Kirche und Welt

Donnerstag, 02. Februar 2012

Auch Politiker können Heilige werden

In Wien wurde Hildegard Burjan selig gesprochen

Beispielhaft auch für unsere Zeit: Hildegard Burjan wurde im Wiener Stephansdom selig gesprochen. Foto: dapd

Mit Hildegard Burjan wurde am 29. Januar im Wiener Stephansdom eine Politikerin von der katholischen Kirche selig gesprochen. Als Jüdin aus Preußen zu einer Seligen der katholischen Kirche zu werden, verlangt eine untypische Vita: Burjan wurde 1883 als Hildegard Freund in Görlitz geboren. Nach einem Studium der Philosophie und Literatur in Zürich kam sie zunächst nach Berlin. Dort heiratete sie den ungarischen Juden Alexander Burjan und konvertierte, nachdem sie auf wundersame Weise von einer schweren Nierenerkrankung geheilt wurde, 1909 zum Katholizismus. Später zog sie mit ihrem Mann nach Wien.
Vor allem ihr Privatvermögen ermöglichte es ihr, sich in großem Umfang karitativ zu betätigen. In gehobenen bürgerlichen Kreisen beheimatet, war es zunächst die Situation der deutschen Heimarbeiterinnen, die ihr soziales Engagement weckte. Im Jahr 1919 gründete sie Caritas socialis und wurde deren Vorsitzende. Die Hilfsorganisation widmet sich bis heute sozial benachteiligten Frauen.
Das Engagement für benachteiligte Frauen war der Sozialpionierin Burjan nicht genug. Nach der Auflösung der österreichischen Doppelmonarchie wurde sie für die Christsoziale Partei die erste weibliche Abgeordnete im Parlament der ersten Republik Österreichs. Hier setzte sie sich besonders für die Rechte von Arbeitnehmerinnen ein. Sie prägte in diesem Zusammenhang das Motto „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Angesichts zunehmender antisemitischer Strömungen auch innerhalb ihrer Partei zog sich Burjan später aus dem Parlament zurück, blieb aber weiter politisch aktiv. Am 11. Juni 1933 starb sie an einem Nierenleiden.
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn würdigte Hildegard Burjan als „großes Vorbild auch für heutige Politiker“. Burjan habe sehr genau hingeschaut auf die reale Not, sagte Schönborn bei einer Pressekonferenz  in Wien. Ihr sei es nicht primär um Parteipolitik gegangen, sondern um soziale Anliegen und das Engagement gegen die Not der Menschen ihrer Zeit, so Schönborn.
Am 29. Januar wurde Hildegard Burjan im Wiener Stephansdom selig gesprochen. In Vertretung des Papstes verlas Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Seligsprechungskongregation, den Erlass, der die gebürtige Görlitzerin zur Ehre der Altäre erhob. Papst Benedikt XVI. würdigte die neue Selige beim Angelusgebet auf dem Petersplatz. Burjans Leben sei ein „Zeugnis für das Evangelium“. Kardinal Schönborn nannte die Seligsprechung bei der Feier im Wiener Stephansdom „ein großes Geschenk für die Kirche“ und für Österreich. (Redaktion)

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