Im Gespräch

Donnerstag, 16. Februar 2017

US-Bischöfe finden ihre Stimme

Kirche in den USA formuliert ihre Position zu Trump nun deutlicher

Ein Bild aus Wahlkampfzeiten (Oktober 2016): Kardinal Timothy M. Dolan, Erzbischof von New York, sitzt bei einem Wohltätigkeits-Dinner der katholischen Kirche neben Donald Trump. Kontakte der katholischen Kirche zu dem gewählten Präsidenten Trump und seinem Umfeld gibt es bisher kaum. Foto: KNA

Die katholische Kirche in den USA hat ein gespaltenes Verhältnis zu Präsident Donald Trump. Die Bischöfe applaudierten einerseits der Anti-Abtreibungspolitik des US-Präsidenten, verurteilen andererseits aber seine Haltung zu Einwanderern und Flüchtlingen.

Der Enthusiasmus der US-Bischöfe über den Stopp der staatlichen Zuschüsse für Organisationen, die im Ausland Schwangerschaftsabbrüche anbieten, war mit Händen zu greifen. Der New Yorker Kardinal Timothy Dolan, der als einer von sechs Geistlichen bei der Amtseinführung Donald Trumps für „Weisheit“ gebetet hatte, gratulierte dem Präsidenten zu seiner Entscheidung. Ein „Bäumchen-Wechsel-Dich“-Spiel zwischen republikanischen und demokratischen Präsidenten, das Signalwirkung hat. Wie auch die Rede von Vizepräsident Mike Pence beim „Marsch für das Leben“. Kaum waren dessen Worte verklungen, ereilte die Kirchenführer jedoch ein herber Rückschlag.

Ohne Rücksprache mit den Fachreferaten seiner Ministerien wartete Trump erst mit einem Dekret für den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko auf. Dann folgte der 90-tägige Einreisestopp für Menschen aus den sieben mehrheitlich muslimischen Ländern Syrien, Iran, Irak, Sudan, Somalia, Libyen und Jemen. Syrischen Flüchtlingen wurde die Einreise auf unbestimmte Zeit untersagt.

Kardinal Dolan kam das „merkwürdig“ vor. „Letzte Woche zeigte Trump noch bewundernswerte Besorgtheit für das unschuldige Baby im Schoß“, schrieb der Kirchenführer in der „New York Daily Mail“. Dolan fügte hinzu: „Nun zeigt er sich herzlos bei einer anderen Gruppe, die auch verletzlich und verwundbar ist – die Einwanderer und Flüchtlinge.“

Dolan blieb nicht der einzige, der Mauerbau und Einreiseverbot geißelte. Der neue Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, forderte eine Einwanderungspolitik, „die gleichzeitig die Menschenrechte, die Würde und die Heimat schützt“.

Dabei geht es auch um die Zukunft der katholischen Kirche in den USA, in der die Latinos heute schon die Mehrheit der Gläubigen unter 18 Jahren und rund 40 Prozent aller Mitglieder ausmachen. Zudem beteiligen sich 83 der 196 Diözesen aktiv an Umsiedlungsprogrammen für Flüchtlinge.

Bischof Joe Vasquez aus Austin, in der US-Bischofskonferenz (USCCB) zuständig für Migration, verlangte, statt Mauern Brücken zu bauen. „Brücken, die es uns ermöglichen, die Mauern von Ausgrenzung und Ausbeutung zu durchbrechen.“

Bereits während seines Mexiko-Besuchs im Februar 2016 hatte sich Papst Franziskus an der US-Grenze deutlich gegen die Mauerbaupläne ausgesprochen. Der Vatikan bezog auch jetzt klar Position zum Umgang mit Flüchtlingen aus muslimischen Ländern. Der Migrationsbeauftragte des Papstes, der kanadische Jesuit Michael Czerny, betonte, die Bischöfe stünden in den USA an vorderster Front. „Sie reagieren sehr gut.“

Das Lob ist wohl auch als Ermutigung für die US-Bischofskonferenz gedacht, deren erste Reaktion auf die Trump-Dekrete der Kolumnist des „National Catholic Reporters“, Michael Sean Winters, als „schwach“ kritisiert hatte. „Wo ist die Empörung?“ Es habe eine Weile gedauert, ehe die Bischöfe ihre Stimme gefunden hätten. Die moralische Führung unter den US-Bischöfen übernahmen einmal mehr die von Franziskus in den Kardinalsstand erhobenen Erzbischöfe von Chicago und Indianapolis, Blase Cupich und Joseph Tobin. Cupich sprach von einem „düsteren Moment in der US-Geschichte“. Und Tobin mahnte, tätig zu werden, „bevor wir in die Dunkelheit geführt werden“.

Tobin spielte damit wohl auch auf das rechtskatholische Lager an, dessen Vertreter die Sorge über den Einfluss der Muslime auf westliche Gesellschaften mit Trump teilen. Die „Washington Post“ berichtete jüngst über eine direkte Verbindung zwischen dem Chefberater im Weißen Haus, Stephen Bannon, einem irisch-stämmigen Katholiken, und dem in Ungnade gefallenen Kardinal Raymond Burke. Die beiden teilten die Sicht, der Islam sei eine existenzielle und von Papst Franziskus gefährlich unterschätzte Bedrohung.

Das repräsentiert nicht die Haltung der US-Bischöfe, sondern die einer gut vernetzten Minderheit in der US-Kirche. Die US-Bischofskonferenz arbeitet derweil eng mit Mexikos Bischöfen zusammen. In diesen Tagen wollen sie bei einer Konferenz im texanischen Brownsville über gemeinsame Anstrengungen für die Migranten beraten. (red)

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