Kirche und Welt

Mittwoch, 13. Juni 2012

Vor dem Nachhaltigkeitsgipfel

Trotz vieler Widerstände könnte „Rio plus 20“ die Wende bringen

Setzt sich als UN-Umweltbotschafterin ein: Das brasilianische Fotomodel Gisele Bündchen pflanzt symbolisch einen Baum in Rio de Janeiro. Foto: Victor R. Caivano/DAPD

Die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts und der Artenvielfalt ist in vielen Regionen der Welt ein Wettlauf mit der Zeit. Der Club of Rome sieht in seiner jüngsten Studie deshalb langwierige demokratische Entscheidungsprozesse auf diesem Feld als überholt an. Tatsächlich hinkt die Politik der Entwicklung hinterher: Nur bei fünf von 90 globalen Umweltzielen sieht der Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) einige Tage vor dem UN-Gipfel „Rio plus 20“ wirkliche Fortschritte.
Für das Treffen vom 20. bis 22. Juni in der brasilianischen Großstadt haben sich 50000 Diplomaten, Wissenschaftler, Lobbyisten und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen angesagt. Darunter 120 Staats- und Regierungschefs. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bislang nicht zugesagt, dabei könnte die Energiewende in Deutschland als Vorbild gelten.
Unstrittig ist, dass bisherige Konsummodelle den Planeten überfordern. Da fast alle Umweltprobleme länderübergreifend sind, drängen viele Nationen auf eine Stärkung der UN-Umweltinstitutionen. Das dritte Thema des Gipfels sind die „Sustainable Development Goals“ kurz SDGs, globale Ziele einer umweltverträglichen Entwicklung.
Die Erwartungen sind hoch, die Probleme drängend: Seit der ersten Konferenz 1992 ist der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase um ein Drittel gestiegen. Eine Waldfläche von der Größe Argentiniens wurde abgeholzt, große Teile der Ozeane dienen als Müllkippe, Fangflotten überfischen die Weltmeere. Gerade ein Prozent der Meeresfläche steht unter Schutz. 30 Prozent der bekannten Arten droht das Aussterben. Ein Viertel der globalen Landfläche ist so ausgelaugt, das die Böden keinen Ertrag mehr geben. Dabei wuchs die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 1,5 auf heute sieben Milliarden. Bis 2050 erwarten Statistiker bis zu neun Milliarden Erdenbewohner.
Die Europäische Union tritt für einen globalen Übergang zur „Green economy“ ein. Diese sieht Wirtschaft, soziale Entwicklung und Umweltschutz zusammen. So umfassen die Ziele neben dem besseren Schutz der Natur den Kampf gegen Armut und die Begrenzung der Energiegewinnung aus Kohlenstoff sowie eine effektivere Nutzung der Ressourcen. Industriestaaten wie Russland, USA, Japan oder China bremsen ebenso wie ölexportierende Länder. Sie befürchten Eingriffe in ihre Autonomie und Wirtschaft. Außerdem ist auch der Begriff „Green economy“ umstritten. Nichtregierungsorganisationen laufen dagegen Sturm, weil „Green economy“ Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und die Menschenrechte vernachlässige.
Wenn es Umweltregeln für alle Nationen geben soll, ist eine Stärkung der UN-Umwelteinrichtungen nötig. Doch gegen die Gründung einer UN-Umweltorganisation „Uneo“ sperren sich bislang wichtige Industrienationen.
Trotz aller Widerstände könnte „Rio plus 20“ eine Wende sein. Gastgeber Brasilien ist wie die EU und viele andere Staaten am Erfolg interessiert. Wesentlich dürfte sein, dass zumindest Prozesse angestoßen werden, die dem Planeten zu Gute kommen. (Redaktion)

 

Deutschland soll Umweltvorreiter werden

Gemeinsames Wort der deutschen Kirchen zum UN-Umweltgipfel nimmt den Einzelnen in die Pflicht

Mit einer gemeinsamen Erklärung haben die beiden großen Kirchen in Deutschland vor dem UN-Umweltgipfel eine ernsthafte Trendwende in der Klimapolitik und im Kampf gegen Armut eingefordert. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verlangten in dem am 12. Juni in Bonn und Hannover veröffentlichten Schreiben, Deutschland müsse seine Vorreiterrolle bei der Reduzierung von Kohlendioxid-Ausstößen ausbauen. Zum Gipfel „Rio plus 20“ treffen sich 20 Jahre nach dem ersten „Erdgipfel“ Staats- und Regierungschefs aus aller Welt sowie Vertreter von Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen in Rio de Janeiro.
Die dort behandelten Umweltprobleme haben sich aus Sicht der Kirchen weiter verschärft: „Der Klimawandel und das Artensterben haben sich beschleunigt, der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid erreichte 2011 ein neues Rekordniveau. Ähnliche Trends zeichnen sich bei der Übernutzung der weltweiten Trinkwasserreserven und der Böden ab.“
Bischofskonferenz und EKD-Rat fordern, die auf dem Gipfel verhandelte sogenannte „grüne Wirtschaft“ (Green Economy) müsse neben Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung an den Maßstäben der sozialen Gerechtigkeit ausgerichtet sein. „Ohne einen solchen politischen Ordnungsrahmen greift das Konzept einer ,grünen Wirtschaft’ zu kurz.“ Eine nachhaltige Wirtschaft müsse vor allem die weltweite Armut bekämpfen. Darüber hinaus plädierten die beiden Kirchen für die Gründung einer effizienten Weltumweltorganisation und eines UN-Rates für nachhaltige Entwicklung.
Die Erklärung wendet sich zugleich an den Einzelnen: „Als Christinnen und Christen haben wir die Verpflichtung, uns dafür einzusetzen, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit in gesellschaftlichem Handeln und persönlichem Lebensstil fest verankert wird.“ Es gehe darum, „die uns von Gott geschenkte Erde für alle Geschöpfe zu bewahren“.
Auch das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ mahnte anlässlich des UN-Umweltgipfels zu mehr Einsatz. Die Direktorin des Hilfswerks, Cornelia Füllkrug-Weitzel, plädierte am 12. Juni in Berlin für verbindlichere Regelungen beim Klimaschutz. „Brot für die Welt“ rief klimapolitisch ambitionierte Weltregionen wie Europa auf, Brücken in bereits vom Klimawandel betroffenen Länder zu schlagen. Solche Bündnisse könnten Schwellenländer ermutigen, nicht die Fehler der Industrieländer zu wiederholen. (Redaktion)

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