Kultur

Donnerstag, 16. August 2012

„Wollust“ im Herz-Jesu-Kloster

Spezielle Gerichte anlässlich einer Kultursommer-Tagung zu den sieben Todsünden

Da kommt „Neid“ auf, wenn nur Pumpernickel mit Frischkäse aufgetischt wird. Anja Zeil in der Küche des Herz-Jesu-Klosters beim Herrichten einer ihrer eigens zur Tagung kreierten „Todsünden“. Foto: Köpf

Sünde kann es auch im kirchlichen Raum geben: Für zwei Köchinnen im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt war es reizvoll, sich einen Tag lang mit den „Todsünden“ zu beschäftigen. Da wurde geschnippelt, gehackt, gebacken, angebraten und gewürzt.
Wer nun meint, dass es nur um scharf und fettig ging, der irrt. „Wir legten schon morgens los, weil wir wussten, was alles auf uns zukommt,“ sagt Küchenchefin Anja Zeil. Zusammen mit ihrer Kollegin Adelheid Weber schufen sie am 10. August tausend Teile an Fingerfood, oder Häppchen für geladene Gäste einer Veranstaltung im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz.
Schon Tage vorher hatten die beiden Frauen den genauen Speiseplan entwickelt. Als Thema waren die sieben Todsünden vorgegeben. Sind sie geächtetes Laster oder hofierte Tugenden, fragten sich die Veranstalter im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz. „Wir mussten erst einmal nachschauen, welche Todsünden es überhaupt gibt“, meint Weber, „und dann überlegten wir uns, was dazu kulinarisch passt“.
Die „Habgier“ war beispielsweise ein wohlschmeckendes Kanapée mit Lachs. Herz-Jesu-Pater Edwin Rombach ist überzeugt: „Wer reinbeißt, will mehr davon haben und gibt davon auch nichts ab.“ Zorn war lediglich ein Gläschen mit Nudelsalat. Die Köchinnen stellten sich vor, wer von den Gästen nur einen Bissen nimmt, fragt sich zornig: „Das ist so banal. Gibt es denn hier nichts besseres zu essen?“, so Adelheid Weber. Hochmut steht für Wraps mit Spargeln. Die Teigtüten, die nach dem englischen Wort für  „einwickeln“ benannt sind, und das königliche Gemüse vertragen sich nicht unbedingt. Ins richtige Leben übertragen steht der Spargel damit für den Stolz. Ein Besucher des gelungenen Abends war schnell davon überzeugt: „Wegen der Form können Datteln mit Schinken nur die Wollust bezeichnen.“ Auch Pumpernickel mit Frischkäse kann eine Sünde beschreiben. „Es ist der Neid. Neid auf das, was andere gerade Tolles essen.“
Einige der Todsünden hängen eng mit anderen zusammen. Vanille/Schoko-Mousse kennzeichnet etwa die Trägheit. Wer davon den Hals nicht vollkriegt, ist schnell bei der Völlerei (Hähnchen auf Spieß) angelangt. Pater Edwin Rombach: „Es ist das Faszinierende an den Todsünden, dass sie häufig zunächst aus einem Laster he-raus entstehen. Wer im richtigen Leben einseitig denkt, oder sich zu viel herausnimmt, begeht irgendwann eine Todsünde.“
Christen kennen dann die Erlösung. Die beiden Köchinnen verdeutlichten es mit der Tischdekoration. Weiße Astern und Dahlien stehen für Reinheit. Adelheid Weber ist überzeugt: „Im Gespräch lassen sich viele Denkblokaden lösen. Deshalb war der richtige Platz für die Dekoration schnell gefunden, mitten auf den Tischen.“
Die beiden Köchinnen des Herz-Jesu-Klosters würden übrigens auch in Zukunft ihre Speisen gerne thematisch passend zubereiten. Körper und Seele sollen eins sein, vermitteln sie den Veranstalter von Tagungen gerne. „Uns würde es daher freuen, wenn wir schon frühzeitig in Planungen mit einbezogen werden.“ (Redaktion)

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