Kirche und Welt

Donnerstag, 09. Februar 2012

Eingebrannt ins kollektive Gedächtnis

Kirchen erinnern mit ökumenischen Gottesdienst an Grubenunglück von Luisenthal vor 50 Jahren

Mit einem ökumenischen Gottesdienst erinnerten die Kirchen an das Grubenunglück von Luisenthal im Jahr 1962. Foto: Schneider

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben die Kirchen im Saarland an die 299 getöteten Bergleute des Grubenunglücks von Völklingen-Luisenthal im Jahr 1962 erinnert. „Wenn wir uns das unfassbare Leid vergegenwärtigen, dass das Grubenunglück von Luisenthal hinterlassen hat, fragen wir auch heute noch: Wo war Gott? Wo ist Gott?“, sagte der evangelische Superintendent Christian Weyer am 7. Februar in seiner Predigt. „Es gibt Unglück, das wir nicht erklären können. Das müssen wir aushalten.“  
Auch wenn so vielen Bergleuten ein früher und schrecklicher Tod beschert wurde, „bleibt Gott unser Retter“, sagte Weyer in der Kirche Christkönig im Völklinger Stadtteil Luisenthal. In allem Unglück sei Gott an der Seite der Menschen und habe trotz allem ihr Heil im Sinn. 
Der aus dem Saarland stammende Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters erinnerte an „einen wahrhaft schwarzen Tag für den Bergbau und das Saarland“. Das Grubenunglück habe sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. Peters erinnerte an die Helfer, die Tote und Verletzte bargen und sich um Hinterbliebene kümmerten. Angesichts eines derartigen Unglücks sei die Frage „Gott, wo bist du?“ erlaubt. „Der Gott, nach dem wir suchen, verspricht kein leidensfreies Glück“, sagte der Weihbischof. Doch er habe mit seinem Leiden und seiner Auferstehung Hoffnung gegeben.  
Neben Bergleuten und Angehörigen nahmen auch die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und mehrere Mitglieder der Landesregierung an der Feier teil. Mehr als 50 Abordnungen von Bergmannsvereinen verwandelten die Kirche in ein Fahnenmeer. 
Beim schwersten Unglück der saarländischen Bergbaugeschichte und dem drittschwersten Grubenunglück der Bundesrepublik ereignete sich am 7. Februar 1962 um 7.45 Uhr eine Schlagwetterexplosion im Alsbachfeld der Grube Luisenthal. Das entzündete Grubengas löste eine Serie von Kohlenstaubexplosionen aus. In 600 Meter Tiefe verloren 299 Bergleute ihr Leben, der jüngste war 16 Jahre alt, der älteste 59. Es gab 73 Verletzte. Zum Zeitpunkt der Katastrophe, deren Ursachen nie geklärt werden konnten, waren 664 Arbeiter unter Tage, 433 von ihnen im Explosionsbereich. Nur 61 blieben unverletzt. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts war Luisenthal nicht nur wegen dieser Produktivität in der Bergbauwelt in aller Munde, auch auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit war das Bergwerk mehrfach ausgezeichnet.
Zum Zeitpunkt der Explosion entzündete der Bergmannsverein „Glück auf“ zum Gedenken am Denkmal mit der Statue der heiligen Barbar in Luisenthal 299 Lichter. In vielen saarländischen Gemeinden läuteten die Kirchenglocken, öffentliche Gebäude zogen Trauerbeflaggung auf. (Redaktion)

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