Kirche und Welt

Donnerstag, 02. August 2012

Die Heilige vom Mohawk River

Papst spricht erstmals nordamerikanische Indianerin heilig

Statue von Kateri Tekakwitha vor einer Kirche in Santa Fe. Die Angehörige der Mohawk wird als erste Indianerin im Oktober heilig gesprochen. Foto: Jim McIntosh/wikipedia

Sowohl der Mohawk als auch die Mohawk haben nicht den allerbesten Ruf. Der Fluss im Norden des US-Bundesstaates ist dank „Trommeln am Mohawk“, einem cineastischen Meisterwerk von 1939 mit dem noch jungen Henry Fonda in der Hauptrolle, als Schauplatz tödlichen Ringens zwischen Weißen und Indianern in die Filmgeschichte eingegangen. Die Mohawk waren und sind eines der Völker einer Konföderation, die unter dem Namen Irokesen oder auch „die sechs Nationen“ bekannt wurden. Wie alle Irokesen galten die Mohawk den weißen Siedlern und Eroberern als wilde und oft grausame Krieger – was angesichts der Grausamkeit, mit der Indianer überall auf dem Kontinent von den Neuankömmlingen vertrieben und umgebracht wurden, ein zumindest fragwürdiger Vorwurf zu sein scheint.
In Kürze wird eine Angehörige der Mohawk von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen. Es ist ein historischer Moment: Kateri Tekakwitha (1656-1680) wird die erste Person überhaupt aus der Urbevölkerung Nordamerikas sein, die auf diese Weise geehrt wird. Die Heiligsprechung soll im Oktober erfolgen: genau 520 Jahre, nachdem die drei mit großen Kreuzen versehenen Schiffe des Christoph Columbus die Neue Welt für die Europäer entdeckten – mit welthistorischen, für die „Indianer“ genannten Ureinwohner tragischen Konsequenzen.
Tragisch waren auch die Geschehnisse in der Heimat der künftigen Heiligen. Kateri ist keineswegs die erste Person vom Mohawk, die kanonisiert wird. 1930 wurden drei Jesuiten heiliggesprochen, die im 17. Jahrhundert am Mohawk River zu Märtyrern wurden; die Mohawk brachten die Missionare um.
Kateri, deren Leben in den US-Medien mit näherrückendem Termin der Heiligsprechung verstärkt gewürdigt wird, kam erst gut zehn Jahre nach dieser Bluttat zur Welt. Als Vierjährige erkrankte sie an den Pocken – eine Seuche, die von Weißen nach Amerika gebracht wurde und der unzählige Indianer zum Opfer fielen. Als Folge der Infektion blieb sie von Narben gezeichnet; außerdem war sie halbblind.
In Kontakt mit katholischen Missionaren gekommen, wurde Kateri im Alter von 20 Jahren getauft. Sie verrichtete in einem kanadischen Indianerdorf Arbeit mit Armen und Kranken und zeichnete sich durch Glaubensstrenge aus. Sie legte einen Eid ab, Jungfrau zu bleiben, praktizierte mit einer anderen Gläubigen gegenseitige Geißelung und betete, auch im kalten kanadischen Winter, oft stundenlang auf den Knien. Im Alter von 24 Jahren starb sie im April 1680.
Bald nach ihrem Tod machten Berichte über Wunder die Runde. So sollen ihre Pockennarben fast verschwunden sein. Auch in jüngerer Zeit wurde sie mit verschiedenen Heilungen in Zusammenhang gebracht. Die „New York Times“ ließ vor wenigen Tagen zwei Patienten aus ihrer Heimatregion zu Wort kommen, die nach Gebeten an Kateri oder der Bespritzung mit Wasser aus einem ihr geweihten Brunnen von schweren Krankheiten geheilt worden seien.
Zwei Gotteshäuser sind – auf beiden Seiten des Mohawk – der künftigen Heiligen gewidmet. An sommerlichen Sonntagen werden inzwischen an dem größeren, „Our Lady of Martyrs“, 600 bis 700 Gottesdienstbesucher gezählt. Der Bischof von Albany, Howard J. Hubbard, der schon als Kind regelmäßig beide Kirchen besuchte, erhofft sich von der Heiligsprechung eine Wiederbelebung der Tradition der Pilgerreise – überall, aber ganz besonders zum Mohawk River. (KNA)

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