Mittenwald ist die Stadt des Geigenbaus. Aber es gibt eine Zeit im Jahr, da spielen die Streichinstrumente sozusagen nur die zweite Geige. Im Fasching geben andere Instrumente den Ton an. Dann erfüllen ungewöhnliche Klänge die Gassen und Plätze – und der Ort wird zur Bühne.
Mit dem Ausklang des Dreikönigstages ist es so weit. Dann machen sich die Mittenwalder und Garmischer in den närrischen Hochburgen der Zugspitzregion daran, den Winter zu vertreiben. Laut und ausgelassen geht es zu, wenn sich maskierte Männer zum so genannten Maschkera-Gehen treffen. „Wenn ich das Gestampfe und Geraunze höre, juckt es mich in den Beinen“, erzählt Georg Neuner. Dann müsse auch er sich eine Maske, die hier Larve heißt, aufsetzen und raus auf die Straße gehen.
Der Mittenwalder ist eigentlich Geigenbauer, aber in seiner Freizeit schnitzt er Larven aus dem weichen Holz der Zirbelkiefer. In seiner umfangreichen Sammlung, deren älteste Stücke schon seit Generationen in der Familie weitergegeben werden, haben die meisten Masken eher strenge oder sogar dämonische Züge.
Die Larve ist nicht irgendeine Verkleidung. „Sie hilft uns, nicht erkannt zu werden“, erklärt Neuner, „ein passendes Gewand inklusive Kopfbedeckung gehören aber noch dazu.“ Zudem verändert man neben der Stimme auch seinen Gang und versucht, anders zu gestikulieren als gewöhnlich. „Manche legen sogar den Ehering ab und schwärzen sich die Hände“, so der Schnitzer. Das Unerkanntbleiben ist schließlich das A und O beim Maschkera-Gehen, einer Tradition, die nur noch in der Zugspitzregion gepflegt wird.
Auch bei Regine Ronge spürt man die Begeisterung für die historischen Bräuche. „Bei uns wird nichts organisiert. Man verabredet sich oder trifft sich spontan“, betont die Mittenwalder Gästeführerin stolz. Dann geht’s in die Wirtshäuser zum „Gungeln“. Dort warten mutige Mädchen und Frauen auf die Maschkeras, die zum Tanz bitten. Und wenn der Bucklige in dem zerrissenen Gewand mit der Furcht einflößenden Maske sie auffordern würde? „Kein Problem, dann tanze ich eben mit ihm und wenn er unerfahren sein sollte, bringe ich ihm unsere Standardtänze bei.“ Die könne man in keiner Tanzschule lernen.
Regine Ronge hat einen Maschkera in weiten Frauenröcken entdeckt, die er übereinander trägt. „Das ist ein Predikant, der sagt den Leuten Dinge, die man sonst nicht ausspricht.“ Uns starrt er nur eindringlich an und geht dann weiter. Ein gutes Zeichen, flüstert die Gästeführerin.
Laut geht es zu in der Faschingszeit, schließlich muss ja der Winter vertrieben werden. Die Schellenrührer, die mit umgebundenen Kuhglocken durch das Städtchen ziehen, leisten dabei Schwerstarbeit. Aber auch die Peitschen schwingenden Goasslschnalzer, die Jacklschutzer, die den Winter in Form einer Strohpuppe mit sich schleppen und Lob-, aber auch Spottverse zum Besten geben, sowie die Pfannenzieher, die andere Maschkera in großen Pfannen hinter sich her ziehen, heizen der kalten Jahreszeit ganz schön ein. (Redaktion)
Internet-Tipp: www.mittenwald.de