Silbermöwe

Mittwoch, 27. August 2014

Ein Kühlschrank für den Neuanfang

„Tröpfchenweise Güte“ verteilt erste Hilfslieferungen in Bosnien und Kroatien

Krankenhausseelsorger Mijo Ikic (links) übergab im Städtchen Gunja in der kroatischen Grenzregion Kühlschränke an bedürftige Hochwasseropfer. Foto: privat

Sintflutartige Regenfälle suchten im Mai das Grenzgebiet von Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina heim. Seitdem lebt ein Großteil der Bevölkerung – im kroatischen Teil allein rund 50000 Menschen – in Notunterkünften. Mijo Ikic, der aus dieser Region stammende Krankenhausseelsorger in Ludwigshafen, war im Juli drei Wochen lang in dem Gebiet, um mit seinem Spendenprojekt „Tröpfchenweise Güte“ etwas Hilfe zu bieten.
Reich waren die Leute in diesem Landstrich noch nie. Doch selbst das Wenige, das sie sich erarbeitet haben, ist nun weg. Ikic konnte während seines Besuchs mehr als 20 Familien besuchen, um Trost zu spenden. Alle Besuche hatten etwas gemeinsam: die Not. So berichtet er von dem 73-Jährigen, der sein Leben lang für das eigene Haus gearbeitet hat. Vier Meter hohes Wasser verwüstete beide Stockwerke. Der Mann sei nur noch am Weinen. Oder die alte, fast blinde Frau, die das Leben im Notcontainer mit dem beinahe völligen Verzicht auf Privatsphäre nicht mehr aushielt. Sie lebt nun in einem Verschlag vor ihrem zerstörten Häuschen. Trinkwasser im Kanister und Essen von der öffentlichen Küche bringt der Nachbar täglich vorbei. Gerade diese Nachbarschaftshilfe hat Ikic bei seinem Besuch berührt: „Jeder hilft jedem – egal ob Jung oder Alt, egal ob christlich, orthodox oder muslimisch.“ Doch die existentiellen Nöte zeichnen weiter die Gesichter der dortigen Menschen, „mit Tränen und Trauer im Gesicht, als ob sie das Lachen verlernt hätten“, beschreibt der Seelsorger die Lage.  
Bei seinem Besuch im warmen Sommer kümmerte sich Ikic darum, den Bedürftigsten unter den Opfern Kühlschränke zu besorgen, um Nahrung für einige Tage aufbewahren zu können. Zehn Geräte konnte er für die bisher gesammelten Spendengelder vor Ort erstehen. Darüber hinaus übergab er insbesondere an alte Menschen und kinderreiche Familien kleinere Geldbeträge als Soforthilfe. „Es ist, insgesamt gesehen, keine große Hilfe“, weiß auch Ikic. Aber dem Einzelnen helfe sie eben doch – tröpfchenweise eben. Tröpfchenweise Güte. Allen Spendern spricht Ikic, auch im Namen der Empfänger, seinen herzlichen Dank aus. Durch diese Unterstützung konnten Menschen in tiefster Not erfahren, dass sie nicht alleine sind. Ihre Tränen zeigten dies deutlich, auch dort, wo Worte manchmal fehlten.
Ikic will im Oktober erneut in die Krisenregion fahren. „Vielleicht“, so der Seelsorger, „geht es dann um Brennholz. Oder doch um etwas ganz anderes. Eines steht aber fest: Viele Menschen dort wissen nicht, wie sie über den Winter kommen sollen.“ (red)

Spenden können überwiesen werden auf das Konto Bistum/Silbermöwe.

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