Im Gespräch

Donnerstag, 16. August 2012

„Katholische Soziallehre wird konkret“

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung beteiligt sich am Bündnis für Reichensteuer

KAB-Vorsitzender Georg Hupfauer: „Es geht darum, eine Schieflage zu beseitigen.“ Foto: privat

Dem überparteilichen Bündnis „Umfairteilen – Reichtum besteuern“ aus Sozialverbänden und Gewerkschaften hat sich auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) angeschlossen. In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur begründete deren Vorsitzender Georg Hupfauer am 10. August in Berlin, warum sich der Verband beteiligt und was das Bündnis erreichen will.

Herr Hupfauer, bislang ist die KAB der einzige katholische Verband, der dem Bündnis „Umfairteilen – Reichtum besteuern“ beigetreten ist. Was hat ihren Verband zu diesem Schritt bewogen?
Das Bündnis tritt für eine Forderung ein, die uns schon lange beschäftigt. Da war es für uns klar, mit einzusteigen, als wir im Frühjahr angefragt wurden. Ich hoffe natürlich, dass noch mehr katholische Verbände mitmachen. Schließlich wird doch mit der gerechten Verteilung eines der Urthemen der Kirche berührt. Hier wird die katholische Soziallehre konkret.

Wie will das Bündnis eine faire Umverteilung erreichen?
Wir fordern die Wiedereinführung der Vermögenssteuer sowie eine einmalige Vermögensabgabe. Bei den Einnahmen würde in jedem Fall eine Größenordnung erreicht, mit der wirklich etwas bewegt werden könnte. Ich gehe von 20 bis 30 Milliarden Euro aus, die umverteilt werden könnten. In Deutschland werden nach wie vor Vermögen erwirtschaftet. Es macht keinen Sinn, sie auf dem Kapitalmarkt nur hin und her zu schieben. Derzeit stehen den zwei Billionen Euro Schulden von Kommunen, Land und Bund nach unserer Schätzung bis zu zehn Billionen Euro an Privatvermögen gegenüber. Diese Schieflage muss korrigiert werden.

In welche Bereiche sollte dieses Geld investiert werden?
Der Staat muss sich stärker im öffentlichen Arbeitsmarkt engagieren. Es gibt eine bestimmte Form von Arbeit, die lässt sich nicht nach den Regeln der Marktwirtschaft bemessen. Sicherlich gehören die Bereiche Bildung und Familie dazu. Wir müssen uns aber auch überlegen, ob wir Pfleger in Krankenhäusern oder Altenheimen angemessen bezahlen. Dabei sind wir auch bereit, uns ehrlichen Debatten zu stellen. So kann man überlegen, ob tatsächlich jede Familie – ob reich oder arm – Kindergeld erhalten soll.

Wie wollen Sie die Politik erreichen?
Das Bündnis ist überparteilich. Das war uns sehr wichtig. Aber natürlich setzen wir ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl darauf, dass eine gerechtere Verteilung nicht nur Wahlkampfthema der linken Parteien wird. Vor allem die jüngeren Politiker fordern wir auf, nicht nur in Legislaturperioden zu denken. Die Welt ist in Bewegung, und die Politik darf keine Angst davor haben, die dynamischen Prozesse zu steuern.

Am 29. September plant das Bündnis einen Aktionstag. Was ist dann vorgesehen?
In allen größeren Städten sind Aktionen geplant. In Bochum, Köln und München sind wir sicher als Verband dabei. Wir hoffen natürlich, dass wir an dem Tag viele Menschen dazu bewegen können, auf die Straße zu gehen, damit durch eine Umverteilung langfristig der soziale Frieden gesichert werden kann. (Interview: Birgit Wilke)

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