Kirche und Welt

Donnerstag, 10. August 2017

Erzbischof Romero vor hundert Jahren geboren

In Lateinamerika wird der „Bischof der Armen“ von El Salvador längst als Heiliger verehrt

In Lateinamerika wird Oscar Romero längst als Heiliger verehrt. Foto: ZUMA Wire/Zuma Press/actionpress

Oscar Romero (1917-1980), der „Bischof der Armen“ von El Salvador, ist zwar seit 37 Jahren tot – doch seine Botschaft ist in Lateinamerika und darüber hinaus lebendig. In seiner Heimat wird er schon seit langem als Heiliger verehrt. Am vergangenen Dienstag wäre er hundert Jahre alt geworden. Anlässlich seines Geburtstages hoffen seine Landsleute mehr denn je, dass Rom bald tatsächlich grünes Licht für seine förmliche Heiligsprechung gibt.

Oscar Romero starb am 24. März 1980, erschossen am Altar auf Befehl der politisch Mächtigen. Seine Ermordung war ein Fanal im heraufziehenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linken Guerillagruppen. Bis 1992 kamen rund 75000 Menschen ums Leben.

Romero wusste um die Gefahr, denn er predigte noch unmittelbar vor seinem Tod: „Wer sich davor hütet, die Gefahren des Lebens auf sich zu nehmen, so wie es die Geschichte von uns verlangt, der wird sein Leben verlieren. Wer sich hingegen aus Liebe zu Christus in den Dienst der anderen stellt, der wird wie das Samenkorn, das stirbt, aber in Wirklichkeit lebt.“

Hunderttausende Pilger sowie Staatsspitzen aus ganz Lateinamerika kamen im Mai 2015 zu seiner Seligsprechung in San Salvador. Doch warum hat sich der Prozess so lange hingezogen? Zehn Jahre gingen ins Land, bis er in San Salvador auf lokaler Ebene eröffnet wurde. 1997 kam er dann in Rom bei der zuständigen Heiligsprechungskongregation an. Doch erst nach 17 Jahren Wartezeit, in der Hunderte Zeugen gehört, zahlreiche Predigten Romeros rekonstruiert und Aktenberge gesichtet wurden, war es 2015 so weit.

Der Steyler Missionar Christian Tauch­ner arbeitete über zwei Jahrzehnte in Lateinamerika. Er sieht einen Grund für die Verzögerung in den parteipolitischen Nachwehen der damaligen Zeit. Andererseits sei in San Salvador der Prozess vom zweiten Nachfolger Romeros, Erzbischof Fernando Saenz Lacalle (84) vom Opus Dei, gebremst worden. Durch ihn sei es zu der „absurden Situation“ gekommen, so Tauchner, dass in der Kathedrale „der Bischof eine trockene, formell richtige Liturgie feierte, ohne von Romero zu reden oder sich auf sein geistliches Erbe zu beziehen“; und in der Unterkirche der Kathedrale hätten die Basisgemeinden jeden Sonntag am Grab Romeros gefeiert: „in Wirklichkeit zwei Kirchen mit gegensätzlichen Ausrichtungen“.

Derzeit allerdings weht der Wind in der Kirche franziskanisch-romerianisch. Der langjährige Weihbischof in San Salvador, Gregorio Rosa Chavez (74), der seit 1982 unter drei Erzbischöfen diente, macht viele Ähnlichkeiten zwischen Romero und Papst Franziskus aus. „Romero ist die Ikone des Hirten, wie Papst Franziskus sie im Sinn hat“, sagt er. „Die Ikone der Kirche, wie Franziskus sie sich vorstellt: eine arme Kirche für die Armen.“ Wie Papst Franziskus verkünde Romero das Evangelium zuerst durch sein Zeugnis, dann durch seinen Lebensstil „und erst an dritter Stelle durch sein Wort“.

Franziskus wiederum schätzt den romero-affinen Weihbischof so sehr, dass er ihn kürzlich in den Kardinalsstand erhob – auch das eine sehr ungewöhnliche Konstellation. Ein genauerer Blick auf die Vorgeschichte zeigt freilich, dass die Papstwahl von 2013 vermutlich nicht der allein entscheidende Punkt für das nun leuchtende grüne Licht war. Schon Benedikt XVI. (2005-2013) hatte 2007 während seiner Brasilien-Reise erklärt, dass Romero aus seiner Sicht die Seligsprechung verdiene.

Doch das von Fachleuten im Vatikan über viele Jahre immer wieder kolportierte Argument, man könne leider nicht sicher sagen, ob der Mörder und seine Hintermänner Romero aus „Hass gegen den Glauben“ oder doch eher wegen seiner politischen Parteinahmen gegen die Regierung töteten, war nicht leicht auszuräumen.

Die Zeit zur Neubesinnung auf das Erbe von Oscar Romero ist zu seinem 100. Geburtstag günstig, ohne dass die Wunden zwischen den einst verfeindeten Lagern wieder aufgerissen werden müssen. Die einstige Guerilla-Bewegung FMLN ist heute eine etablierte politische Partei, und die mutmaßlichen militärischen und politischen Hintermänner der Ermordung sind tot oder im hohen Greisenalter. (kna)

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