
Missbrauchsopfer Marie Collins (Irland) bei der Schilderung ihres Schicksals im Rahmen der Internationalen Missbrauchskonferenz in Rom. Foto: KNA
Mit der Vorstellung eines internationalen Zentrums für Kinderschutz ist die internationale Missbrauchskonferenz in Rom zu Ende gegangen. Das Zentrum mit Sitz in München solle mit kirchlichen Mitarbeitern und Ordensleuten aller fünf Kontinente Online-Lernangebote zum Umgang mit Missbrauch entwickeln, erproben und auswerten, teilten die Organisatoren mit. 220 Vertreter von Bischofskonferenzen und katholischen Orden hatten in der Päpstlichen Universität Gregoriana an der Veranstaltung mit dem Titel „Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung“ teilgenommen.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx bezeichnete das neue Zentrum als einen Beitrag zur Erneuerung der Kirche. Es zeige den Willen der Kirche, in Eigeninitiative etwas gegen den Missbrauch und für den Kinderschutz zu tun. Die katholische Kirche habe durch den Missbrauchsskandal an Glaubwürdigkeit verloren, stehe nun vor der „großen Aufgabe“, Vertrauen wiederzugewinnen. Dabei dürfe die Kirche nicht bei der Aufarbeitung der Vergangenheit stehenbleiben. Sie müsse sich nach Konsequenzen für die Zukunft fragen und Schritt für Schritt Glaubwürdigkeit wiedergewinnen. Marx sprach sich für eine enge Zusammenarbeit von Kirche und Staat bei Missbrauchsfällen aus. Die staatliche Justiz dürfe nicht, wie mitunter bisher, als Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten verstanden werden.
Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, würdigte den Kongress als einen „Meilenstein im Engagement gegen sexuellen Missbrauch“. Die Tagung zeige, „wie wichtig der Kirche die Beschäftigung mit diesem Thema ist. Der Papst macht damit klar, dass die Kirche die Aufarbeitung weltweit vo-rausschauend und noch systematischer angehen will“. Allerdings sei die Auseinandersetzung mit den Vergehen sexualisierter Gewalt längst nicht abgeschlossen. Beschlossene Maßnahmen müssten auch umgesetzt und auf Wirksamkeit überprüft werden.
Der Vatikanbeauftragte für die Ahndung von Missbrauchsfällen, Charles Scicluna, hat sich beim Kongress scharf gegen Vertuschung von Missbrauchsfällen in der Kirche gewandt. Wer solche Fälle nicht melde, sei ein „Feind der Gerechtigkeit und damit der Kirche“. Immer noch gebe es eine „Kultur des Schweigens“ in der Kirche, die überwunden werden müsse, so der aus Malta stammende Kurienmitarbeiter. Wo die Rechte anderer auf dem Spiel stünden, wäre Gnade gegenüber den Tätern eine falsche Form von Mitleid. Die kirchlichen Gesetze zum Umgang mit Missbrauch seien klar; die Menschen müssten aber auch sicher sein können, dass die Gesetze angewandt würden, so der Kirchenjurist.
Papst Benedikt XVI. hatte alle nationalen Bischofskonferenzen aufgefordert, bis zum Mai Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen vorzulegen. Die Dringlichkeit des Themas wurde den Teilnehmern spätestens bewusst, als Missbrauchsopfer Marie Collins ihre Geschichte vor dem Plenum erzählte. Der Missbrauch durch einen Krankenhausseelsorger beschäftigte sie nicht nur als 13-Jährige. Als sie im Alter von 47 Jahren begann, über ihr Leid zu sprechen, erlebte sie, wie der Pfarrer ihrer Heimatgemeinde versuchte, ihr eine Mitschuld einzureden und wie ihr Erzbischof den Fall mit dem Verweis auf die zeitliche Distanz verharmlosen wollte. Nach dem Vortrag der Irin, so erzählt ein Teilnehmer, hätten einige Vertreter osteuropäischer Bischofskonferenzen einen kompletten Sinneswandel vollzogen. (Redaktion)
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