Silbermöwe

Donnerstag, 19. Januar 2017

Mit Herz und Seele Missionar

In Chile starb Bruder Paul Oden – Ein Leben für Straßenkinder

Bruder Paul Oden aus Pirmasens – bis ins hohe Alter im Einsatz für die Straßenkinder in Chile. Foto: steyler missionare

Am Freitag, 13. Januar, ist in der nordchilenischen Stadt Iquique der aus Pirmasens stammende Bruder Paul Oden gestorben. Seit über 62 Jahren hatte der Steyler Missionar in dem südamerikanischen Land vor allem mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Paul Oden wäre am 23. Juli 89 Jahre alt geworden. Die Menschen in seiner Heimatstadt, aber auch Förderer aus Schifferstadt und aus anderen Teilen der Pfalz trauern um ihn. Das gilt auch für seine Freunde aus der Pfadfinderbewegung.

In Pirmasens aufgewachsen
Seine Kindheit und Jugend verbrachte der Verstorbene in Pirmasens, besuchte dort die Horebschule, war bei den katholischen Georgspfadfindern aktiv und ließ, so wird berichtet, auch keinen Streit mit den Pirmasenser Hitlerjungen aus. Er lernte Bäcker und Konditor, war am Horeb als Geselle tätig. Von einer tiefgläubigen Mutter geprägt und berührt vom Schicksal der Steyler- Missionare in Neuguinea, die im Krieg ihr Leben verloren hatten, entschloss er sich als 19-Jähriger, selbst Missionar zu werden und trat in das Missionshaus der „Societas Verbo Divino“ (svd) in St. Wendel ein, wo er als Bäcker und in der „Hausdienerei“ arbeitete.

Missionar in Chile
Als Missionar wollte er eigentlich nach Indien, dort wurde ihm aber die Einreise verweigert. So begann dann 1954 seine Zeit in Chile, zunächst an der Schule „Colegio del Verbo Divino“ in der Hauptstadt Santiago. In dieser Zeit war er maßgeblich beteiligt bei der Gründung der katholischen Pfadfinderbewegung Chiles. Und über die Pfadfinder habe er „das andere Chile, die Armut der Menschen“ kennengelernt, wie er 2014 in einem Interview feststellte.

Im Süden Chiles begann dann 1970 seine Arbeit für die Armen: Rund um Puerto Varas, gute 1000 Kilometer südlich von Santiago, baute Paul Oden Heime und Tagesstätten für Straßenkinder auf. Damit war der Grundstein gelegt zu den „Hogares de Menores Verbo Divino“, die bis zu vierhundert Kindern und Jugendlichen ein Leben in Würde und außerhalb des Dunstkreises von familiärer Gewalt, Alkoholismus und Prostitution ermöglichten und die seit 1979 und bis heute der Hauensteiner „Freundeskreis“, eine Gruppierung ehemaliger Pfadinder und anderer Aktiver aus der kirchlichen Jugendarbeit, unter anderem mit dem jährlich stattfindenden Hungermarsch zum Winterkirchel maßgeblich unterstützt.  Die Einrichtungen wurden später vom Orden übernommen und werden heute als Stiftung geführt.

In den Straßen von Iquique
Paul Odens Weg führte schließlich 1996 nach Iquique, einer 200000 Einwohner-Stadt im Norden Chiles, mit einer Vielzahl sozialer Probleme: Zusammen mit Bischof Enrique Troncoso gründete er die Stiftung „Nios en la Huella“ („Kinder auf dem Pfad“), die es sich zum Ziel gesetzt hat, Straßenkindern ein sicheres Umfeld zu bieten und Kindern aus extremen Familienverhältnissen zu helfen. Die Institution betreut bis zu 400 Kinder in Kindertagesstätten, Jugendzentren, Heimen und in einer Babykrippe. Auch diese Einrichtung erfährt Hilfe aus der Pfalz: Seit dem Jahr 2000 besteht – angeregt von ehemaligen Pfadindern und getragen von der Kolpingfamilie – eine Partnerschaft zwischen der Schifferstadter Pfarrei St. Laurentius und der Gemeinde San Norberto in Iquique.

Der Bezug zur Pfadfinderschaft zieht sich durch Paul Odens Leben und viele der in der Jugend geschlossenen Freundschaften haben über Jahrzehnte gehalten: beispielsweise in Pirmasens zu Fritz Ackermann und zu dem aus Pirmasens stammenden Pfarrer i.R. Anton Böckel (Diedesfeld), in Hauenstein zu Albert Siener, Pfarrer i.R. Willi Haus und Norbert Meyerer und zu vielen ehemaligen Pfadfindern in der Diözese Speyer. Ein ganz bedeutender Wegbegleiter in der Pfadfinderbewegung fand sich in Chile: Sebastián Piñera war Sippenführer bei Bruder Pauls Pfadfindergruppe. Er war von 2010 bis 2014 Präsident der Republik Chile. 

Bruder Paul sah sich ganz in den Fußstapfen seines Pirmasenser Landsmannes Paul Josef Nardini (1821-1862). Dessen Seligsprechung am 22. Oktober 2006 im Speyrer Dom durch Kardinal Wetter erleben zu dürfen, war für ihn ein großer Ansporn und ein tiefes, religiöses Erlebnis. Wie sein Landsmann in Pirmasens einst auf eine Not- und Elendssituation geantwortet hatte, so hatte Bruder Paul in Chile eine ähnliche Notwendigkeit bei den Straßenkindern vorgefunden. Ruhe- und rastlos, manchmal unkonventionell und immer zielorientiert hat sich der Verstorbene für Kinder und Jugendliche eingesetzt. Seine Mission: „Ich will in jedem Menschen Jesus sehen.“

„Ausruhen kann ich im Himmel“
Schwer erkrankt schrieb Bruder Paul Oden am 13. November 2015 einen Abschiedsbrief an seine früheren Weggefährten. Lange zitiert er darin eine Predigt von Papst Franziskus über Tod und Auferstehung und endet schließlich mit den Worten: „Auch für mich ist Advent. Die Ankunft in meinem Leben ist gekommen. Ich warte darauf, dass Gott ankommt, um mich mitzunehmen.“ Ausruhen war nicht sein Ding: „Ausruhen kann ich im Himmel“, sagte er einmal.

Und er äußert auch eine Bitte an all seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: „Vergesst nicht, bei den Werken des Herrn mitzuhelfen, die er durch mich erschaffen hat.“ (red)

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