Eucharistie wird er für uns gegenwärtig in den Zeichen von Brot und Wein und wir empfangen das „geisterfüllte“ Fleisch und Blut des
Menschensohnes, das uns Teilhabe gibt an seinem göttlichen Leben.
Nach Johannes bestärkt Jesus mit einem feierlichen Amen, Amen: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst, ... habt ihr das Leben nicht in euch!“ Das bedeutet: Die gläubige Teilnahme an der Eucharistiefeier der Gemeinde ist heilsnotwendig für das „Leben“.
Oder anders: Wer die eucharistische Speise nicht annimmt oder ablehnt, bekennt sich nicht zum menschgewordenen Christus und hat damit das „Leben“ nicht in sich. Das ist nicht nur den Hörern damals gesagt; das gilt ebenso uns heute und für die Menschen aller Zeiten. Immer ist unser Bekenntnis und Glaubenszeugnis gefragt, und immer wird es auch das „Murren“, das Unverständnis und den Widerspruch geben, wie ich ihn in einer Gesprächsrunde noch vor drei Wochen erlebt habe: „Die Christen behaupten ja, man solle das Fleisch Jesu essen!“ Anstoß und Ärgernis bleiben. „Die Möglichkeit des Ärgernisses ist der Scheideweg. Man biegt entweder zum Ärgernis ab oder zum Glauben. Aber man gelangt nie zum Glauben ohne durch die Möglichkeit des Ärgernisses“ (Sören Kierkegaard).
„Wer immer mein Fleisch isst, ... der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Der Empfang der Heiligen Kommunion stiftet und erhält die innigste Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem menschgewordenen Gottessohn. Er in uns und wir in ihm. Eine unsichtbare und doch reale Lebensgemeinschaft, uns geschenkt in der Heiligen Eucharistie. Wie in der göttlichen Lebensgemeinschaft der Sohn durch den Vater lebt, so hat der Jünger das „Leben“ durch den Sohn Jesus Christus. Wenn wir mit unserem Glauben „in ihm“ bleiben, gibt der Gottessohn uns Teilhabe an seinem göttlichen Leben, in der Gegenwart verborgen, offenbar am Ende unseres irdischen Lebens.

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