Kultur

Mittwoch, 13. Juni 2012

Auf dem Weg zum Himmel

Ausstellung von Prachtbibeln bis August in Bad Bergzabern zu sehen

Die Armenbibel aus dem 15. Jahrhundert, die in der Ausstellung in Bad Bergzabern gezeigt wird, besticht durch eine reiche Bebilderung. Foto: Pfundstein-Brinkop

Von prachtvollen bebilderten und ausgestatteten Bibeln, die sich nur Vermögende leisten konnten über Bilderbögen für das einfache Volk, bis zu einem Roboter, der die Bibel schreiben kann, reicht das Spektrum der Ausstellung „Prachtbibeln und Bilderbögen“. Zu sehen ist sie im Museum der Stadt Bad Bergzabern im historischen Renaissance-Gebäude „Zum Engel“ in der Königstraße 45.
18 Leihgeber haben rund 20 Exponate vom 15. bis zum 20. Jahrhundert zur Verfügung gestellt. Es hat viel Sorgfalt gebraucht, um die wertvollen Bücher für die Besucher in Szene zu setzen, wie der Leiter des Museums, Rolf Ulshöfer, weiß. „Manche Bibeln mussten wir wegen ihres Gewichts zu zweit tragen“, erzählt er. Eine Einführung über die  Zeitspanne von 1150 Jahren, die die Ausstellung abdeckt, gab Diakon Dr. Helmut Husenbeth.
Das älteste Exemplar der Ausstellung ist ein Faksimile des Evangelienbuchs des Otfried von Weißenburg (um 790 bis 875), eine Leihgabe der Universitätsbibliothek Heidelberg. Es ist das erste in altrhein-fränkischem Dialekt, bis dahin waren die Bibeln in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache geschrieben worden. Übrigens: Der Weißenburger Mönch Otfried gilt als der Erfinder des deutschen Endreimes.
Zu den Prachtbibeln gehören auch die Cotta-Bibel von 1929 oder die Neustadter Bibel von 1594. Teils sind sie mit kunstvollen Silberbeschlägen versehen.  Zu sehen sind auch ein Faksimile der Gutenberg-Bibel, ein Gesangbuch von 1695 mit „geistreichen Liedern“ und die Bibeln von Hundertwasser und Chagall. Aus dem Jahr 1890 stammt die Allioli-Bibel, die mit vielen chromographierten Vollbildern ausgestattet ist und eine Haus- und Familienchronik enthält. Im 15. Jahrhundert entstand die sogenannte Armenbibel, die reich bebildert für die des Lesens Unkundigen gedacht war, zu der in dieser Zeit auch die meisten Reichen gehörten. 
Der zweite Schwerpunkt der Ausstellung sind die „Weißenburger Bilderbögen“, die Annemarie Bendel aus Weißenburg zur Verfügung gestellt hat. Es ist wenig bekannt, dass sich das Städtchen im 19. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Bilderbögen-Städte Europas entwickelt hat, in dem weltliche und kirchliche Inhalte in farbenprächtigen Drucken erschwinglich für den „kleinen Mann“ hergestellt wurden. 1835 wurde der erste Bilderbogen gedruckt, die Produktion wurde in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts eingestellt.
Der Kreis schließt sich im 21. Jahrhundert mit dem Projekt der Künstlergruppe „robotlap“ vom Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe (ZKM), das auf Video zu sehen ist. Ein Roboter schreibt in kunstvoller Schrift die drei Millionen Buchstaben der Bibel auf 900 Meter Papier.
„Beigaben“ der von Ulshöfer gestalteten Ausstellung runden diese ab: das Weihrauchgefäß, die Taufkleidchen aus dem 19. Jahrhundert oder die Spendenkasse der Mission, mit der für die „Missionsneger“ gesammelt wurde. Aufschlussreich auch das „Gesetzbuch für Geistliche“ aus dem Code Napoleon von 1804. „Angriffe gegen die Schamhaftigkeit“ wurden damals mit einer lebenslangen Kettenstrafe geahndet. (Redaktion)

Die Ausstellung ist bis zum 31. August im Museum der Stadt Bad Bergzabern im historischen Renaissance-Gebäude „Zum Engel“ in der Königstraße 45 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 16 Uhr bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 Uhr bis 18 Uhr.

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