Silbermöwe

Donnerstag, 22. September 2016

Bei den arbeitenden Kindern von Cajamarca

Seit 30 Jahren arbeitet Manthoc in Peru– Freiwillige aus dem Bistum Speyer und Förderverein

Kinder und Jugendliche selbstbewusst und stark machen – das ist seit 30 Jahren das Ziel von Manthoc in Peru. Foto: Manthoc

30 Jahre Manthoc Peru, 30 Jahre Hilfe für arbeitende Kinder. Manthoc ist die Abkürzung für Movimiento  de Adolescentes y Ninos Trabajadores Hijos de Obreros Cristianos und heißt auf Deutsch übersetzt: Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher,  Söhne und Töchter christlicher Arbeiter. Diese Bewegung gibt es in verschiedenen Städten in Peru. Seit 1986 existiert Manthoc in Cajamarca. Der Förderverein Manthoc-Cajamarca aus der Pfalz unterstützt seit drei Jahren den Verein Manthoc in Peru, der sich dort für arbeitende Kinder einsetzt.

Dina verdient Geld damit, Hühnchen zu verkaufen. Sie arbeitet täglich von vier Uhr nachmittags bis in den späten Abend hinein – Vollzeitarbeit würde man das hier in Deutschland nennen. Aber Dina ist keine Deutsche, sie ist Peruanerin und erst 12 Jahre alt.

Annette Heil ist Abiturientin, 20 Jahre alt und kommt aus Ludwigshafen. Eigentlich haben die Welten von Dina und Annette wenig miteinander zu tun. Die eine, eine junge Frau aus dem behüteten Europa, die andere ein Kind, das arbeitet, Halbwaise aus Cajamarca im Norden von Peru. Durch den BDKJ Speyer konnte Annette aus der Pfalz Dina und über 120 weitere arbeitende Kinder kennenlernen und mit ihnen ein Jahr lang zusammenarbeiten.

Arbeiten und auch die Schule besuchen

Dina arbeitet nicht nur, sondern geht auch zur Schule. Sie besucht die fünfte Klasse der Grundschule „ Jesús Trabajador“. Sie will nicht für immer Hähnchen verkaufen „Ich will Ärztin werden“, sagt Dina „das war der Wunsch meines verstorbenen Vaters“.

Die Schule, die Dina besucht, wird von der Organisation Manthoc betrieben. Manthoc kümmert sich um arbeitende Kinder in ganz Peru, vermittelt ihnen Schulbildung und bringt ihnen bei, dass sie Rechte haben: Rechte als Kinder und Rechte als Arbeiter. Dass eine Organisation Kinderarbeit unterstützt. scheint befremdlich, aber die Familien dort sind auf das Einkommen der Kinder angewiesen. „Wir wollen, dass die Kinder angemessene Arbeiten machen und zur Schule gehen“, sagt Adela Bardales León, Mitarbeiterin von Manthoc, „damit ihre eigenen Kinder später nicht mehr arbeiten müssen“.

Seit 1999 kommen Freiwillige aus dem Bistum Speyer

Die Organisation wurde im Jahr 1986 gegründet und feiert dieses Jahr ihr 30- jähriges Jubiläum. Seit 1999 kommen Freiwillige aus der Diözese Speyer nach Cajamarca. Gemeinsam mit Freiwilligen aus Dortmund, Italien, Spanien und anderen Ländern arbeiten sie für ein Jahr bei Manthoc mit.

Annette hilft unter der Woche in der Küche der Schule und betreut am Wochenende eine kleine Gruppe von Kindern etwa eine halbe Stunde außerhalb von Cajamarca. Das klappt aber nur dann, wenn sowohl der Bus als auch die Kinder kommen – in Peru ist das nicht selbstverständlich. Diesmal klappt beides. Etwa zehn Kinder zwischen acht und 12 Jahren sind gekommen, um Armbänder zu basteln. Vielen gefällt das, aber andere wollen lieber Fußball spielen. Ganz normale Kinder eben. Doch viele haben mit familiären Problemen zu kämpfen.

Die Kinder sehnen sich nach Zuneigung

Wenn Annette und die anderen Freiwilligen in die Schule kommen, werden sie von Kinderscharen umringt, die sie umarmen und mit ihnen spielen wollen. „Zuhause erfahren die Kinder häufig kaum Zuneigung“, erklärt Wendy Lingan Menzones. „Die suchen sie dann in der Schule.“ Teenagerschwangerschaften, häusliche Gewalt, Armut und Trennung der Eltern sind nur einige Symptome der sozialen Lage, in denen sich die Familien befinden. Hilfe vom Staat gibt es kaum, da muss Manthoc einspringen, oder eben die Freiwilligen aus Speyer.

„Am Anfang war ich manchmal überfordert, weil es auch Kinder gibt, die verhaltensauffällig sind“, gibt Annette zu, „aber ich habe schnell gelernt, damit umzugehen“. Als Nächstes steht für die 20-jährige ein Studium an, zurück in Deutschland, zurück in der mitteleuropäischen Realität. „Ich hoffe, dass ich das Bewusstsein behalte, wie gut es mir geht“, sagt sie. Um das nicht zu verlieren, will sie wiederkommen, wenn möglich schon im nächsten Jahr. Zu Dina, Manthoc und den arbeitenden Kindern von Cajamarca. (Teresa Stiens)   

Kontakt
Förderverein Manthoc Cajamarca
Trifelsstraße 9
76829 Landau
foerderverein.manthoc@gmail.com

 

 

 

 

 

 

 

 


www.förderverein-manthoc-cajamarca.de

 

 

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