Kirche und Welt

Mittwoch, 06. Juni 2012

Familien stärken Papst den Rücken

Buntes Fest und politische Forderungen: Welt-Familientreffen in Mailand

Von jubelnden Menschen begrüßt: Papst Benedikt XVI. fühlte sich wohl beim Welt-Familientag in Mailand. Foto: KNA

Der Papst und die Mailänder bestärken sich gegenseitig. Zehntausende Menschen auf dem Domplatz jubelten Benedikt XVI. am Freitagabend (1. Juni) ebenso wie viele Kinder und Jugendlichen im San-Siro-Stadion am Samstag laut zu und begrüßten ihn mit „Benedetto“-Sprechchören. Benedikt XVI. wiederum sparte nicht mit Lob für die norditalienische Stadt und ihre Kirche.
Auch bei dem Konzert in der Scala oder beim Stundengebet im Dom gab es ungewöhnlich langen Applaus für den Papst, der sich auf seiner ersten Reise nach dem Vertrauensbruch in der päpstlichen Familie und der Verhaftung seines Kammerdieners vor gut einer Woche befindet. Benedikt XVI. wiederum würdigte die     „glanzvolle Tradition“ der Stadt und sprach neben dem eigentlichen Anlass der Reise, dem siebten Weltfamilientreffen, auch immer wieder die verheerenden Erdbeben in der Emilia-Romagna und Teilen der Lombardei an.
Die „Vatileaks“-Affäre um die Weitergabe vertraulicher Vatikandokumente an die Medien begleitet auch den dreitägigen Besuch Benedikts XVI. Nicht zuletzt weil am Freitag der neue provisorische Kammerdiener des Papstes, Sandro Mariotti, seinen ersten internationalen Auftritt hatte. Auch die für inneritalienische Reisen unübliche Anwesenheit von Kardinalsstaatsekretär Tarcisio Bertone sorgte kurzzeitig für Spekulationen. Handelte es sich etwa um eine zusätzliche öffentliche Vertrauensbezeugung für den „zweiten Mann“ im Vatikan, gegen den sich die Veröffentlichungen angeblich richten sollen? Vatikansprecher Federico Lombardi dementierte dies. Die Teilnahme Bertones sei aufgrund des internationalen Charakters des Weltfamilientreffens von Anfang an geplant gewesen.
„Lassen wir den Papst unsere Umarmung spüren! Heiligkeit, wir haben Sie gern!“, feuerte der gastgebende Erzbischof des Treffens, der Mailänder Kardinal Angelo Scola, die Menge auf dem Domplatz an. Unter dem Applaus lobte der Papst Kirche und Bevölkerung für ihre bislang geleistete Unterstützung für die Erdbebenopfer und rief zu weiteren Hilfen auf. Auch nach der freudigen 9. Symphonie Beethovens in der Scala erinnerte er an den „Schatten des Erdbebens, der vielen Menschen großes Leid bereitet habe.” Nach dem vom Papst als „grandios“ bezeichneten Konzert und offenbar vom großen Zuspruch der Menschen getragen, wirkte Benedikt XVI. gelassen und munter – von der Anspannung, die am Mittwoch unverkennbar war, als er sich erstmals nach der Verhaftung seines Kammerdieners zur „Vatileaks“-Affäre äußerte, war nichts mehr zu sehen.
Noch begeisterter war der Empfang, den mehr als 60000 Jugendliche dem Papst boten, als er in das Mailänder Fußballstadion einfuhr. Mit verschiedenfarbigen Kartons bildeten junge Menschen auf dem Rasen zunächst das Logo des Treffens nach, dann ein Kreuz. Unter dem Applaus eines lächelnden Papstes präsentierten sie ähnlich wie bei Olympischen Spielen die Flaggen der am Weltfamilientag teilnehmenden Nationen.
Der Papst blieb länger als geplant bei den Jugendlichen, die sich auf das Sakrament der Firmung vorbereiten; er sang und betete mit ihnen. In seiner Ansprache rief Benedikt XVI. sie auf, nach hohen Idealen und nach Heiligkeit zu streben. Diese hänge nicht vom Alter ab und sei kein Phänomen der Vergangenheit. Zum Abschluss erklang wie am Vorabend die „Ode an die Freude“, diesmal in einer rockigen Version, als der Papst einige behinderte Kinder segnete und vom Kapitän des Fußballklubs Inter Mailand, Javier Zanetti, ein Trikot von dessen Team überreicht bekam.
Am Abend folgte ein großes Fest mit mehr als 300000 Menschen, neben dem Schlussgottesdienst am Sonntag die größte Veranstaltung. Verschiedene christliche Familien berichteten dem Papst aus ihrem Leben. Unter ihnen war auch eine italienische Familie aus der Nähe von Ferrara, die seit dem Erdbeben vom 29. Mai in einer Notunterkunft wohnt. Benedikt XVI. antwortete auch auf Fragen von Familien. Er sprach ohne Manuskript.
Der Papst regte zudem Partnerschaften zwischen Familien aus reichen und armen Ländern in Europa an, um die Belastungen durch die Wirtschaftskrise abzumildern. Als Beispiele nannte er unter anderem Deutschland und Griechenland. Heute gebe es vor allem Partnerschaften auf kultureller Ebene, so Benedikt XVI. Diese sollten jedoch auf den wirtschaftlichen Bereich ausgedehnt werden. Familien und Pfarreien könnten jeweils eine Familie in ökonomischen Schwierigkeiten unterstützen, schlug das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche vor. Der Papst antwortete auf die Frage einer griechischen Familie. (Agathe Lukassek)

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