
Andacht am Grab des seligen Paul Josef Nardini in der Kapelle des Nardinihaus in Pirmasens. Foto: Seebald
Fast hundert Priester und Diakone des Bistums gedachten am 27. Januar zusammen mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, dem emeritierten Bischof Dr. Anton Schlembach und Weihbischof Otto Georgens in Pirmasens des 150. Todestages von Paul Josef Nardini. Das Treffen leitete eine Reihe von Gedenkfeiern ein, mit denen das Bistum und der Pfarrverband Pirmasens das ganze Jahr hindurch an den vor sechs Jahren selig gesprochenen Priester und Ordensgründer erinnern. Nardini hatte 1855 als Pfarrer von Pirmasens die Schwesterngemeinschaft der „Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“ (Mallersdorfer Schwestern) gegründet, um der sozialen Not in der jungen Industriestadt entgegenzuwirken.
Schon am Vormittag um 10.30 Uhr, zur Sterbestunde Nardinis, versammelten sich Bischöfe, Priester, Ordenschwestern und weitere Gläubige zu einer Andacht am Grab des Seligen in der Kapelle des Nardinihauses. Es war für alle ein bewegender Moment, als pünktlich um 10.47 Uhr, dem Zeitpunkt seines Todes, die große Glocke der Kirche St. Pirmin zu läuten begann. Zuvor hatte in einem geistlichen Impuls Schwester Radegund Bauer an die tiefe Glaubenshaltung des gerade 40-jährigen, schwer erkrankten Nardini in seinen letzten Lebenstagen und -stunden erinnert. Schwester Radegund, Angehörige des von Nardini gegründeten Ordens und beste Kennerin seines Lebens und Wirkens, hielt auch am Nachmittag in der Pfarrkirche einen Vortrag unter dem Thema „Nardini – ein begeisterter Priester und eifriger Seelsorger“.
Besonders hob die Referentin die außerordentlichen seelsorglichen und sozialen Bemühungen Nardinis in Pirmasens hervor, die nicht ohne Erfolg blieben. „Der Kirchenbesuch verbesserte sich auffallend, vor allem nahmen auch die Männer nun eifriger am Gottesdienst und am religiösen Leben der Pfarrei teil.“ Segensreich habe sich die Gründung der Schwesterngemeinschaft auf Pirmasens und die Umgebung ausgewirkt. „Nicht nur die wirtschaftliche und soziale Not wurde geringer, der Straßenbettel hörte auf, auch der Katholizismus nahm zu an Bedeutung und Gewicht.“
In seiner Predigt im Pontifikalamt am Abend in der Kirche St. Pirmin würdigte Bischof Wiesemann den seligen Nardini als eine wegweisende Gestalt für die Kirche in heutiger Zeit. Wiesemann nannte Nardini einen Menschen „ganz ohne erhobenen Zeigefinger und Moralismus“, aber mit alles einsetzender Hingabe, mit seelsorglicher Leidenschaft und unmittelbarer Bereitschaft zum Helfen. Und er verband damit die Frage: „Kann sich eine Diözese einen großartigeren Fürsprecher und ein besseres Vorbild als Seelsorger im wahrsten und tiefsten Sinn vorstellen?“
Der Bischof erinnerte an die vielfältige konkrete Not, der man Tag für Tag in seinem unmittelbaren Umfeld begegnen könne. „Wieviel Armut gibt es auch heute, Armut, die die Schwächsten, unsere Kinder, trifft, in unserer uns umgebenden Gesellschaft?“ Nardini habe bei den Menschen in Pirmasens, wie schon zuvor in Geinsheim, Glauben gefunden, weil beides in ihm zusammenkam: eine alles ergreifende Gottes- und Christusliebe einerseits und die mitfühlende Hingabe an die Menschen andererseits. „Er hat auf die Nöte seiner Zeit reagiert und so die Menschen für Christus gewonnen. So kann er uns in unserem Bistum den Weg in die Zukunft bereiten helfen“, betonte Bischof Wiesemann. Anbetung und Diakonie, die beiden großen Formen der Hingabe und Liebe: das sei es, was auch heute Not tue. (Redaktion)
Pirmasens: Bischöfe und Priester gedenken des 150. Todestages von Paul Josef Nardini
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