Kirche und Welt

Mittwoch, 17. Mai 2017

Viele Familien werden zerrissen

Renovabis rückt Schutz osteuropäischer Arbeitskräfte in den Blick

Das Aktionsplakat der diesjährigen Pfingstaktion der Hilfswerks Renovabis rückt das Thema Arbeitsmigration in den Blick. Foto/Collage: Bauerdick/renovabis

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki fordert mehr Schutz für osteuropäische Arbeitskräfte. In Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz würden sie oft zu Unrecht als Wirtschaftsflüchtlinge beschimpft, sagte er am 14. Mai bei einem Gottesdienst im Kölner Dom. Sie hätten ihre Heimat nicht leichtfertig verlassen, sondern aus Verzweiflung, weil für sie dort keine Zukunft in Sicht sei.

Der Erzbischof kritisierte, dass die Armuts- und Arbeitsmigranten aus dem Südosten Europas nicht selten in ungerechten Arbeitsverhältnissen auf Großmärkten, Großbaustellen und in Schlachthöfen anzutreffen seien. „Sie müssen vor Ausbeutung durch Arbeitgeber und Vermieter, aber auch vor Gewalt geschützt werden“, forderte Woelki bei der Eröffnung der Pfingstaktion des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis.

Nach den Worten des Erzbischofs sind die auseinanderklaffenden Lebensverhältnisse in Ost- und Westeuropa der entscheidende Grund für den Weggang so vieler Migranten. Sie kehrten als „Verlierer des Systemwechsels“ ihrer früheren kommunistischen Heimat den Rücken und ließen die alten Eltern und ihre Kinder zurück.

Statt die eigene betagte Mutter zu pflegen, kümmerten sich Frauen um die Schwiegermütter hierzulande, damit diese in heimischer Umgebung bleiben können. Erntehelfer gingen einer Arbeit nach, „die vielen von uns zu anstrengend und zu schlecht bezahlt ist“. Und Männer würden in großen fleischverarbeitenden Betrieben „in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen“ dafür eingesetzt, „dass wir möglichst billig Fleisch kaufen und essen können“, kritisierte Woelki.

Die 25. Renovabis-Pfingstaktion in diesem Jahr steht unter dem Motto „Bleiben oder gehen? – Menschen im Osten Europas brauchen Perspektiven“. Im Mittelpunkt steht die seit vielen Jahren andauernde Arbeits- und Armutsmigration von Ost- nach Westeuropa. Der Abschluss der Aktion ist am 4. Juni in Görlitz mit dem dortigen Bischof Wolfgang Ipolt vorgesehen. An diesem Tag kommt die Kollekte in allen katholischen Kirchen Deutschlands dem Osteuropahilfswerk zugute.

Renovabis ist die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. Das Hilfswerk mit Sitz in Freising unterstützt Projekte zur Erneuerung des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens in den ehemals kommunistischen Ländern. 2016 bewilligte Renovabis rund 29,3 Millionen Euro und unterstützte damit 770 Projekte in den Partnerländern. Seit 1993 investierte das Hilfswerk knapp 697 Millionen Euro. (red)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Deutsche Bischofskonferenz

Katholische Kirche in Deutschland stellt Rekordsumme von 600 Millionen Euro für weltkirchliche...

Anzeige

22. Juni 2017

„Trauer, und mehr noch Dankbarkeit“

Bischof em. Anton Schlembach zum Tod von Bundeskanzler Helmut Kohl


16. Juni 2017

Am Anfang: ein längerer Entfremdungsprozess

Online-Umfrage des Bistums Essen zu Gründen des Kirchenaustritts


08. Juni 2017

Einladendes und offenes Haus

Papst feiert in Rom mit Zehntausenden Gläubigen das Pfingstfest


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren