Kultur

Donnerstag, 26. Januar 2012

An Lichtmess fing das Tagwerk an

Der Feiertag am 2. Februar markierte früher auch den Beginn der Feldarbeit

Nach Maria Lichtmess fangen die Bauern an, ihre Felder für die Frühjahrssaat herzurichten. Foto: Stirnemann

Lichtmess galt in der katholischen Kirche früher als Ende der Weihnachtszeit. Noch heute bleiben in vielen katholischen Kirchen und Häusern die Krippen und Weihnachtsbäume bis zum 2. Februar stehen.
Verbreitet ist der Spruch, gegenüber der Wintersonnwende verlängere sich der Tag „an Weihnachten um einen Hahnentritt, an Neujahr um einen Männerschritt, an Dreikönig um einen Hirschensprung und an Lichtmess um eine ganze Stund“. Um Lichtmess erstrahlt zum ersten Mal wieder das Sonnenlicht zur Frühmesse in der Kirche. Traditionell sagt man auch, dass ab dem 2. Februar wieder bei Tageslicht zu Abend gegessen werden kann. Daher heißt es beispielsweise in der Pfalz: „Mariä Lichtmess, spinne vergess’, bei Dag ze Nacht gess’.“
Denn Maria Lichtmess war früher ein wichtiger Tag für die Bauern. Dieser Tag galt als kalendermäßige Anfang des Arbeitsjahres. In den Spinnstuben wurden die Arbeiten aufgegeben und andere häusliche Winterarbeiten beendet. Da es jetzt schon wieder länger hell war, konnte das „Tagwerk“ begonnen werden. Stallmist und Jauche wurden auf die Felder gefahren, um diese zu düngen. Die Gerätschaften, wie Egge, Pflug und Wagen wurden hergerichtet, repariert und instand gesetzt.
Für das Gesinde war Lichtmess ebenso ein wichtiger Tag, denn an diesem Tag wurden Knechte und Mägde neu eingestellt. Oft hatte das Gesinde vom 2. bis 5. Februar frei. Diese vertraglich festgelegten Urlaubstage, auch „Schlenkweil“ genannt, wurde meist genutzt um kleine Einkäufe zu machen, die Arbeitskleidung auszubessern oder um Besuche bei Verwandte und Freunden zu machen.
Wichtig war natürlich auch die Lichtmesskerze, die der Hausvater aus Bienenwachs fertigte, während die Hausmutter den Docht dafür spann. Kam der Bauer an Maria Lichtmess aus der Kirche, betrat er den Stall und träufelte auf jedes Tier heißes geweihtes Wachs, um das Vieh gegen Krankheit zu schützen. Der Viehbestand war das Kapital des Bauern und gesunde Tiere bedeuteten Wohlstand.
Um den Beginn des bäuerlichen Arbeitsjahres, siedelten sich viele Bräuche an. So liefen einst die jungen Burschen mit langen brennenden Strohfackeln über die Felder, um die Saaten aufzuwecken. Der Christbaum wurde geplündert und aus den Wohnstuben verbannt.
Candelaria – Lichtmess – leitet sich davon ab, dass an diesem Tag die Kerzen geweiht wurden. Da man sie nicht mehr zu Beleuchtungszwecken im Haushalt brauchte, hatte man sie sakraler Bestimmung übergeben, denn zu den Osterfeierlichkeiten herrschte großer Bedarf an Kerzen.
Historisch belegt ist auch, dass bereits die Römer im fünften Jahrhundert vor Christus um die Lichtmesszeit zu Ehren ihres Gottes Pluto Februus und seiner Tochter ein Fest feierten. In dessen Verlauf wurden Umzüge mit Kerzen und Fackeln veranstaltet. Vermutlich war es das erste Frühlingsfest der Römer. (Johannes Stirnemann)

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