
In Colmar gefunden: ein Fragment vom Gewand des Jan Hus. Foto: © Musée d´Unterlinden, Colmar, Foto: Thomas Goldschmidt
Als Jan Hus während des Konstanzer Konzils als „Ketzer“ zum Tode verurteilt wurde, war man sorgsam darauf bedacht, ein mögliches Andenken zu verhindern. So wurde der Theologe am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt und seine Asche im Rhein versenkt. An den frühen Reformator sollte nichts mehr erinnern. Umso spektakulärer ist die Ent-
deckung, die dem Badischen Landesmuseum bei Recherchen für die Große Landesausstellung 2014 „Das Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters 1414-1418“ gelungen ist: Im Depot des Musée d’Unterlinden in Colmar fand sich ein unscheinbares Stück Stoff, welches laut jahrhundertealter Beschriftung ein Morceau de la robe de Jean Huss, brûle à Constance le 15 Juillet – ein Mantelteil des Jan Hus – sein soll. Eine weitere Handschrift verrät zudem, dass das Stück am 27. Oktober 1842 von Monsieur Hamberger, Rat am königlichen Hof und Mitglied des Stadtrates, gestiftet wurde.
Eine textiltechnologische Untersuchung im renommierten Spezialinstitut der Abegg-Stiftung bei Bern bestätigte nun, dass die Entstehung des Wollstoffs durchaus ins Mittelalter datiert werden kann.
In jedem Fall liegt mit dem Colmarer Textil nun ein Beweis für die frühe Verehrung Hus’ auch auf materieller Ebene vor.
Wie sehr das Werk des Theologen auch über seine Heimat hinaus gewürdigt wurde, zeigte sich bereits früh. So war Deutschland das erste Land, in dem seine Schriften übersetzt und gedruckt wurden. Als Vorläufer der Reformation wurde er im 16. Jahrhundert von Martin Luther zum Märtyrer stilisiert. Nicht zuletzt belegt die Erhebung des Todestages zum tschechischen Feiertag 1925 die bis heute anhaltende Verehrung und geistige Wertsschätzung in seiner Heimat Böhmen.
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