Silbermöwe

Mittwoch, 25. Mai 2016

Hoffnung auf ein Ende des Krieges

Im Südsudan gehen die verfeindeten Gruppen aufeinander zu

Die Flüchtlinge im Südsudan und den Nachbarländern hoffen auf eine Rückkehr in ihre Heimat. Foto: actionpress

„Es ist schwierig zu feiern, wenn deine Familie massakriert wurde“, sagt der südsudanesische Ökonom James Alic Garang. „Doch zugleich freust du dich, dass es jetzt vorbei ist. Ein Auge weint, das andere lacht.“ Jetzt feierten die Südsudaner die Rückkehr von Rebellenführer Riek Machar in die Hauptstadt Juba – der noch am selben Abend als neuer Vizepräsident des jungen Landes vereidigt werden sollte.

Eigentlich sollte Machar bereits am 18. April eintreffen. Seine Verspätung schürte erneut die Angst der elf Millionen Südsudanesen vor Gewalt. Doch mit der Rückkehr des Machtherrn nach drei Jahren im Untergrund sehen viele endlich ein Ende des Bürgerkriegs eingeläutet. Dieser machte mehr als zwei Millionen Südsudanesen obdachlos und doppelt so viele von Nahrungsmittelspenden abhängig.

2011 stimmte der Südsudan in einem Referendum für seine Unabhängigkeit. Diese sollte die Repression durch den Sudan beenden und einen Schlussstrich unter Armut, Gewalt und Unterentwicklung ziehen. Jedoch wich die Euphorie schon 2013, als Präsident Salva Kiir sein Kabinett entließ. Seinen Vize Machar beschuldigte er eines Putschversuchs. Der frühere Freiheitskämpfer ging in den Untergrund und sammelte Soldaten um sich.

Die anschließende Rebellion gegen Kiirs Regierung kostete Zehntausende Südsudanesen das Leben. Die UNO beschuldigt beide Seiten grausamer Kriegsverbrechen. Mehr als 1300 der Kämpfer, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren Frauen und Kinder vergewaltigten, erschossen oder zerhackten, warten jetzt in provisorischen Zeltsiedlungen in der Hauptstadt. Unter dem Argusauge der staatlichen Armee waren sie zuletzt nach Juba einmarschiert, um die sichere Ankunft ihres Oberbefehlshabers vorzubereiten.

„Machars Rückkehr nach Juba gibt uns große Hoffnung, dass das Land wieder vereint sein wird“, sagt Menschenrechtsanwalt Biel Boutros. Die Zusammenarbeit der Erzfeinde Kiir und Machar sei der erste Schritt bei der Umsetzung eines Friedensabkommens von 2015, das die Bildung einer Einheitsregierung vorsieht.

Kiir als Präsident, Machar auf seinem alten Posten als Kiirs Vize und ein Ministerkabinett aus Rebellen und der Regierung der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM): Diese Kombination könnte Experten zufolge einer der ärmsten Nationen der Welt das Überleben sichern. Beide Erzrivalen beschworen in den vergangenen Tagen Frieden. Doch bereits in der Vergangenheit hatten die Kriegsparteien mehrere Waffenstillstandsabkommen gebrochen.

In Juba hofft man, dass Geber wie die EU, USA oder Japan die Entwicklungshilfe wieder aufnehmen, die sie während des Bürgerkriegs eingefroren hatten. Hierauf ruhen die Hoffnungen der Menschen – und auch der Kirchen des Landes. (Markus Schönherr)

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