Im Gespräch

Donnerstag, 16. März 2017

Frühjahrstreffen der Bischöfe

Priestermangel, Zölibat und gesellschaftliche Fragen standen im Zentrum

Papst-Äußerungen zum Priesteramt befeuerten die Diskussionen der Bischöfe bei ihrer Frühjahrsversammlung. Unser Bild: Kardinal Marx bei der Abschlusspressekonferenz. Foto: kna

Eine breite Themenpalette hatten die katholischen Bischöfe Deutschlands bei ihrem Frühjahrstreffen in dieser Woche in Bergisch Gladbach bei Köln zu beackern. Am Ende überraschten sie mit einem ökumenischen Vorstoß.

Ein Zufall? Zentrale Themen bei der Frühjahrsvollversammlung in Bergisch Gladbach waren der Priestermangel und die angespannte Lebenssituation vieler Geistlicher. Während der Tage sorgte dann ein Interview von Papst Franziskus mit der „Zeit“ fürAufsehen. „Wir müssen darüber nachdenken, ob viri probati eine Möglichkeit sind“, bringt der Papst eine mögliche Weihe erprobter verheirateter Männer ins Spiel. Damit hat das Hauptthema der Bischöfe eine ganz neue Dynamik bekommen. Trotz der vorsichtigen Öffnung, die der Papst andeutet, dämpft der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Erwartungen. Dem Papst gehe es nicht um eine generelle Aufweichung der Ehelosigkeit. Sein Vorstoß beziehe sich nur auf Gebiete mit extremem Priestermangel. Das korrespondiert mit der Aussage von Franziskus, dass er im freiwilligen Zölibat keine Lösung sehe und dass noch zu bestimmen sei, welche Aufgaben „viri probati“ übernehmen könnten, „zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“

Marx betont, dass es keine Denkverbote beim Thema Zölibat gebe. Zugleich fordert er aber Respekt vor einer 2000-jährigen Kirchentradition: „Man kann mit der Lebensform nicht so spielerisch umgehen.“ Jede Änderung bedeute „einen gravierenden Einschnitt in die Geschichte der Kirche.“ Nicht zufällig seien Ehelosigkeit und Priestertum verbunden – und „Plausibilitäten“ dafür inner- und außerkirchlich neu zu vermitteln. Die Priester und Seminaristen heute dürften nicht den falschen Eindruck bekommen, dass die Kirche den Zölibatnicht mehr ernst nehme: „Das wäre ein völlig verheerendes Signal für die Spiritualität der Kirche.“

In Bergisch Gladbach flackert ein weiteres Reizthema auf. Es entzündet sich an der von Franziskus für Oktober 2018 einberufenen Weltbischofssynode zum Thema Jugend, die die Bischöfe in den Blick nehmen. Der Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Bingener, begrüßt am Rande der Konferenz, dass der Papst die Jugendlichen mit einer Online-Umfrage beteiligen will. Und macht deutlich, dass viele gegenüber der Institution Kirche Vorbehalte haben – nicht zuletzt wegen des Neins zur Frauenpriesterweihe und der kirchlichen Vorbehalte gegenüber gelebter Homosexualität. Jugendbischof Stefan Oster hält dagegen und verteidigt die Kirchenlehre. Es sei kein Zufall, dass Christus als Mann geboren wurde.

Immer wieder diskutieren die Bischöfe in Bergisch Gladbach auch über den wachsenden Rechtspopulismus – weltweit und national. Klar distanziert sich Marx von einigen Positionen der AfD. Zwar wolle die Kirche den Christen hier nichts vorschreiben und zur Wahl einer Partei weder zu- noch abraten. Doch gebe es für Christen „rote Linien“, die sie nicht überschreiten dürften. Als Beispiele nennt er etwa Ausländerfeindlichkeit oder die Verunglimpfung anderer Religionsgemeinschaften.

Große Unzufriedenheit und Sorge bekunden die Oberhirten auch für das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, wonach bei einer unerträglichen Leidenssituation der Staat ein Betäubungsmittel nicht verbieten darf, das eine schmerzlose Selbsttötung ermöglicht. „Es kann nicht sein, dass der Staat dazu verpflichtet wird, die Hand zum Suizid zu reichen“, so Marx. Nun hoffen die Bischöfe, dass das Bundesverfassungsgericht das Urteil revidiert.

Mehr Anstrengungen fordern die Bischöfe bei der Armutsbekämpfung. Zwar seien in den vergangenen fünf Jahren keine weiteren Zuspitzungen bezüglich des Armutsrisikos sowie der Einkommens- und Vermögensverteilung zu konstatieren, so Marx. Doch liege die Armutsrisikoquote seit 2005 stabil zwischen 14 und 16 Prozent.  Besonders betroffen seien junge Menschen, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Migranten und Behinderte.

Für Überraschung sorgt ein ökumenischer Vorstoß der Konferenz. In „erster“ Lesung haben sie über Kriterien beraten, konfessionsverschiedenen Ehepaaren die gemeinsame Kommunion zu ermöglichen. Zuletzt vor rund 15 Jahren hatten sich die Bischöfe mit dem Thema beschäftigt. Auch in Bergisch Gladbach wurde noch kein Beschluss gefasst. Doch Marx versichert, die Bischöfe seien „auf einem guten Weg.“ (red)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Deutsche Bischofskonferenz

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident der Kommission der...
Achter Europäischer Workshop der Maximilian-Kolbe-Stiftung in Oświęcim/Auschwitz beendet

Anzeige

18. August 2017

Vatikan tut sich schwer mit Medjugorje

Nach diversen Prüfungen muss nun Papst Franziskus entscheiden


10. August 2017

Kirche mahnt zu Respekt im Wahlkampf

Prälat Karl Jüsten plädiert für faire Verteilung der Flüchtlinge in der EU


Anzeige

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren