Silbermöwe

Donnerstag, 21. August 2014

Der unsichtbare „Feind“ Ebola

Afrikamissionar Father Garry Jenkins berichtet über die Situation in Liberia

Aus unbekümmerteren Tagen: Father Garry Jenkins beim Einzug in die Kirche zu Beginn eines Gottesdienstes in Liberia. Foto: Privat/Ofer

Aus Tubmanburg, einer kleinen Stadt in Liberia, erhielten Ursula und Karl Heinz Ofer aus Birkenheide am 9. August Nachricht von Father Garry Jenkins vom Orden der Afrikamissionare (Weiße Väter). Sie hatten den Briten vor vier Jahren bei einem Afrikabesuch kennengelernt. Father Garry lebt seit 40 Jahren in Liberia und hat den Bürgerkrieg, etliche Krankheiten und viele Schwierigkeiten überlebt. Er schreibt unter anderem zur aktuellen Krisensituation:

Liebe Freunde, die Kontrolle über die Ausbreitung des Ebola-Virus erweist sich als sehr schwierig. Hier einige unserer Sorgen: Der Tod von Bruder Patrick Nshamdze, dem Geschäftsführer des Katholischen St. Josefs Hospitals in der liberischen Hauptstadt Monrovia, am letzten Samstag (Anmerkung: Er gehörte dem Krankenpflegeorden der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott an) war wirklich eine sehr traurige Nachricht für uns. Jedenfalls wurde Father Miguel Pajares, der Krankenhauskaplan, am 6. August mit einer speziell präparierten Maschine nach Spanien ausgeflogen (Anmerkung: Pater Miguel Pajares ist am 12. August verstorben).
Wir beten weiter für die Gemeinschaft der Schwestern und Brüder vom Heiligen Johannes von Gott, die seit vielen Jahren in diesem Krankenhaus Dienst tun. Im Moment ist das katholische Krankenhaus, das eines der Haupthospitäler in Monrovia ist, geschlossen. Einige andere wichtige Krankenhäuser können auch wegen des Ebola-Ausbruchs nicht normal funktionieren.
Hier in unserer kleinen Stadt Tubmanburg im Bezirk Bomi gab es elf Fälle von Ebola-Infizierten mit sieben Toten in einer Familie. Offensichtlich hatten sie vor zwei Wochen an der Beerdigung eines Familienmitglieds teilgenommen. Letzten Mittwoch erfuhren wir am frühen Morgen, dass Soldaten ein Haus isoliert hatten, ungefähr eine halbe Meile die Straße hinunter, weil zwei Menschen dort in der Nacht gestorben waren und mehrere Erkrankte sich noch im Innern aufhielten.
Die Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson-Sirleaf, und ihre Regierung haben um internationale Unterstützung gebeten. Wir beten, dass alle Hilfsanfragen der Regierungen von Sierra Leone, Guinea und Liberia auf eine positive Antwort stoßen, so bald wie möglich.
Straßen sind gesperrt, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, das sich schneller verbreitet, als irgend  jemand vermutet hatte. Am schlimmsten ist die Anspannung, mit der wir leben müssen. Viele sagen, dass dies schlimmer sei als die langen Jahre des Bürgerkrieges, denn dieser „Feind“ ist unsichtbar.
Unser kleines Hospital mussten wir am 29. Juli schließen, weil es zu nahe an der Kirche und am Pfarrhaus liegt. Bis jetzt – Gott sei Dank! – geht es niemandem bei uns in der Missions-Station schlecht, abgesehen von den „gewöhnlichen“ Krankheiten wie Malaria und Typhus, mit denen wir immer rechnen.
Auf pastoraler Ebene haben wir jedoch einige drastische Maßnahmen ergriffen, einfach um uns selbst und andere zu schützen. Wir haben unsere Besuche in den Dörfern eingestellt. Vor dem Eingang der St. Dominikus-Pfarrkirche steht immer ein Behälter mit gechlortem Wasser zum Händewaschen, bevor die Menschen die Kommunion empfangen. Der Friedensgruß wurde eingestellt, es gibt im ganzen Land kein Händeschütteln mehr.
In unserer Pfarrei desinfizieren wir – die Priester – unsere Hände, bevor wir die heilige Kommunion austeilen. Und mit großem Bedauern bringen wir keine Krankenkommunion mehr zu den Kranken nach Hause und erteilen keine Krankensalbung mehr. Ein anderer wichtiger Teil unseres pastoralen Amtes musste eingeschränkt werden – das betrifft den Bereich der Beerdigungen. Insgesamt also ein sehr schwieriges Szenario. Wir können nur noch durch Gebet und Liebe Zeugnis geben anstatt durch Aktionen.
Auch Euch danke ich für Eure Gebete. Bitte betet weiter für uns alle hier, für die Ärzte und die Krankenschwestern und die Menschen in Guinea, Sierra Leone und Liberia, dass der gütige Gott uns weiterhin beschützt und dem Virus ein Ende setzt. (red)

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