Geistliches Leben

Donnerstag, 09. August 2012

Wer Jesus wirklich ist

Es geht um nichts weniger als ums Leben und Überleben – Gedanken zum Johannes-Evangelium 6, 41–51 von Pfarrer i.R. Monsignore Ernst Roth

Nach der Speisung der Fünftausend, bei der – nach Johannes – Jesus selbst es ist, der das Brot austeilt, suchen die Leute Jesus in der Erwartung, dass das „Goldene Zeitalter“ angebrochen ist. Sie wollen ihn gar zu ihrem König machen, weil sie unter ihm ein gutes, sorgloses Leben erhoffen.
Sie verstehen die wunderbare Brotvermehrung als Wiederkehr der göttlichen Manna-Speisung auf der Wüstenwanderung der Väter. Als sie Jesus finden in der Synagoge zu Kafarnaum, bitten sie ihn: „Herr, gib uns immer dieses Brot!“ Als Antwort hält Jesus die große „Brotrede“, die in den Worten gipfelt: „Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel, ... das der Welt das Leben gibt. ... Ich bin das Brot des Lebens.“
Das ist das Unerwartete und überraschend Neue: Jesus offenbart sich als Sohn Gottes, vom Vater gesandt, um allen, die den Sohn sehen und an ihn glauben, ewiges Leben zu schenken.
Das ist enttäuschend und zugleich schockierend für die Volksmenge. Sie wollten materielles Brot für ein angenehmes Leben, – und nicht „ihn“. Und vor allem: Sie sehen den Menschen Jesus vor sich, dessen Familie und Herkunft sie kennen, und sollen nun glauben, er sei „aus dem Himmel“ herabgekommen. Nicht ein Prophet, der Mensch ist und im Namen Gottes handelt und spricht! Nein, er sei „aus dem Himmel!“ Das ist zu viel! Dagegen murren sie, dagegen begehren sie auf. Kann man es ihnen nicht nachempfinden?
Überraschend spricht hier der Evangelist nicht von „der Menge“ oder „den Galiläern“,sondern er erweitert den Kreis und spricht von „den Juden“, die murren. Johannes meint damit auch nicht nur das jüdische Volk, sondern all jene Menschen aller Zeiten, bis zum heutigen Tag, die sich an dem Paradox Jesu „aus dem Himmel herab – und von irdisch-historischer Herkunft“ stoßen und die Person und Offenbarung Jesu ablehnen. Jesus geht inhaltlich auf das Murren der Zuhörer nicht ein. Er lässt das Paradox des Glaubens stehen. Er kommt ihnen nicht mit einer Erklärung entgegen, ist und bleibt es nicht immer unerklärbares, nicht zu fassendes Geheimnis?
Auch für uns Christen bleibt es das zentrale Geheimnis, das wir mit unserem Verstand nicht erfassen und erhellen, sondern nur im Wagnis des Glaubens annehmen können. Immer wird es das „Murren“, den Zweifel und den Widerspruch geben. Auch wir selbst werden von dieser Versuchung im Laufe unseres Lebens nicht verschont bleiben. Doch darauf basiert unser ganzes Christsein, dass wir mit dem Herzen glauben und bekennen: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Johannes-Evangleium 1,14). Wir können nur darum bitten, dass uns der „Vater“ immer wieder „zieht“, zu Jesus hinführt.
„Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus. Im Orient war in der Antike das Brot das Grundnahrungsmittel schlechthin. Ja „Brot“ stand ganz allgemein für Nahrung und Lebensunterhalt. Mangel an Brot war immer Ursache für Hungersnöte. Daher auch die Vaterunser-Bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ „Brot“ weist hin auf die natürliche Existenz des Menschen: Nahrung aufnehmen, satt werden, wachsen und am Ende sterben. Doch der tiefe Lebenshunger im Inneren des Menschen geht darüber hinaus. Er will Wachstum und Leben über Zeit und Raum hi-naus in einer unvergänglichen Gestalt in Glück und Harmonie. Für dieses ersehnte Leben über das Irdische hinaus haben wir kein „Brot“, kein Mittel, das uns das Ziel erreichen ließe. Es kann uns nur geschenkt werden.
Jesus, aus „dem Himmel herabgekommen“, aus der Welt der Unsterblichkeit, die wir ersehnen, schenkt uns dieses Brot, das „lebendige Brot“, das uns Leben spendet für die Ewigkeit. Jesus selbst, er in seiner Person, ist das Lebensbrot. „Von diesem Brote essen“ will sagen: Zu Jesus kommen, an ihn glauben und mit ihm gehen. Beim Manna in der Wüste galt: Essen und sterben. Radikal anders ist es mit dem Brot, das Jesus gibt. Hier gilt: Essen und leben in Ewigkeit. So notwendig das Brot für das tägliche Leben ist, ebenso heilsnotwendig ist für uns das „Brot des Lebens“, ist die Gemeinschaft mit Jesus Christus für das ewige Leben in der Herrlichkeit Gottes.

 

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