Geistliches Leben

Donnerstag, 26. Juli 2012

Jesus – wer ist er für uns?

Bewegt uns diese Frage noch? – Gedanken zum Johannes-Evangelium 6, 1–15 von Pastoralreferent Claus Kasper

Wieder einmal geht es – wie so oft und immer wieder im Neuen Testament – um die Frage nach dem Wesen und Sein dieses Jesus von Nazareth. Wer ist er eigentlich? Was macht ihn so besonders? Warum ist Er der Prophet, der kommen soll und auf den alle warten? Was macht Jesus zum „Christus“, zum Befreier und Retter?
Diese Fragen haben immer wieder Menschen zum Nachdenken, Fragen und Hoffen gebracht. Die Menschen des Neuen Testaments waren erfüllt von diesen Fragen nach dem Wesen und Sein Jesu. Wer ist dieser Mann? Woher stammt er, dieser Prophet, von Maria geboren? Ist er mehr als ein Mensch? Dieser Mann aus Nazareth – mehr als ein Prophet, mehr als Moses, mehr als ein Mensch?
Zwischenfrage: Und wir heute, Sie und ich, haben wir diese Fragen (noch) in uns? Wer Jesus ist und was er uns bedeutet? Ist das in uns eine Frage, löst das in uns Nachdenken, Suchen und Hoffen aus?
Das Evangelium von diesem Sonntag kreist um die zentrale Frage nach dem Wesen und Sein Jesu. Wer ist Jesus eigentlich? Auf diese Frage will die Erzählung von der wunderbaren Brotvermehrung Antwort geben. Die Erzählung ist bekannt : ein kleiner Junge, fünf Brote und zwei Fische, fünftausend Menschen. Jesus betet zu Gott, alle werden satt, zwölf Körbe mit Brotstücken bleiben übrig. Unfassbar! Ein Wunder! Ein Zeichen!
Für die Menschen zur Zeit Jesu ist dieses  Zeichen der Brotvermehrung ein deutlicher Hinweis auf das Wesen und Sein Jesu: wer das kann, ist ein Prophet und ist mehr als ein Prophet.
Hier ist der Blick auf die alttestamentliche Lesung von diesem Sonntag (zweites Buch der Könige 4,42–44) sehr aufschlussreich. Der Gottesmann Elischa lässt Brot an hundert Menschen austeilen und alle werden satt, und es bleiben noch Brotstücke übrig. Die Parallelen zum Evangeliumstext sind erkennbar. Wichtig ist folgendes: Die Menschen zur Zeit Jesu wissen aus den Schriften des Alten Testamentes, dass ein wahrer Prophet Nahrung geben kann. Elischa kann hundert Menschen Nahrung geben, das ist ein Wunder, ein Zeichen und Hinweis darauf, dass er mit Gottes Kraft wirkt.
Doch hier und jetzt – davon ist der Verfasser des Evangeliums überzeugt – hier und jetzt ist einer, der mehr ist als Elischa, einer, der fünftausend Menschen Nahrung geben kann, einer, der also ein noch größerer Prophet ist, nämlich der von allen erwartete und erhoffte Prophet, der in die Welt kommen soll. Jetzt ist er da, Er ist es, dieser Jesus ist es: er kommt von Gott und kann allen Nahrung geben: Segen und Heil von Gott.
Wer Jesus ist? Diese Frage findet im Evangelium von diesem Sonntag eine klare Antwort: Jesus ist mehr als die Propheten des Alten Testamentes, Jesus ist der erwartete Prophet, Jesus ist der „Christus“. Anders formuliert: Jesus ist nicht nur einer der „maßgebenden Menschen“ – wie z.B. Karl Jaspers sagt – sondern er ist der letztlich Maßgebende, der wirklich Entscheidende für das Heil des Menschen.
Zurück zur Zwischenfrage: Und wir heute, Sie und ich, können wir im Herzen dieser Antwort auf die Frage nach der Bedeutung Jesu zustimmen? Ist Jesus  für uns der „Christus“, der „letztlich Maßgebende“, oder ist er (nur) einer der „maßgebenden Menschen“? Löst diese Frage nicht doch immer wieder in uns ein Nachdenken, Suchen und Hoffen aus?
Entscheidend für die Antwort auf die Frage nach Jesu Bedeutung für unser Leben wird sein, welche Erfahrung unser Herz gemacht hat: Hat Jesus unserem Herzen Nahrung gegeben, die uns satt machen konnte? Der wahre Prophet – so haben die biblischen Texte betont – kann doch Nahrung geben, Nahrung, die satt macht, die stärkt und aufrichtet. Zu wem gehen wir mit hungriger Seele, wohin wenden wir uns in Unruhe und Not, welcher ist der wahre Prophet, der Nahrung gibt, die unser Herz braucht?
Die Antwort, zu der uns das Evangelium von diesem Sonntag ermutigen will, lautet: der wahre Prophet, der starke Halt, die lebendige Quelle, die wahre Speise für unser Leben ist Jesus, dieser Jesus, der fünftausend Menschen Nahrung gegeben hat und auch uns Nahrung geben kann, nach der wir verlangen. Jesus kann uns stark machen. Jesus ist der „Christus“, er kann uns geben, worum wir ihn im Gebet bitten. Glauben wir das?

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