Wo er hin kommt, erregt er Aufsehen. Jesus ist ein „Promi“. Wo immer er auftritt, „beobachtete man ihn genau“. Nur unterscheidet ihn eines ganz wesentlich von „Promis“: Es geht ihm nicht um ihn, sondern um das Reich Gottes und darum, wie die Menschen da hinein gelangen können. Seinerseits beobachtet auch Jesus genau, was um ihn herum geschieht, um seine Botschaft vom Reich Gottes an ganz Konkretem im Leben der Menschen anzuknüpfen.
Jesus ist zum Essen eingeladen, es ist ein „großes“ Mahl, es kommen viele, es gibt eine Tischordnung, es gibt Ehrenplätze. Von zwei Beobachtungen Jesu erzählt das Evangelium. Die erste: der Gastgeber hat nur „seinesgleichen“ eingeladen. Jesus hält dagegen: Das ist doch nur ein gegenseitiges Tauschgeschäft! Lädst du aber „Arme, Krüppel, Lahme und Blinde“ ein, kannst du von ihrer Seite sicher keine Einladung erwarten; nur das aber „wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten“. Die zweite: die Gäste streben zu den Ehrenplätzen. Jesus hält dagegen: Das ist überheblich; es geht nicht darum, wie hoch ich mich ansetze, sondern wie der Gastgeber mich einschätzt; besser ist zu warten, welchen Platz er mir einräumt.
Was Jesus sagt, ist klug, eigentlich recht klar; mit dem Reich Gottes hat dies noch nichts zu tun. Oder doch? Zunächst ist der Gastgeber nicht irgendjemand, sondern ein „führender Pharisäer“ (und die anderen Gäste werden auch nicht „Ohne“ sein, „seinesgleichen“ eben); der wird also besonders streng darauf achten, ob Jesus sich an die Vorschriften hält. Und dann ist dieses Essen nicht irgendein Essen, sondern ein Sabbatmahl, das an die besondere Nähe Gottes erinnert und sie in gewisser Weise gegenwärtig setzt. Dieser „führende Pharisäer“, schriftkundig wie niemand sonst, hat (vielleicht) die Verheißung des „Herrn der Heere“ im Hinterkopf, er werde „ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen“. Und viel mehr noch: „Er beseitigt den Tod für immer, Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht“ (Buch Jesaja 25, 6.8). Ist dies nicht eine große Vision vom Reich Gottes, das Jesus so oft, solche alttestamentlichen Bilder aufgreifend, mit dem Hochzeitsmahl des Königssohnes und gar mit dem himmlischen Festmahl vergleicht, dessen Gastgeber Gott selbst ist?
Jetzt wird schlagartig klar, welche Tragweite „die Lehre“ hat, die Jesus hier erteilt. Noch sehr viel deutlicher wird dies, wenn wir die beiden Texte hinzu nehmen, in die das Evangelium dieses Sonntags eingebunden ist (die nicht gelesen werden). Jesus beginnt das Essen mit einem Paukenschlag: Er heilt einen Mann, der an Wassersucht litt, einer Krankheit, die nicht akut lebensbedrohlich ist, also bis nach dem Sabbat hätte warten können; am Sabbat zu heilen, war ja verboten. Jesus schert sich nicht darum, er heilt. Das ist Jesu Lehre: Immer hat der Mensch, gerade der arme, leidende, Vorrang (auch vor dem Sabbat): dass er heil sei, will Gott (Lukas-Evangelium 14,2–6).
Und dann – um dies zu unterstreichen – bringt Jesus auch noch sein Gleichnis vom Festmahl, jetzt ausdrücklich: vom Festmahl ihm Reich Gottes (Lukas-Evangelium 14,15–24), das voller Provokationen steckt: die Geladenen (der „führende Pharisäer“ mit seinesgleichen Gästen muss sich angesprochen wissen) kommen erst gar nicht, obwohl es ein großes Fest ist und Ehren(Plätze) winken; statt ihrer holt der Gastgeber nun Menschen von der Straße heran, eben die „Armen, Krüppel, Blinden und Lahmen“, die normalerweise nicht bei Festmählern und auf Ehrenplätzen zu finden sind. Es kommt allein darauf an, der Einladung Gottes, der nicht nach Rang und Namen, nach Verdienst und Leistung fragt, zu folgen.
Wer jedoch jetzt mitleidig oder gar schadenfroh auf den „führenden Pharisäer“ (und seinesgleichen) herab schaut, hat von diesem Evangelium (und der gesamten Botschaft Jesu vom Reich Gottes) nichts begriffen. Denn Jesus verurteilt den Pharisäer nicht, er rückt aber dessen Auffassung von Gottes Wollen und Handeln zurecht; Gottes Gesetz ist gut, schlecht ist nur, wie es oft gegen Gott selbst ausgespielt wird – damals wie heute. Gott schaut eben nicht auf gesellschaftlichen Stand und menschliche Leistung, sondern allein auf die Bedürftigkeit nach Heil; wer der Gnade bedürftig ist (das sind auch die, die auf Gottes Gebote genau achten, ganz nach ihnen ihr Leben ausrichten und vieles an Werken der Frömmigkeit leisten), wird von Gott eingeladen zum himmlischen Festmahl. Es wird darauf ankommen, ob ich seiner Einladung folge. Ich weiß, ich werde sagen: Ja, Herr, ich komme!
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