Silbermöwe

Donnerstag, 26. Juli 2012

Campesinos setzen sich zur Wehr

Alois Eichenlaub: Goldmine zerstört Umwelt in der Region Cajamarca in Peru

Die Franziskaner von Cajamarca gewähren den Streikenden unter anderem im Vorhof der Kolonialkirche Unterschlupf. Foto: Privat

Das katholische Hilfswerk Misereor ist sehr besorgt über die gravierende Zunahme von gewaltsamen Konflikten in Zusammenhang mit dem Bergbau in Espinar und der Region Cajamarca im Norden Perus. Alois Eichenlaub, der aus Herxheim in der Südpfalz stammt, lebt und arbeitet seit 1961 in Cajamarca. Dort hat er unter anderem „Manthoc“, eine gewerkschaftsähnliche Organisation für arbeitende Kinder und Jugendliche, gegründet. Nachfolgend schildert Pfarrer Eichenlaub die Vorgänge, die er hautnah erlebt, aus seiner Sicht.     

Die peruanische Regierung hat die Erweiterung der Goldmine in der Region Cajamarca auf eine Fläche von 32 Quadratkilometern erlaubt. Hauptsächlich die Landbevölkerung dreier großer Provinzen der Region, etliche hunderttausende Campesinos sind davon betroffen. Nicht nur Land, auch das Wasser wird ihnen genommen, die Lebensgrundlagen. Die Mine existiert seit 1992 und hat bereits eine immense Fläche fruchtbarer Erde zerstört sowie das Wasser mit Chemikalien verseucht, so dass die Menschen krank werden. Diese Umweltverschmutzung soll noch schlimmer werden. Denn der Regierung ist das Gold, d.h. das Kapital wichtiger als der Mensch.
November letzten Jahres fingen Streiks an, in einem Ausmaß, dass die Regierung den Ausnahmezustand anordnete. Sie will mit Polizeimacht ihre Interessen durchsetzen.
Im Juni nahmen die Streiks zu. Sie dauern schon über einen Monat. Die Regierung schickte mehr Polizei nach Cajamarca, auch Teile des Heeres. Die Wut des Volkes steigerte sich. Mit Steinen und Stöcken griff es Polizei und staatliche Einrichtungen an. Die Polizei bekämpfte die Streikenden mit Stöcken, Gasbomben, Schrotflinten und Schusswaffen. Das Ergebnis: Anfang Juli gab es fünf Tote, viele Schwerverletzte und Festgenommene; zwei Polizisten und drei Soldaten wurden leicht verletzt. 
Eine der Festnahmen betraf Marco Arana, Kämpfer für die Umwelt und für Frieden, der bereits einen Friedenspreis in Aachen und viele nationale und weitere internationale Anerkennungen erhalten hat. Er saß friedlich auf dem Hauptplatz von Cajamarca, als ihn eine Polizeigruppe überfiel. Obwohl er sich ergab, wurde er misshandelt, beschimpft – auch in der Untersuchungshaft. Aufgrund der Festnahme von Marco Arana, der vielen Toten und der erweiterten Umweltzerstörung startete eine nationale und internationale Protestwelle. 
Auch die Solidarität der peruanischen Bevölkerung war unglaublich stark. Da die Streikenden in großen Gruppen von weither aus den Landgegenden kamen, boten die Franziskaner ihnen ihre Gastfreundschaft an – gegen den Willen des Ortsbischofs José Carmelo Martínez Lázaro. Der umgitterte große Vorhof der Kolonialkirche am Hauptplatz und viele der Räumlichkeiten des Klosters wurden zum Rettungsplatz der Campesinosmassen. Dort konnten sie schlafen und essen. Im Vorhof wurde gekocht und ein Erste-Hilfe-Zelt aufgestellt. Viele Freiwillige halfen mit.  
Ein Hoffnungsschimmer ist die Tatsache, dass sowohl Regierung als auch die Autoritäten der drei Provinzen eine kirchliche Gruppe, darunter der Präsident der peruanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Salvador Pineiro Garcia-Calderon, gebeten haben zu einer Vermittlersitzung in Cajamarca. Der Ortsbischof hat nicht das Vertrauen der Bevölkerung. Ähnlich wie die regierungsnahe Presse gab er die Schuld Terrorristengruppen. Er erhält Geld von den Goldminen. Hoffen wir, dass sich Lichtblicke ergeben. Nationale und internationale Solidaritätskampagnen können Druck ausüben und helfen. (Redaktion)

Spenden für die Arbeit von Pfarrer Alois Eichenlaub im Norden Perus, können unter dem Stichwort 
   „Alois Eichenlaub“ 
auf das Konto 
   Bistum/Silbermöwe
   Kontonummer 36340 
bei der 
   Liga-Bank Speyer
   BLZ 75090300 
eingezahlt werden.

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