Kultur

Donnerstag, 09. August 2012

Das erste Bild der Welt

Ausstellung in Reiss-Engelhorn-Museen vereint Meilensteine der Fotografiegeschichte

Dauerhaft fixiert: Acht Stunden dauerte die Belichtung des ersten Fotos. In einem ausgeklügelten System wird es präsentiert. Foto: Museum

In der Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie. Meilensteine der Gernsheim-Collection“ präsentieren die Reiss-Engelhorn-Museen ab 9. September Höhepunkte aus zwei Jahrhunderten Fotografiegeschichte. Ein besonderes Glanzstück ist bereits eingetroffen: das erste Bild der Welt. Nach über 50 Jahren kehrt das Meisterwerk einmalig nach Eu­ropa zurück.
Dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce (1765 bis 1833) gelang es 1826 zum ersten Mal ein Bild dauerhaft zu fixieren. Die Zinkplatte zeigt den Blick aus Niépces Arbeitszimmer auf den Innenhof seines Anwesens in Le Gras. Ganze acht Stunden dauerte die Belichtung. Auf den ersten Blick wirkt die Platte unscheinbar, erst wenn sie im richtigen Winkel ins Licht gehalten wird, offenbart sich wie von Zauberhand das Motiv. „Das ist wie die Mona Lisa oder die Blaue Mauritius“ freut sich Kurator Dr. Claude W. Sui, für den mit dieser Ausstellung ein lang gehegter Traum in Erfüllung geht.
Niépce blieb die Anerkennung für sein Werk verwehrt. Lange Zeit galt sein späterer Partner Louis Jacques Mandé Daguerre (1787 bis 1851) mit einer Aufnahme aus dem Jahre 1839 als Erfinder der Fotografie. Erst das Sammlerehepaar Helmut und Alison Gernsheim datierte mit der Wiederentdeckung der ersten Heliografie von Niépce die Geburtsstunde der Fotografie um 13 Jahre vor. „Der Blick aus dem Fenster in Le Gras“ war 1898 in einer Ausstellung im Crystal Palace in Sydenham zu sehen. Danach verlor sich seine Spur für mehr als ein halbes Jahrhundert.
Der Wiederentdeckung der ersten Fotografie der Welt ging eine jahrelange Suche voraus. Erst ein Aufruf in „The Observer“ brachte schließlich die Wende. Das gesuchte Bild tauchte eingelagert in einem Schrank-Koffer auf. Am 14. Februar 1952 hielt Helmut Gernsheim die Fotografie zum ersten Mal in seinen Händen.
Helmut Gernsheim (1913 bis 1995) trug eine einzigartige Fotosammlung zusammen. Der historische Teil ging 1963 ins Harry Ransom Center der Universität Texas in Austin, der zeitgenössische Teil kam 2002 ins Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen. Nach über einem halben Jahrhundert vereint die gemeinsame Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie“ erstmals wieder 250 Meilensteine aus beiden Sammlungsteilen – von den Fotopionieren bis zu wichtigen Vertretern des Bildjournalismus.
Die erste Fotografie der Welt wird in einem ausgeklügelten Schau- und Konservierungssystem präsentiert. In einer sauerstofffreien Argonatmosphäre ist sie vor schädlichen Außeneinwirkungen geschützt. Eine ähnlich aufwändige Handhabung genießen wichtige Exponate und Urkunden wie die ägyptische königliche Mumiensammlung oder die indische Verfassung. Der Transport war auch für Barbara Brown, Chefrestauratorin des Harry Ransom Center, eine Premiere. Zum ersten Mal ging das Meisterwerk im eigens designten Schaukasten auf Reisen. (Redaktion)

Ausstellung 
„Die Geburtsstunde der Fotografie“ 
vom 9. September 2012 bis 6. Januar 2013.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
Keine Kommentare

Pilger-Community

Um Kommentare verfassen zu können müssen Sie in der Pilger-Community angemeldet sein.

Falls Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich
hier kostenlos registrieren.

Die Kommentarfunktion dient dem Austausch der Pilger-Community untereinander. Alle Kommentare drücken ausschließlich die Ansichten der Autoren (Nutzer) selbst aus. Der Betreiber der Website www.pilger-speyer.de ist für den Inhalt einzelner Beiträge nicht verantwortlich. Hier finden Sie die  ausführlichen Nutzungsbedingungen und Regeln zur Kommentarfunktion.

Anzeige

28. August 2014

Zeichen des Verfalls einer gottlos gewordenen Welt

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren hielt sich die katholische Kirche zurück


21. August 2014

Erhebende Kathedralklänge

Bruckner-Symphonien in den Domen des Landes – Auftakt in Speyer


14. August 2014

Natur verbindet

25 Jahre „Grünes Band“ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren