Silbermöwe

Donnerstag, 17. April 2014

Hunderte Familien haben alles verloren

Misereor und Aktion Silbermöwe leisten Soforthilfe in Kalkutta

Genau da, wo 2011 dieses Foto entstand, verwüstete ein verheerender Brand rund 400 Hütten von Müllsammler-Familien. Unter den Kindern auf dem Bild ist auch Chano, das Mädchen vom Misereor-Plakat der Fastenaktion 2012. Foto: Misereor/Archiv

Das Foto rechts zeigt eine Gruppe aus dem Bistum Speyer in Vorbereitung der Misereor-Fastenaktion 2012 in einem Slum von Kalkutta. Ebenfalls zu sehen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Tiljala Shed“, die vor allem mit und für Müllsammler-Familien arbeitet. Zwischen Weihbischof Otto Georgens und der Katholikenratsvorsitzenden Maria Faßnacht steht Shafkat Alamgir, einer der Verantwortlichen von „Tiljala Shed“, der auch zu Gast war bei bei der Eröffnung der Misereor-Aktion in Speyer. Vor einigen Tagen musste er seine Freunde und Bekannten aus dem Bistum Speyer über eine schreckliche Katastrophe informieren. Bei einem verheerenden Brand in „seinem“ Projekt wurden am 5. April 400 Hütten, das Zuhause Hunderter Müllsammler-Familien, zerstört. Die Toten und Verletzten sind noch nicht einmal alle gezählt. 5000 Menschen seien von jetzt auf gleich ohne Obdach, so Shafkat.
Die Katastrophe zeigt wieder einmal, wie fragil die Lebensbedingungen vieler Menschen sind, bei denen es immer nur so gerade zum Überleben reicht. Einem Brand wie jetzt halten die Hütten nicht stand. Shafkat schreibt, dass das nachts ausgebrochene Feuer durch einen Funkenschlag der Hochspannungsleitung der Bahn entstand. Die Bahn fährt mitten durch den Slum, die Menschen leben auf und neben den Schienen. Durch den starken Wind habe sich das Feuer rasend schnell verbreitet. Auch Öl, Kerosin, Klebstofflösungen und Gasflaschen gerieten in Brand. Die Flammen schlugen schnell 35 bis 40 Meter hoch, und ein Entkommen war vielen dann unmöglich.

Ob Chano den Brand überlebt hat?
„Ich muss an Chano denken, das Mädchen auf dem Fastenaktionsplakat von 2012, damals sieben Jahre alt, mit dem riesigen leeren Korb unterm Arm, mit dem sie die Müllkippe nach Verwertbarem durchsuchte. Sie wohnte mit ihrer Familie im Park Circus, dem beschönigenden Namen des Slums, in dem es jetzt so schlimm gebrannt hat. Ob sie überlebt hat?“ So fragt Gottfried Baumann aus der Pressestelle von Misereor in einem Blog.

Leben auf den Bahngleisen
Betroffen auf den Hilferuf aus Kalkutta reagiert auch Maria Faßnacht, die Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Speyer. Sie schreibt: „Auch nach mehr als zwei Jahren sind die erschütternden Bilder der riesigen Slumgebiete an den Bahngleisen der Millionenstadt noch immer  vor meinen Augen. Menschen am Rand der Gesellschaft, die unter der zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit leiden und die sich nur mit ganz viel persönlichem Einsatz über Wasser halten können.
Trostlos wären diese Tage für uns geblieben, wenn wir nicht  die engagierten Frauen und Männer der einheimischen Misereor-Projektpartnergruppe Tiljala Shed kennengelernt hätten, die uns zeigten, wie Menschen trotz allen Elends eine Würde vermittelt wird, die sie zur Selbstverantwortung befähigt.
Und nun erhielten wir Fotos, auf denen gerade der Slum, den wir besucht haben, durch einen Brand am 5. April fast vollständig vernichtet wurde und damit die Existenz von etwa 5000 Familien in Schutt und Asche aufging. Ihr gesamtes Hab und Gut, einschließlich aller Hütten mit  Kleidung und Dokumenten war von einem Tag zum anderen verloren. Was das für die Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet, können wir uns nur schwer vorstellen. Um weiter leben zu können, müssen sie wieder ganz von vorne anfangen, es fehlt am Allernotwendigsten.“
Maria Faßnacht hat Shafkat Alamgir das Mitgefühl aus dem Bistum Speyer ausgedrückt. Und sie fügt hinzu: „Unsere Gebete begleiten die Gruppe in dieser extrem schwierigen Zeit. Wir erbitten für sie ganz viel Kraft und Gottes Segen zum Neuanfang. Auch persönlich beteiligen wir uns finanziell an der Soforthilfe, die die Aktion Silbermöwe des pilger zusammen mit Misereor in die Hand genommen hat. Ich darf Sie alle, liebe Leserinnen und Leser unserer Bistumszeitung, bitten, sich uns anzuschließen. Im Namen von Tiljala Shed ein herzliches Vergelt’s Gott.“
Nötig seien zunächst Lebensmittel, Babynahrung, nutzbare Kleidung, Haushaltsutensilien, Schuhe und Decken, schreibt Shafkat in seinem Hilferuf. Hier wollen Misereor und die Aktion Silbermöwe helfen – so schnell wie möglich.     (Nobert Rönn)

 

Spenden für die Opfer der Brandkatastrophe können auf das Konto der Aktion Silbermöwe des „pilger“ überwiesen werden. Stichwort: Brandkatastrophe Kalkutta.

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